18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Snaefelsnes Einöde

 

Ich wache auf einem steinigen Parkplatz abseits einer sehr einsamen Straße in unserem Zelt auf. Ich stinke und es ist kalt. So kalt, dass ich das Wasser aus unserer Wasserflasche beim Zähneputzen nicht gurgeln kann. Meine Tage hab ich auch noch und ich muss dringend aufs Klo. Alle Frauen wissen spätestens ab diesem Moment wie ungemütlich mein Zustand aktuell ist. Ich trete aus dem Zelt und eisiger Wind peitscht mir ins Gesicht. Erneut denke ich an klein Tino der jetzt vermutlich in seinem Körbchen, eingekuschelt in seiner Decke vor dem warmen Ofen liegt.

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Reiss dich zusammen Clara- du hast es so gewollt.
Zielstrebig laufe ich mit ein paar Hygieneartikeln zum angrenzenden Tümpel. Meine Achseln haben noch nie so kaltes Wasser gespürt, aber es muss sein – schliesslich habe ich einen Freund und es gibt Grenzen.

Der Start in den Tag verläuft gedämpft. Wir haben beschlossen auf die erste Halbinsel zu fahren- Snaefelsnes. Dort gibt es einen Nationalpark mit coolem See und einem Leuchtturm. Zumindest laut dem Internet.
Der Himmel ist bewölkt und die Landschaft wird mit jedem Kilometer trostloser. Immer wieder frage ich mich, mit was die Isländer sich hier beschäftigen. Zwischen den einzelnen Höfen liegt so viel Land, dass man seinen nächsten Nachbarn nicht mal mit dem Fernglas sehen kann.
Vulkanisches Gestein liegt verteilt auf den Wiesen entlang der Straße. Ich versuche ein Foto zu machen. Doch was ich empfinde kann die Camera nicht einfangen und so sieht das Foto völlig unspektakulär aus.

Nach einem nebligen Pass und gefährlichen Schotterstraßen scheinen wir an der Stelle des Nationalparks zu sein wo wir den See vermuten. Eine noch gröbere Straße führt uns in die Berge. Wir haben Zweifel ob unser Hyundai i10 diesen Schotter packt. Doch vielleicht liegt unser Ziel direkt hinter der nächsten Kurve? Wir fahren inzwischen nur noch 15 kmh und ich habe Wahnvorstellungen von geplatzten Reifen. Als unsere Straße von einem Gletscherfeld durchbrochen wird, kommen wir endlich zur Vernunft und drehen um.

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Ying & Yang

Nach einem Stop an der einzigen Tanke auf der Insel, welche zugleich Angelshop, Fast Food Restaurant und Casino ist, scheint der Tag schon weit voran geschritten und verbraucht. Während drinnen unsere Laptops laden und Dave an seinem Handy zockt, versuche ich mir draußen ein Müsli zu machen. Der Versuch misslingt. Es ist so windig dass es mir das Müsli samt Milch vom Löffel weht.

Penetranter Fischgeruch hängt in der Luft.

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Unsere Laune ist am Tiefpunkt angelangt. Ich frage Dave was er jetzt möchte: „So schnell wie möglich von dieser Halbinsel runter“ !
Wir beten zusammen und bitten Gott um einen guten Tagesabschluss, einen weichen Schlafplatz und um eine Duschgelegenheit für den morgigen Tag.

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Während wir nach einem geeigneten Schlafplatz Ausschau halten, werden wir immer wieder von den Schafen auf der Straße oder den tief fliegenden Möwen abgelenkt. Scharfes Bremsen ist keine Ausnahme, da die Tiere scheinbar nicht an Autos gewöhnt sind. Schwarze und weiße kleine Lämpchen gucken uns mit großen unschuldigen Augen an und laufen dann ihrem Muttertier hinterher.
Erneut fahren wir eine Schotterstraße durch das Hochland und finden endlich unseren Schlafplatz. Mitten im Nichts, aber gebettet auf weichem grünen Moos.
„Der ist perfekt!“, sage ich. Tausend Mücken können sich nicht irren.

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