18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Zwischenstand

7. Juni, Akureyri

Seit genau einer Woche sind wir nun unterwegs. Haben unser Abenteuer gestartet. Sind ausgezogen um die Welt zu erkunden. Zeit die erste Zwischenbilanz zu erstellen. Fassen, und ich denke ich spreche auch für Dave, kann ich es immer noch nicht. Habe noch nicht verstanden, dass dies jetzt mein Leben ist. Fernab von Alltagsritualen und Regeln. Dass es jetzt nur noch um mich geht, ich nichts mehr tun muss wozu ich keine Lust hab. Dass ich so reich beschenkt bin, und mir meine Liebsten doch so fehlen. Es ist erst eine Woche vergangen und ich fühle mich, als sei ich schon Monate unterwegs. Doch all die Freiheit bringt auch etwas weniger schönes mit sich. Zwangsläufig muss ich mich mehr mit mir selbst beschäftigen. Für meine Launen gibt es keine Ausreden mehr wie: „Die Arbeit war heute anstrengend“ oder „Sorry, ich hatte zu wenig Schlaf“. Und obwohl Dave wirklich immer verständnisvoll ist und mich umsorgt, habe ich von Zeit zu Zeit schlechte Laune. Wenn er ein Bild von mir macht, finde ich mich hässlich. Nicht nur ein bisschen, sondern richtig arg. Ich meckere rum, finde alles öde und hasse mich selbst. Ein grottiger Zustand. Schämen tu ich mich auch noch, weil ich absolut kein Recht habe so undankbar zu sein. Wie viele Personen haben schon die Möglichkeit das zu tun, was ich mache? Arge Selbstvorwürfe quälen mich und ich mache Dave die jeweiligen Situationen schwer.

2016.06.06.183406-0019

Schimpfender Rohrspatz

Zeit das Problem bei der Wurzel zu packen. Es hilft nicht, sich selbst zu schelten und krampfhaft zu versuchen sich gute Laune anzueignen. Das klappt nämlich nicht. Immer wieder grübele ich über mich nach und liege „nachts“ wach im Zelt. Ich versuche alles aus einer anderen Perspektive zu sehen. Da bin ich. Jung und gesund, an meiner Seite jemand der mich über alles liebt. Ich lebe meinen Traum. Und da ist Gott. Der mich genau so haben wollte wie ich bin. Mit diesem Körper und diesem Gesicht. Das sind also schon zwei Personen die mich von Herzen schön und gut finden. Und schon zwei Personen die sich liebevoll um mich kümmern. Und da sind Lieblingsmenschen zu Hause, die an mich denken und sich mit mir freuen. Ist das allein nicht schon genug, um einfach nur glücklich zu sein? Und zu all dem darf ich in heißen Quellen baden, riesige Wasserfälle bestaunen, seltene Tiere betrachten, den Geräuschen der Nacht lauschen und erleben wie Gott sich hier und da meldet. Klein und unbedeutend sind meine Sorgen. Ich brauche sie genauso wenig wie den Stolz der damit einhergeht. Ich beschließe morgen früh einfach gute Laune zu haben, und mich regelmäßig zu besinnen um was es im Leben eigentlich geht. Und siehe da- es hat geklappt.

2016.06.06.185523-0040

Migdalor again.

Back to the topic. In Akureyri sind wir aktuell. Das ist die zweitgrößte Stadt Islands, ganz oben im Norden, wo die Wale vorbei schwimmen. Doch selbst in unsere Freiheit schleicht sich etwas Routine ein. Jeden Tag sind wir auf der Suche nach Wasser, etwas zu essen, einem Schlafplatz und Benzin. Um euch alle auf dem laufenden zu halten sind Internet und Strom essentiell, leider weniger gut zu finden als die überlebenswichtigen Dinge. Oft sitzen wir mehrere Stunden im Auto vor einer Tankstelle und saugen die letzten Prozente aus unseren Akkus. Ein Sturm hat die Leitungen auf Island lahm gelegt, weshalb unsere Beiträge etwas schleppend online gingen. Übrigens freuen wir uns außerordentlich über jeden einzelnen Kommentar von euch. Und ist er noch so klein. Oft lesen wir sie mehrmals und unser Herz geht auf wenn jemanden unsere Bilder gefallen und er vielleicht sogar die Storys liest. Also keine falsche Scheu :).

Zwischen den Stops ist es unsere Angewohnheit, dass der Beifahrer den Fahrer mit Salzstangen, Kuchen, Käse und Wasser versorgt. Es macht ausgesprochen Spaß sich als Fahrer alles wünschen zu dürfen. Ich hab mich natürlich besonders gefreut, als mir Dave die Gummibärchen aus Deutschland gegeben hat. So sehr dass ich für zwei Minuten vergessen hab, dass man nur 90 kmh fahren darf. Und zack, haben uns die entgegen kommenden Polizisten geblitzt. Vergessen all die Freude über die Süßigkeit. Umgerechnet 400 € erwarten uns wahrscheinlich am Rückgabetag des Wagens. In Grund und Boden habe ich mich geärgert und super wütend bin ich geworden. Gerade noch waren wir im Supermarkt und haben uns stark am Riemen gerissen, nur das Allernötigste zu kaufen. Und jetzt das. Circa drei Stunden war ich wütend und habe geschimpft wie ein Rohrspatz. Ich hatte mir so viel Mühe gegeben wirklich immer nur 90 kmh zu fahren. Und genau diese zwei Minuten, in denen ich ausgelassen war, werden mir so gelohnt. Dave ruft mich zur Vernunft und gibt etwas sehr schlaues von sich. Er sagt er sehe dies als Erinnerung immer 100 Prozent bei der Sache zu sein. Denn es reichen nur zwei Minuten Unaufmerksamkeit und einer von uns könnte sich verletzen oder tot sein.

Große Liebe.

Achja. Unser Reifen wurde schließlich geflickt. Von einem isländischem Automechaniker. Komplett schwarz gekleidet, mit RayBen Sonnenbrille und schwarzem HUMMER. In 15 min. Eine weitere skurrile Begebenheit.

 

 

« »

© 2019 18-300mm. Theme von Anders Norén.

%d Bloggern gefällt das: