18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Was es bedeutet frei zu sein

Dies ist eine Aufzeichnung über die wichtigste Begebenheit in meinem Leben. Sie hat viel mit mir zu tun, jedoch nichts mit der Reise. Also lese, wer mich näher kennen lernen möchte, und klicke weiter, wer nur etwas über die Reise wissen möchte.
Für viele mag sie befremdlich klingen, einige werden es vielleicht nicht verstehen. Aber vielleicht wird es auch einige geben, die Hoffnung und Mut schöpfen können. Und ich kann nicht länger darüber schweigen, was Gott für mich getan hat.

Wie viele vielleicht schon wissen, bin ich Krankenschwester. Ich arbeitete jedoch in der geschlossenen Akutpsychiatrie. Um mir das Geld für unsere Reise zu verdienen, beschloss ich so viel zu arbeiten wie nur irgendwie möglich ist. Ich arbeitete schließlich in 4 verschiedenen Kliniken. Hatte teilweise nur noch ein oder zwei Tage frei im Monat. Schob Doppelschichten, und arbeitete mich regelrecht auf. Und das für mehr als sechs Monate. All meine Energie floss in die Arbeit, von der man auf geschlossenen Stationen doch recht viel braucht.
Die Psychiatrie hat mich noch mehr verhärtet als ich schon war. Mitleid und Einfühlungsvermögen waren nicht mal mehr im Privatleben möglich. Zu hoch der Schmerz und das Leid das man jeden Tag an seinen Patienten sieht.

Jahrelang hatte ich immer wieder versucht eine persönliche Beziehung zu Gott aufzubauen. Und immer wieder scheiterte ich. Irgendwas hielt mich ab, und mein Hass und meine Wut auf Gott wuchsen ins unermessliche. So viele Christen die angeblich alles mögliche mit Gott erfuhren, eine persönliche Beziehung zu ihm hatten. Und ich? Wenn ich heulend auf dem Boden saß und ihn anschrie, er solle mir helfen und sich irgendwie zeigen, weil ich mich selbst nicht mehr aushielt- dann folgte nur Stille. Immer mehr schottete ich mich innerlich ab. Ich wollte entweder ein ganzer Christ sein oder gar keiner.
Immer weniger spürte ich mich selbst. Wusste nicht mehr wer ich bin. Sah in den Spiegel und hatte das Gefühl eine Fremde anzustarren. Also bemühte ich mich, zu einer Person zu werden, die ich gut fand. Die aber eigentlich nichts mit mir zu tun hatte. Ich erschuf mich selbst, und kämpfte gleichzeitig gegen mein echtes Ich an. Der Selbsthass übertrumpfte schließlich sogar den Hass auf Gott. Immer mehr Energie kostete es mich im Kreis von Freunden und Familie meine Wut und Aggression zu verbergen. Mich so „normal“ wie möglich zu verhalten.
In der Arbeit lernte ich gleichzeitig, wie man noch mehr von sich fern hält und kalt und hartherzig wird.

Gegen Ende der sechs Monate reichte mein Energiereservoir nicht mehr aus. Die Arbeit verschlang so viel, dass alles was ich über Jahre Schicht für Schicht vergraben hatte wie eine eklige Brühe wieder hochkam. Alles erschien mir sinnlos. Das ganze Leben war ein einziger, aussichtsloser Kampf. Ich hasste mich selbst mehr als jeden anderen und konnte mir nicht vorstellen, dass es noch irgendeine Besserung geben sollte.
Das Beste, so beschloss ich, wäre es meine Mitmenschen von der Last meiner Anwesenheit zu befreien und meinem Leben ein Ende zu setzen. Als Krankenschwester weiß man, was man zu tun hat und wie man es richtig macht. Zuerst informierte ich mich nur und behielt den Gedanken im Hinterkopf, bis er immer mehr Besitzt von mir ergriff. Schließlich hatte ich alles beisammen.

