18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Sommeranfang auf Monkey Island

 

Entfernend vom Slope Point führt unsere Route nun die Küste der Südinsel wieder gen Norden. Wo am Anfang des Tages noch leichte Wolken zu sehen waren, ist nun strahlend blauer Himmel und ein gleißender Sonnenball Programm. Auch der allgegenwertige Westwind lässt nach und es scheint als ob der Sommer am anderen Ende der Welt endgültig Einzug halten würde. Mit herunter gekurbelten Fenstern, aufgedrehter Musik und Sonnenbrillen im Gesicht erreichen wir einen kleinen Küstenabschnitt namens Monkey Island. Endlich kurze Hosen, T-Shirt freie Oberkörper und Literweise Sonnencreme für jedermann. Die Stimmung ist ausgelassen, es wird geneckt, getollt und über den breiten Sandstrand gerannt. Zwischen den Dünen spannen wir Wäscheleinen, kochen Pasta und Salzgeruch hängt in der Luft. Fast ein bisschen Ostseefeeling. Ich genieße die Wärme, lese und schreibe, sammele Holz und male vergängliche Bilder in den Sand. Schweiß rinnt meinen Rücken herab und ich habe absolut nichts dagegen, so dankbar bin ich für den Wetterumschwung. Zu viert beschließen wir am Meer entlang zu gehen und die riesigen Sandsteinfelsen mit den zahlreichen Initialen und Kalligraphien genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier und da sind kleine Treppenstufen in den porösen Fels geschlagen, Woanders warten Höhlen auf ihre Entdeckung. Die verschiedenen Gesteinsschichten leuchten in allen Nuancen zwischen Gold und Orange und sogar der Sand zu unseren Füßen zeichnet Muster in seiner ganz eigenen Variation. Wieder einmal scheint die Zeit still zu stehen und uns gefangen zu nehmen, uns mitzureißen und gleichzeitig festzuhalten.

Mal wieder ein Bild von mir. Warum auch nicht? Danke Bruderherz fürs schießen!!

Mächtig, muskulös, riesig, ja geradzu furchteinflößend erhebt er sich vor mir. Und ganz oben drauf mein kleiner Bruder.

Als Abends die Gezeiten das Wasser zurück ins Meer ziehen, ist die kleine Insel mit ihren Pocken bewachsenen Felsen und der steil nach oben führenden Treppe begehbar. In den letzten rot pinken Strahlen der Sonne finden wir Pauamuschlen, glitzernd und glänzend in den seichten Wellen. Ein ganzes Dutzend wird gesammelt und bewundert, nichts ahnend wie sehr sich ein penetranter Fischgeruch die nächsten Tage durchsetzen würde.

Auch den nächsten Tag verbringen wir, ausgeschlafen mit Kaffee in der Hand und Bademode am Körper am selben Ort. Zu verlockend das süße Nichtstun, die Möglichkeit seine vollgestopfte Plauze eine kleine Ewigkeit in die Sonne zu hängen und eine Schicht aus körpereigenem und fernem Salz, gemischt mit Sand zu entwickeln.

Irgendwann jedoch kommt auch für uns die Zeit unsere Zelte abzubrechen und neue Abenteuer und Orte zu entdecken. Dave hat wieder eine seiner Spezialitäten ausgegraben und wippt schon unruhig auf den Zehen vor und zurück. Seine Neue Liebe , wie ihr bekanntlich ja schon wisst, heißt: Glow-worms und ganz ‚zufällig’ liegt eine weitere, noch unerforschte Höhle auf unserem Weg. Die Limestonecave wartet im Anbeginn der Dämmerung mit einem ovalen, gähnend schwarzem Loch auf uns. Winkt mit in die Kleidung krauchender Feuchtigkeit und jagt mir eher einen Schauer über den Rücken, hingegen bei Dave, ein begeistertes „Juhu!“ zu hören ist.

