18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Zwischen Dauerregen und Treue

Schon seit einigen Tagen regnet es. Ununterbrochen, nass und kalt. Es ist ungemütlich und verdirbt die Laune. Wir haben einen Ort mit dem ulkigen Namen „Kaka-Point“ erreicht. Unter dem großen Werbeschild steht eigentlich:“ Sea, Sand, Scenerie“, aber bei der grauen Suppe fehlt jegliche Spur davon. Jojo nimmt das ganze mit Humor und posiert mit einer Klo Rolle in eindeutiger Pose unter der Tafel. Wir fahren noch ein Stück weiter und kommen schließlich an einem perfekten Campingplatz an. Es gibt dort kostenlose heiße Duschen, ganz ohne vier Minütige Zeitbegrenzung und sogar einen geschlossenen, überdachten Aufenthaltsraum. Eine richtige Küche steht uns zur Verfügung und wir müssen nicht mal unser eigenes Gas anzapfen. Dankbar steigen wir aus und flüchten das erste Mal seit längerer Zeit in einen richtigen Raum. Gemütlich bei Tee und Kaffee, sitzen wir jeder für sich, beisammen und lesen oder schreiben in unsere Reisetagebücher. Als es auch am nächsten Tag nicht aufhören will, entscheiden wir an diesem Ort weiter auszuharren und der Dinge zu warten. Ich bin unglaublich dankbar für dieses perfekte Timing, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort wunderbare Gegebenheiten vorzufinden. Abends wird ausnahmsweise Fertigpizza besorgt, gewürfelt und Cider getrunken. Als die Dämmerung hereinbricht huschen wir schnell zu unseren Betten und ich bemerke dass das unsrige nass ist. „Oaaa neee!“, stöhne ich. Offensichtlich ist unser Auto undicht. Durch die Gurte an denen das Kanu befestigt ist, tropft und tropft und tropft es hinein. Liebevoll und hilfsbereit wie Jojo und Jenny sind, teilen sie mit uns ihr Bettzeug und eng an Dave gekuschelt zusammen mit einer Wärmflasche überstehen wir die Nacht in den klammen Laken. Immerhin haben sind wir nicht mit dem Fahrrad und im Zelt unterwegs, wie unsere Nachbarn, geht es mir durch den Kopf. Was die wohl antreibt, ein solch dünnbesiedeltes Land durchzustrampeln? Dann lieber ein feuchtes Bett, als alles durchnässt und immer draußen!

 

Am nächsten Tag erwache ich und halte meine Augen geschlossen, ich hoffe inständig, dass der 24 h Dauerregen endlich aufgehört hat und wir weiter ziehen können. Und tatsächlich, ich vernehme keine Trommel Geräusche auf dem Dach und als meine Augen sich zu einem Schlitz öffnen, sehe ich einen kleinen Fetzen Blau am Himmel. Begeistert hüpfe ich in den Matsch um unser Auto und beginne sofort mit allen Vorbereitungen um den Ort zu verlassen. Mühsam und doch begeistert, versuche ich die Kopfkissen, Decken und Schuhe im Händetrockner des angrenzenden Klos zu entnässen, habe jedoch nur mäßigen Erfolg. Nach einem Honigbrot, einem Spicy Tüten Cappuccino und einer erneuten heißen Dusche starten wir gespannt in den vielversprechenden Tag. Zur Sicherheit, haben wir Plastiktüten unter die Gurte gehängt um alle neue Nässe aufzufangen. Unser erstes Ziel trägt den vielversprechenden Namen: Nugget Point. Die Sonne vertreibt nun die letzten grauen Wolken und treibt den Pflanzen die Feuchtigkeit aus. Dampf steigt überall auf und es wird richtig warm. Schließlich sind wir angekommen. Erneut liegt ein Küstenabschnitt vor uns, der schöner nicht anzusehen sein könnte. Dichtes Grün besiedelt die Hänge, die schroff und steil in ein wahnsinnig blaues Meer abfallen. Reißende Gischt leckt begierig um die immer kleiner werdenden Felsformationen, Seelöwen tummeln sich in der Sonne und spielen in den Wellen. Über allem thronend steht einsam und wachend ein weißer Leuchtturm. Ein kleiner Wanderweg führt uns zu dieser sagenhaften Aussicht und versetzt uns abermals in Staunen. Wie kann es sein, dass einfach jeder Abschnitt Neu Seelands eine fast übernatürliche Schönheit aufweist? Zum Glück schießt Dave Fotos, sonst würdet ihr meinen Zeilen wohl nie Glauben schenken.

Der Nugget Point.

 

Trotz der Wärme und des Sonnenscheins, zieht ein starker Westwind auf und zeichnet ein dramatisches Wolkenbild an unserem nächsten Zielort. Ein einsamer Strand, der in seiner Beschaffenheit an die Ostsee an kalten Tagen erinnert. Züngelnd lässt er weißliche Sandformationen dicht über dem Boden entstehen, und während ich über die Weite renne, meine ich ein wenig zu fliegen. Immer schneller tragen mich meine Beine und Freiheit fließt durch meine Venen. In diesem Moment, kann mich Nichts und Niemand aufhalten.

 

Am Nachmittag haben wir immer noch nicht genug, wandern weiter an der Küste entlang und stoßen schließlich auf einen einsamen, jedoch von hunderten Schafen besiedelten Campingplatz weit ab vom Schuss. Die ersten, schon oft als grausam beschriebenen Sandflys machen sich bemerkbar, doch noch trotzen wir ihnen. Wir parken Windgeschützt hinter einem Hain, trinken etwas Kaffee und besuchen als letztes für diesen Tag den vor uns liegenden Strandabschnitt. Interessantes Gestein fesselt Jojos ganze Aufmerksamkeit und lässt ihn wie einen Forscher, vorsichtig und ehrfürchtig darüberstreichend, aussehen. Als die letzten Sonnenstrahlen nochmals den Sand erwärmen, finden wir hinter einer Düne einen riesigen Seelöwen der uns mit seiner Flosse zuwinkt. Freundlich lächelt er und aalt sich in den zerriebenen Felskörnchen. Bis auf zehn Meter trauen wir uns heran und grinsen das Tier an. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber es gibt nichts schöneres als freie Natur aus nächster Nähe ohne Stress und Menschenmassen betrachten zu können. Eines der schönesten Geschenke, das man mir machen kann.

Direkt an unserem Campingplatz finden wir ein Meerestier dösend in der Sonne liegen. Ob das jetzt eine Pelzrobbe, ein Seelöwe, ein Seebär oder ein Seehund ist könnt ihr euch aussuchen 😉

Wie man sieht ändert sich hier fast minütlich das Wetter. Gerade noch Sonnenschein hat man zehn Minuten später extremen Wind und einen Wolkenbedeckten Himmel.

Hinter dem Leuchtturm hat man dann einen perfekten Ausblick auf die vor einem liegenden ‚Nuggets‘.

Auf dem Weg zu ‚Jack’s Blowhole‘, welches zwar weniger für Bilder geeignet, deshalb aber nicht weniger spektakulär war.

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