Zu dieser Zeit stiegen auch die Suizide in meiner Arbeit wieder an, und sogar in Daves Familienumkreis nahmen sich zwei junge Männer ihr Leben. In meinem Kopf hatte nichts anderes mehr Platz. Ich konnte mich und die Welt nicht mehr ertragen und ich fuhr sogar zu Dave, um die Beziehung zu beenden.
Für alle anderen miemte ich so gut es ging die Normale. Niemanden erzählte ich von meinen Plänen.

Meine Mutter und Dave bemerkten natürlich, dass es mit mir seit einiger Zeit immer schlechter wurde und wir entschieden uns zusammen dass ich zu einer Seelsorgerischen Einrichtung gehen sollte.
Alles in mir weigerte sich, zumal ich eigentlich noch Dienste in der Klinik hatte. Und noch etwas anderes spielte mit hinein. Über die Jahre hatte ich mir all das angewöhnt und angeeignet was besonders schwer ist. Ein schwerer Beruf zum Beispiel, damit ich mir selbst beweisen kann wie hart ich bin, und wie hart ich arbeiten kann. Schwäche und Weiblichkeit wiederten mich an. Niemals, hatte ich mir geschworen, würde ich Schwäche zeigen, oder Hilfe annehmen. Alles tat ich, um es anderen Recht zu machen, und mir zu beweisen, dass ich vielleicht doch zu irgendetwas taugte. Das ganze führte soweit, dass ich einen freien Tag nicht mehr genießen konnte, mich mit freier Zeit „schlecht“ fühlte, weil ich sie nicht sinnvoll mit Arbeit genutzt hatte. Nervenzusammenbrüche waren die Folge und unendlicher Selbsthass, wenn ich nicht jeden Zusatzdienst an mich nahm.

Doch Suizide sind egoistisch, und ich dachte mir: Eine letzte Chance gebe ich mir noch. Und wenn es nur für die Familie ist.

Mit einer tiefen Abneigung gegen alle Christen und Gott an sich, gelangte ich ins Jeremiah Werk. Es war ein Seelsorgeseminar welches ich besuchte, und welches nur aus 6-7 Teilnehmern bestand. Alle anderen waren schon sehr viel älter als ich, gefestigte Christen und schienen mir dieses Seminar nur zur „Auffrischung“ zu besuchen. Sie saßen am Tisch und unterhielten sich wer auf welchen glorreichen Konferenzen gewesen sei, und welcher Prediger gerade „in“ ist.
Ich explodierte förmlich vor Wut und musste den Raum verlassen um nicht ausfallend zu werden.

Was für eine ungerechte Welt ist das? Was ist mit all den Patienten vor meiner Nase, die im Leid ersticken und regelrecht in ihrer Krankheit vor sich hinsiechen. Seit Jahren vegetieren. Ja sogar selbst Gott anbeten und ihn bitten sie zu retten. Denen kein einziges Medikament hilft, die missbraucht und vergewaltigt, von der Gesellschaft ausgestoßen und zu einem Leben in einer geschlossenen Anstalt verdonnert wurden. „Und ihr redet von irgendwelchen Konferenzen?“, wütete ich in meinem Zimmer.
Ich schrie Gott an: „Was bist du für ein nichtsnutziger Gott, was ist mit dir? Wo ist deine achso große Gerechtigkeit und Güte? An welcher Stelle bist du bitte ein liebevoller und guter Gott? Wenn dir verdammt noch mal auch nur irgendein Quäntchen an mir liegt, dann melde dich gefälligst. Zeige mir, dass du wirklich da bist.“
Mir kam es so vor, als ob die Christen in einer Blase leben würden und von der Realität da draußen nichts mitbekämen.
Und doch wusste ich tief in mir drinnen, dass es irgendwas mit diesem Gott auf sich hatte. Denn wenn ich ihn so sehr hasste, warum suchte ich dann doch immer wieder nach ihm? Wusste irgendwie dass er meine einzige Rettung sein kann. Ich quälte mich.
Gottesdienst für Gottesdienst stand ich durch und musste doch immer wieder den Raum verlassen. Der innere Kampf zu groß.