Auch Jenny scheint es nicht anders zu gehen und mit gegenseitig unterstützenden und gleichzeitig panischen Blicken, bewaffnet mit Stirnlampen, sowie warmen Jacken tippeln wir eng aneinander hinter unserem Anführer her. Jojo bildet, stoisch gelassen wie immer das Schlusslicht. Niedrig, kantig und immer kleiner werdend führt der gewunden Stollen in den Berg hinein. Finsternis und Tropfgeräusche begleiten uns. Klammheimlich drehe ich mich immer wieder um, doch das Licht des Eingangs ist schon lange verschluckt. Als wir nach einer Biegung, durch welche ich mich durchzwängen muss, in ein weiteres schwarzes Loch, tetrisgleich hinabklettern sollen, ist es mit meiner Courage zu Ende. Große Gesteinsbrocken haben den wohl einst normalen Durchgang fast ganz verschüttet und Grabeskälte weht zu uns hinauf. In diesem Moment bin ich dankbar ein Mädchen sein zu können, nicht meinen Mann stehen zu müssen und mich unter wohlwollendem Lächeln der Jungs zusammen mit Jenny verabschieden zu dürfen. Im Marschschritt streben wir auf den Ausgang zu, heftig inhalierend als wir das Tageslicht zu Gesicht bekommen. Es ist wie ein Befreiungsschlag. Von nun an warten wir fast eine Stunde auf die Wiederkehr der Mutigen und springen ihnen vor Besorgnis regelrecht in die Arme. Freudestrahlend grinst Dave mich an und beginnt ausschweifend und wild gestikulierend von den leuchtenden Würmchen tief unter der Erde zu berichten. So viele seien es gewesen, und so leuchtend, ganz blau und … und und.

Lasst euch nicht täuschen von dieser Nahaufnahme. Der Wurm an sich ist zwar einige Zentimeter lang, aber die Tröpfchen haben weniger als einen Millimeter Durchmesser. Tagsüber ist es wirklich schwierig diese kleinen Burschen zu finden, wenn es dunkel ist dafür umso leichter!

Gänzlich ist er nun der Photographie verfallen, mein Liebster. Und so bleibt er mitunter stundenlang auf, Myriaden an Lichtern einfangend oder verlässt mitten in der Nacht die Wärme des Betest um auf alten Brücken das Himmelsgestirn für nur einen Moment anzuhalten.

 

Einens Nachts wache ich auf, da Clara gerade vom Toilettengang zurück kommt und zu mir sagt: ‚Draußen die Sterne sind ganz hell.‘
– ‚Aha‘ denke ich und schlafe wieder ein. Nur kurze Zeit später wache ich auf und riskiere doch einen Blick aus dem Fenster. Aufgrund der getönten Scheiben sehe ich nicht viel und mache also die seitliche Schiebetür auf. Mir stockt der Atem und gleichzeitg wird eine Unmenge von Adrenalin in meinem Körper freigesetz. Es ist wahhnsinnig hell draußen! Kein Mond keine Lichter gar nichts. Nur die Sterne. Die Milchstraße ist so hell, dass ich sogar meinen Schatten seen kann! Sofort wird bei Jojo und Jenny an die Tür gehämmert. Nach mehrmaliger Aufforderung strecken dann tatsächlich beide den Kopf aus dem Auto und sind auch relativ überwältigt. Ich lasse sie also in Ruhe und bereite mich auf eine ‚kleine‘ nächtliche Experimentierstunde vor. Da dies mein erstes Milchstraßenbild ist, seid bitte nicht zu kritisch 😉

 

Wir also am ‚Slope-Point‘. Was das für ein Point ist? Keine Ahnung. Aber es ist ein Point, es gibt viele Schildchen die in alle Richtungen zeigen, also lassen wir uns von zwei netten asiatisch aussehenden Jungs ablichten. Liebe Grüße nach Hause in die Heimat!!

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