18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Titiwangsa

So herrlich heißt unsere Haltestelle, die wir jeden Tag mit mehreren Besuchen beglücken. Zum Mittag oder Abendessen fahren wir oft in die nahe gelegene Mall, laben uns in einem der unzähligen Restaurants und stöbern durch den Japanischen Ramschladen. Was es dort nicht alles gibt. Quitschbunte Ware stapelt sich in den Gängen, Produkte die Lösungen für nicht vorhandene Probleme versprechen und Gegenstände welche wir trotz Beschreibung nicht erkennen. Und obwohl wir fast jeden Tag in der Mall sind, entdecken wir immer noch  neue Gänge, Geschäfte oder Etagen. Dieses Einkaufszentrum scheint kein Ende zu nehmen und eignet sich hervorragend zum Zeitvertreib. Allen Ernährungsratschlägen zum Trotz, hat es uns das Café mit den unglaublich leckeren Torten besonders angetan. Schokoladenträume mit Keksstücken und viel Sahne, wer kann da ’nein‘ sagen? Das schlimmste ist, dieser Laden ist nur drei Häuser von unserem Zimmer entfernt und hat bis um elf Uhr nachts geöffnet…

22:30 Uhr Clara: "Daaaave... ich hab noch so Hunger" Dave: "Megscht an Guts?" Clara: "Ja aber nur was gesundes... Sonnenblumenkerne oder so!" 1/2 h später: Dave hat einkauft. "Ist doch gesund, Mehl und Eier und so..."

22:30 Uhr
Clara: „Daaaave… ich hab noch so Hunger“
Dave: „Megscht an Guts?“
Clara: „Ja aber nur was gesundes… Sonnenblumenkerne oder so!“
1/2 h später: Dave hat einkauft. „Ist doch gesund, Mehl und Eier und so…“

Zwischen all dem Gaumenschmaus, den Blick auf die Skyline und den freundlichen Einheimischen tauchen wir immer mehr in die Islamische und Hinduistische Kultur ein. Kaum eine Frau begibt sich ohne ihr Kopftuch oder ihre Burka vor die Haustür und selbst Mädchen im Alter von 12 Jahren sind bereits verhüllt. Es gibt eine Islamische Bank und so ziemlich jedes Restaurant ist ‚halal‘.

Gerade sitze ich auf dem Dach unseres Hauses, auf welches Dave und ich in aller Stille, klammheimlich und verbotenerweise geklettert sind. Wir sitzen auf einem alten Betonsockel, der Putz bröselt bereits. Unser Blick schweift über die langsam einziehende Dämmerung , den sich Rosa färbenden Himmel und die von Gebetsklängen sirrende Luft. Es ist angenehm warm, die Hitze des Tages verschwunden. Fledermäuse peitschen über unseren Köpfen vorbei. Mit den letzten Sonnenstrahlen entfaltet sich Myriaden an Lichtern die einem den Atem rauben. Fast wehklagend ertönen die finalen Suren, dann ist die Nacht hereingebrochen. Ich lasse die Stadt auf mich wirken und genieße jedes Sekunde. Es ist faszinierend wie eng die religliöse Kultur mit der Kunst der Moderne verwoben ist und wie penetrant die Einheimischen doch daran festhalten. Gestern besuchten wir die berühmten Höhlen von Kuala Lumpur. Eine über 272 Stufen zu erreichende Felsformation mit Hinduistischem Tempel. Überrannt von Menschenmengen, übersät von Ratten und Tauben und vermüllt in jeder Ecke. Miefige feuchte Ecken und aggressive Affen runden das Bild ab. Mitten drin stehen Touristenstände die blinkende Buddhas, billige Halsketten und kleine Täfelchen verkaufen. Und trotzdem ist es extrem wichtig, dass niemand diesen Ort ohne genügend bedeckende Kleidung oder mit Schuhen betritt. Wie kann diesen Gläubigen auf der einen Seite das Aussehen der Besucher so wichtig sein, während sie auf der anderen Seite ihre Heilige Stätte vermodern und verdrecken lassen. Als ich wieder an dem Verkaufsladen mit Leuchtreklame vorbeikomme muss ich an Matthäus 21,14 denken. Genau so muss es damals auch gewesen sein.

Und doch genieße ich diese vielen Eindrücke, diese neuen Gedanken, das Wertschätzen des Gekannten. Es erweitert meinen Horizont, lässt mich anfangen anders über Dinge zu denken. Diese Reise besteht nicht nur noch aus Baden und Fotos machen. Irgendwo bin ich auch auf dem Weg zu mir selbst… was könnte spannender sein als sich selbst neu zu entdecken.

 

 

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