18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Wohlstand

Mitternacht. Canberra.

Glücklich und überaus zufrieden steigen wir aus dem Bus und stolpern direkt in Sue’s herzliche Umarmung. Ein liebevolles Lächeln und ein ‚Willkommen‘ lassen mich hier noch wohler fühlen. Zum ersten mal seit der Landung können wir entspannt durchatmen und schließen für einen kurzen Moment die Augen. Es ist so frisch, so kühl, so unglaublich angenehm. Ich versuche noch tiefer ein zu atmen als eigentlich möglich. Ich spüre regelrecht wie sich meine Lungen mit sauberer, frischer Luft füllen und ich weiß, dass ich nicht nur den Schnee sondern auch die Bergluft ganz arg vermisse. Zusammen mit Sue fahren wir zu ihrem Haus und lernen uns langsam kennen. Sie erklärt uns wo wir uns befinden und informiert uns über die Einzelheiten der Umgebung. Ihre herzliche, ehrliche Freundlichkeit ist wie Balsam und später bestätigt sich mein Verdacht über ihre Großzügigkeit. Nach einer halben Stunde sind wir schließlich angelangt und steigen aus dem Wagen. Noch einmal atme ich tief durch und blicke zu den Sternen, die hier so zahlreich erscheinen wie schon lange nicht mehr.  Dann tapse ich hinter den anderen zur Haustür und werde direkt von zwei flauschigen Katzen begrüßt. Als mein Blick umherwandert gerate ich ins Staunen. Ich hatte ja mit vielem gerechnet, nur nicht damit. Das Haus ist riesig, weitläufig und geräumig. Es ist wertvoll eingerichtet und unglaublich sauber. Nach fast vier Monaten in Asien, erschlägt mich der Europäische Standard und lässt mich in Verzückung geraten. Alles ist aufgeräumt und es riecht unglaublich gut. Sue führt uns durch die zwei Wohnzimmer in unser eigenes Gästezimmer. Und da steht es: ein unglaublich großes Doppelbett mit riesig dicker Matratze, vielen Kissen und einer sehr flauschig aussehenden dicken Bettdecke. Eine kleine Kommode und ein großer Wandschrank laden zum Auspacken ein. Nach sechs Monaten kann ich endlich meine Wäsche ordentlich auf einen Stapel legen und einen Bügel benutzen. Mein Grinsen und meine Glücksgefühle könnten nicht noch breiter sein. Ein eigenes Bad haben wir auch. Mir großer Dusche und frisch duftenden Handtücher aus Baumwolle. Und es ist so unglaublich sauber. Fast andächtig laufe ich auf dem weichen Teppich und flüstere Dave ständig: „Es ist so schön. Oh mein Gott! Es ist so schön!“, ins Ohr. Auch er kann nicht fassen wie viel Gnade wir bekommen haben und wie lange wir das nun nutzen dürfen.

Sue kocht in der Zwischenzeit einen Tee für uns auf und wir lassen uns auf die großen, amerikanisch wirkenden Sessel fallen. Eine sehr große Couch und eine gut ausgestattete Medienecke runden das weitläufige Wohnzimmer ab. Eine Front des Wohnzimmers ist komplett verglast und gibt Blick auf die, gerade im dunkel liegende Terrasse frei. Sue nimmt nun auch Platz und beginnt uns weiter Dinge zu erzählen und wir tauschen uns aus. Gerade erklärt sie uns den Mechanismus des Sessel, und ich meine mich verhört zu haben. Aber nein, ich liege richtig. Man kann das Fußteil des Sessels hochklappen, und den ganzen Sessel in die Horizontale bringen. Sogar die Rückenlehne verschiebt sich und lässt es wie ein urgemütliches Bett aussehen. Sue fährt fort. Es gäbe zwei Wohnzimmer, damit gleichzeitig zwei Parteien Playstation spielen könnten. Playstation? Dave wird hellhörig. Ja, es gäbe vier davon, meint Sue lächelnd und zeigt uns Schubladen voller Spiele. Nun ist Dave im siebten Himmel und auch ich kann meine Augen von dem riesigen Flachbildschirm nicht abwenden. Richtig cool, mal jemanden zu treffen, der älter ist als man selbst, aber genauso begeistert von Computerspielen. Nach einigen weiteren unglaublichen Features, wie ein Netflix Account, HiFi Anlage und die riesige Küche verabschieden sich schließlich alle ins Bett und ich schlafe in null Komma nichts ein.

Fröhlich, ausgeruht und sehr dankbar erwache ich morgens durch munteres Vogelgezwitscher und herrlich warme Sonnenstrahlen. Der weiche Teppichboden scheint meine nackten Fußsohlen fast zu streicheln und ich betrete gespannt die Dusche. Geruchsneutrales, herrlich warmes Wasser umströmt mich und ich bin schon wieder verzückt. Ich kann es nicht fassen, wie gut es mir geht und dass ich einen Monat in diesem Haus leben darf. Dass wir unser eigenes Auto haben, total viel Platz und so viele Möglichkeiten. Strahlend schlüpfe ich in frische Kleidung und begebe mich zu den anderen ins Wohnzimmer. Warmes Sonnenlicht dringt nun durch die große Fensterfront und gibt den Blick auf einen tiefblauen Himmel frei. Zwei Beagels schnüffeln und kratzen aufgeregt an der Tür. „Bosun and Bella!“, stellt Sue uns die zwei vor und ich schließe sie sofort ins Herz. Ihr braunen Schlappohren und die schwarzen Augen erinnern mich an Klein Tino. Und auch wie sie sich ganz aufgeregt über uns freuen. Ich trete durch die Terrassentür und werde fast übermannt. Ganz schön stark die zwei. Tausend Hundehaare kleben an meiner schwarzen Jacke… ja, das hab ich vermisst. 🙂

Die weitläufige Terrasse wird von einem Meer aus Blumen umgarnt, grüne Laubbäume bilden ein herrlich Schatten spendendes Blätterdach und hinter dem Gartenzaun liegt bereits das Reservat, indem tatsächlich ganz live und nah Kangurus umher hüpfen. Unzählig viele Papageien in ihrer ganzen Farbpracht flattern durch die Luft und kreischen fröhlich. Bin ich im Paradies? Ich glaube schon. Noch bevor ich weiter staunen kann, ruft Dave mich ins Haus, denn wir brechen auf. Als ob Sue Gedanken lesen könnte, fragt sie: „Are you hungry?“. „Starving“, lächele ich entgegen. Und dann lädt sie uns tatsächlich zu einem All-You-Can-Eat Buffet ein. Bin ich im Paradies? Mit Sicherheit!

Und hier sind wir nun also, in einem großen Haus, willkommen von einer herzlichen, großzügigen Frau, auf einem atemberaubend schönen Kontinent. Täglich warmer Sonnenschein und frische Luft, so viel Luxus wie wir uns nie erträumt und auch noch nie genießen durften. Wilde, nie zuvor gesehene Tiere in direkter Nähe und eine ganz neue Flora und Fauna.  Vier knuffige Haustiere die unsere Aufmerksamkeit brauchen und Zeit. Zeit für uns und unsere Beziehung zu Gott. So oft schon habe ich geschrieben, dass ich dankbar bin. Ich wusste nicht, dass sich Dankbarkeit steigern lässt, doch bei mir scheint es definitiv so zu sein.

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