Mir war alles egal. Entweder Gott würde nun endlich mal etwas tun, oder ich würde ins Totenreich gehen. Ich hatte die Nase gestrichen voll. Und lies ihn und die Mitmenschen in dem Seminar meine ganze Wut spüren.

Und Gott kam. Er vereinigte Heerscharen von Menschen. Erst später erfuhr ich was abseits meines Aufenthaltes im JeremiaWerk geschah. Während ich Einzelgespräche hatte und mit mir kämpfte, beteten in ganz Deutschland, Österreich und sogar in England Menschen für mich. Die meisten kannten mich gar nicht und wussten auch gar nicht worum es sich eigentlich handelte. Ganze Gemeinden schlossen sich zusammen, beteten nächtelang. Menschen fasteten für mich.
Es passierten übernatürliche Dinge.

Dave, der daheim geblieben war und auch schon länger mit Gott haderte, fuhr von der Arbeit nach Hause und hatte die Eingebung plötzlich für mich beten zu müssen. Und zwar zusammen mit seinem Bruder. Er rief ihn an und sagte er solle sein Bier weglegen, er käme gleich und wolle gemeinsam mit ihm für mich beten. Sie fuhren an den Waldrand und begannen. Auch Jojo wusste nichts von meinem Zustand und was mich beschäftigte, lediglich, dass es mir nicht gut ginge. Von sich aus befahl er dem Geist des Todes und Selbstmordes über mir zu weichen. Er betete mit Macht. Ein Anruf auf seinem Handy kam herein, wurde jedoch nicht beachtet. Als das Gebet abgeschlossen war, rief Jojo den Anrufer zurück. Es war ein Freund der Familie.
Er hätte ein Anliegen gehabt, was er Jojo unbedingt erzählen müsse. Er sagte: „Ich habe dich am Waldrand stehen sehen, betend. Und Gott hat mir gesagt er hat dir Macht gegeben Geistern zu befehlen, über sie zu gebieten. Vor allem gerade dem „Selbstmordgeist“ , der unter vielen weilt“.
Arne konnte nicht wissen, wo Dave und Jojo sich gerade befunden, und was sie getan hatten, geschweige denn, wie es mir ging.

In meinen Einzelgesprächen ( im Jeremiahwerk) redete niemand groß auf mich ein, oder meinte zu wissen was mir fehlte. Im Gegensatz. Es wurde einfach nur gebetet, und die Mitarbeiter wussten plötzlich Dinge aus meinem Leben, die sie nicht wissen konnten.
Immer tiefer gingen wir in die Vergangenheit rein, viele Dinge wurden mir klar. Bei einem unserer zahlreichen Umzüge wurde ich entwurzelt. Verlor mein Urvertrauen, verlor noch mehr Vertrauen nach der Scheidung meiner Eltern.
Obwohl meine Eltern mehrfach von christlichen Freunden gewarnt wurden, den Ort nicht zu verlassen, taten sie es doch. Dies war der Zeitpunkt wo der Feind das erste mal tief in unsere Familie hineinkam und sein Unwesen treiben konnte. Ohne etwas dafür zu können, hing ich in den Fängen der Vergangenheit, der Lasten meiner Eltern, den Klauen der Freimaurer. Viele geistliche Kämpfe wurden gefochten. Ich weinte und zerbarst innerlich. Sagte mich los von allerlei Schwüren, die ich über mich selbst gelegt hatte. Schnitt mich ab von allen Altlasten. Und wurde frei. Gottes Gegenwart war so stark da. Ich merkte wie diese bleierne Schwere von mir abglitt, wie ich mich endlich nicht mehr für alles verantwortlich fühlte. Und bekam von Gott meine Antwort.
Gladys, die Mitarbeiterin die mit mir all dies „durchmachte“ sagte zu mir: „Clara, ich soll dir von Gott noch etwas sagen.
Seine Worte an dich sind: Du bist mein Baby und du hast nichts weiter zu tun, als das was Babys tun. Nämlich nichts. Du sollst dich einfach nur lieben lassen. Jetzt ist die Zeit des Nehmens und des Genießens. Ich möchte, dass du so wirst, wie ich dich geschaffen habe. Zurück zu deinem Urwesen.“

