18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Zurück bei den Lebenden

 

Viele Tage sind seit dem letzten Eintrag vergangen, einige fragen sich vielleicht ob wir noch leben. Was soll ich sagen, „wieder“ wäre wohl die treffendste Antwort. Doch alles der Reihe nach…

Wir sitzen also am Flughafen und warten auf den Abflug unserer kleinen Maschine auf die erste Insel. Dave geht es gut, mir geht es gut, alles verläuft nach Plan. Wir landen planmäßig, finden ein Auto und sind sieben Stunden später in dem kleinen Küstendorf El Nido angelangt. Die Unterkunft ist klein und stickig, es regnet in Strömen aber wir sind glücklich. Erschöpft fallen wir auf die dünnen Matratzen, lauschen dem Brummen der Klimaanlage und ganz schnell fallen unsere Augendeckel schließlich zu.

Doch als der nächste Tag beginnt, starten wir nicht voller Tatendrang ins Getümmel. Es regnet, wir finden wenig leckeres zu essen, müssen die Unterkunft wechseln und mir geht es auf einmal irgendwie nicht mehr so gut. Ich fühle mich schwach und alles scheint irgendwie so anstrengend zu sein. Ratten und riesige Schaben huschen durch die Gassen. Lautes Geknatter der Tricycles und ein hektisches Straßenleben beginnen mich zu stressen. Mit jeder Stunde verschlechtert sich mein Gesundheitszustand und nach der folgenden Nacht hat mich ein nie gekanntes Fieber fest in seinem Griff. Bei warmen 28 Grad friere ich erbärmlich im Schüttelfrost, jedes Gelenk tut unsagbar weh. Ich stopfe in Hülle und Fülle Paracetamol in mich hinein, weiß jedoch längst dass ich nun wohl das gleiche wie Dave ausbaden darf. Ob ich mich angesteckt habe? Ich versuche mich an sämtliches Fachwissen zu erinnern, kann jedoch kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Nach einem weiteren Tag ist klar, dass ich das ohne ärztliche Hilfe nicht durchziehen kann. Doch das nächste Krankenhaus ist laut Internet wieder sieben Stunden Fahrt entfernt und wir sind doch gerade erst angekommen… Ich frage sicherheitshalber doch noch unseren Vermieter ob es hier vielleicht einen Arzt gäbe. Ja den gibt es und sie hat sogar ein Labor. Wir können unser Glück kaum fassen. Dave und Mientje helfen mir in ein Tricycle und wir machen uns sofort auf den Weg.

Die Krankenstation ist klein, doch sie hat alles was man für einen Notfall braucht. Eine kleine, sehr einfühlsame nette Ärztin begutachtet uns und schlägt einen Blut- sowie Urintest vor. Keine 30 Minuten später kommt sie mit ihrem Krankenschwestern Gefolge an meine Liege. Ihr vorher so unbetrübtes, freundliches Gesicht ist nun einem sehr ernsten gewichen. In der Hand hält sie unsere Ergebnisse. Ich versuche ihrem schnellen Fachenglisch zu folgen, aber es bleiben nur die Schlagwörter hängen. Ich habe Dengue Fieber und meine Werte weisen auf einen Infekt in der Lunge sowie im Urin hin. Ich müsse jetzt sehr aufpassen, Anitbiotika und Symptom hemmende Medikamente nehmen. Ob ich das schaffen würde. Sie erzählt mir von den Komplikationen die bei Dengue Fieber auftreten können: Anzeichen wie ein Ausschlag, Nasenbluten, schwarzer Stuhl oder krampfartige Bauchschmerzen sind Vorboten der Gefahr von lebensbedrohlichen inneren Blutungen. Ich nicke und versichere aufzupassen.

Wieder in unserer Unterkunft überrede ich Mientje und David doch wenigstens eine nachmittägliche Unternehmung zu starten, ich könne ruhig ein paar Stunden alleine bleiben. Außerdem hat Dave mich bereits liebevoll mit allen Medikamenten und einer furchtbaren Elektrolytlösung versorgt. Doch gerade als die zwei aufbrechen wollen, beginnen mir heftige Bauchkrämpfe das Leben schwer zu machen. Obwohl ich wirklich versuche die Tränen zu unterdrücken, kann ich vor Schmerzen nicht anderes. Erneut lassen die zwei alles stehen und liegen und bringen mich zur Krankenstation. Ich werde auf die Holzbare gelegt, die Ärztin kommt. Und dann geht alles ganz schnell: während die Krankenschwestern vergeblich versuchen mir eine Nadel zu legen, verschlechtert sich meine Atmung. Die Schmerzen lassen mein Blickfeld unscharf werden und ich beginne zu hyperventilierten. Hektisch laufen mehrere Leute um mich herum, scheinbar muss jetzt alles ganz schnell gehen. Meine Hände beginnen zu kribbeln, werden taub. „Machen sie eine Faust, machen sie eine Faust!“, weist mich die Krankenschwester an. „Ich kann es nicht!“, japse ich. Meine Augen flackern. Die Taubheit ‚wächst‘ meine Arme entlang, überzieht langsam die Seiten meines Gesichts. ‚Pfötchenstellung‘, schießt es mir panisch durch den Kopf und ich bin entsetzt in welchem Winkel meine Hände nun zu meinen Armen abstehen. Im nächsten Moment landet die vierte Nadel erfolgreich in meiner Elbbeuge und eine Tüte auf meinem Mund. Irgendwo am Ende der Liege nehme ich schwach Dave’s Hand auf meinem Bein wahr. Ich weine und krümme mich vor Schmerzen und muss einen ziemlich erbärmlichen Eindruck machen.

Die nächsten Stunden liege ich fiebernd und erschöpft, jedoch mit reichlich Ampullen und Infusionen versorgt in einem Zimmer. Dave und Mientje sind endlich auf ihrem Ausflug. Spät nachts um ein Uhr holt Dave mich zurück ins Hostelzimmer.

Es folgen gute und schlechte Tage in denen ich mich Frage ob diese Tortour jemals zu Ende sein wird. Ich werde so schwach, dass es mir nicht mehr möglich ist ohne Hilfe aufzustehen. Übelkeit, Schweißausbrüche und Kälteattacken zwingen mich in die klebrigen Laken und quälen mich bei Tag und bei Nacht. Bei jeder Bewegung der Augen habe ich das Gefühl Rasiermesser scharfe Klingen zerschneiden mein Gehirn und meine Haare wiegen eine gefühlte Tonne. Ich bete. Dave betet, Mientje betet. Alle beten.

Und dann wache ich auf, das Fieber ist deutlich gesunken… und hat mir einen unglaublich furchtbar juckenden Ausschlag am ganzen Körper hinterlassen. Wieder muss ich weinen vor nächtlicher Qual, dusche meine Extrimitäten im zehn Minuten Takt, verbrauche Unmengen an Fenistil und bettele Gott an er möge dem ganzen bitte endlich ein Ende bereiten. Immer wieder stehe ich kurz davor ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, doch schlussendlich kommt es nicht dazu. Nach einer Woche kehrt sehr langsam aber sicher der Lebensgeist in mich zurück und schenkt mir Hoffnung und eine unglaubliche Dankbarkeit für das Gut der Gesundheit.

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