Alle Dämme brachen in mir. Diese Zeilen rührten mein Herz so tief an, wie nichts zuvor. Gott hatte sich gezeigt, hatte so viele Menschen vereint, und hatte sich mir von einer ganz anderen Seite gezeigt.
Am Sonntag war noch eine andere Veranstaltung an der sehr viele junge Leute kamen, einfach nur um zusammen zu beten. 24 h lang. Tag und Nacht durch.
Eine junge Frau kam auf mich zu. Rosanna. Sie sagte, sie wolle mir etwas sagen. Ob ich früher mal kreativ gewesen sei und gemalt habe. Ich bejahte diese Frage. Sie sagte, Gott wolle dass ich wieder male, denn er liebe meine Zeichnungen.
Auch Rosanna, die mich noch nie zuvor gesehen hatte, konnte nicht wissen wie gern ich mal gezeichnet hatte.

Als die Veranstaltung aller jungen Erwachsenen zu Ende war, wurden die jungen Teilnehmer dazu aufgerufen zu erzählen was sie in den letzten 24 h erlebt hätten. Viele gaben Zeugnisse ab, in denen sie erzählten von welchen Zwängen und Ritualien sie frei wurden. Und schließlich ging auch ich vor. Während ich vor den 100 Leuten erzählte was mir widerfahren war, rannen mir die Tränen nur so runter. Und dann legte sich eine Macht auf mich, die mich am ganzen Körper zittern lies. Ich betete für alle da draußen, die mit dem Tod rangen. Dass sie frei würden, so wie ich. Gott war so stark da, dass auch andere im Raum begannen am ganzen Körper zu zittern. Nie habe ich eine solche Macht erlebt.

Gott war da, er kümmerte sich um mich kleines Menschlein. Er lies Fremde zu mir gehen, lies Fremde für mich beten und befreite mich von allem Schwarzen und Bösen. Seit diesem Zeitpunkt bin ich frei. Frei von Selbstmordgedanken, frei von zuschnürender Depression, frei davon, mir beweisen zu müsssen wie „hart“ ich bin. Frei davon, mich selbst, Weiblichkeit, Ehe und Kinder richtig tief zu hassen. Ich stehe ganz neutral da, und bin dabei mich selbst kennen zu lernen. Mein Herz ist voller Freude, mein Denken so erweitert. Ich weine wenn ich diese Zeilen schreibe, weil ich weiß, dass Gott wirklich da ist. Und dass er mich liebt. Und dass ich ihm nicht egal bin. Dass er alles, wirklich alles für mich tut.

Sicherlich werden mich nun einige, die dies lesen verspotten. Vielleicht halten sie mich für Geisteskrank. Aber das ist es mir wert. Denn wie viel mehr hat Gott für mich getan? Also will ich es jedem erzählen, und es ist mir egal was andere von mir denken. Denn mein Herz ist frei und ich bin glücklich wie nie zuvor. Nichts schöneres kann ich mir vorstellen, als wenn ihr alle diese Kraft, diese Liebe und diese unbändige Freiheit auch endlich spüren könnt. Ich bete für euch alle, dass ihr erkennt wer ihr wirklich seit. Zu was euer Leben bestimmt ist und welch großartige Dinge auf euch warten.

Jesus Christus ist mein Gott. Mein liebender Vater. Er hat mir ein neues Herz gegeben
und ich bin ungezähmt.

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