18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Plum Condo Rama II

Mein Rücken klebt an dem vergilbten, rissigen Leder des Taxirücksitzes. Direkt vor mir hockt unser Mann mit dem milchigen Auge. Auch seinen Namen kann ich nicht aussprechen. Eine kleine Tafel auf dem Armaturenbrett links vorne, rät mir allerdings sich die Identifikationsnummer, den Namen und sein Antlitz gut einzuprägen. Seit er winkend, mit einem kleinen weißen Zettel auf uns zukam, hat er nichts mehr gesagt. Niemand weiß genau ob er die Adresse nun auch auf der Karte ausfindig gemacht hat. Ein Navigationsgerät besitzt der Wagen aus den 90ern jedenfalls nicht. Dem Risiko seiner Orientierungskünste sind wir also auf Gedeih und Verderb ausgesetzt. Seinen Fahrkünsten auch. Vollbremsung. Gerade noch einem weißen Toyota ausgewichen. Ich blicke lieber aus dem Seitenfenster. Weißer Smog beherrscht den Großteil meiner Sicht, oder ist es Dunst? Dave sieht müde und abgespannt aus. Wir machen uns Sorgen um den Rucksack, und auch ob wir das Appartement finden, und wie wir überhaupt reinkommen. Denn eigentlich findet der Check in erst ab 14:00 Uhr statt. Was sollen wir bis dahin in dieser Gluthitze nur machen? „Lass uns mal beten!“, was anders fällt mir nicht mehr ein. Irgendwie wird Gott das schon regeln. Hoffentlich. Gerade bin ich nicht sehr zuversichtlich.

Nach zweimaligen Verfahren steigen wir aus dem inzwischen unterkühltem pinken Taxi. Plum Condo Rama II. Der Gebäudekomplex empfängt uns mit einem 24 hours Security Wachmann und – einer thailändischen winkenden Frau. Wie sich rausstellt, hat Tapanuth’ s Mutter (die unseres jungen Vermieters) schon mehrere Stunden auf uns gewartet. Herzlich nimmt sie uns in Empfang. Die vorigen Gäste seien nun doch schon früher abgereist, sie habe den frühen Morgen über alles für uns geputzt und fertig gemacht. Schnell, schnell, es sei doch so warm draußen. Wie es uns gehen würde? Sofort beginnt sie uns die Sicherheitsvorkehrungen des Hauses einzuweisen. Keycard hier, Schlüssel da, wichtig! Dreimal absperren. Das Appartement ist angenehm kühl, Tütensuppen und Cocoswasser stehen bereit. Sogar Zahnpasta und zwei Bürsten zusammen mit Shampoo, Duschgel und Creme in ‚Secret Garden’ Gefäßen sind vorrätig. Damit haben wir nicht gerechnet. Kaum etwas erwidern könnend, erklärt sie uns wo das nächste Krankenhaus, die Mall’s und Streetfoodmärkte sind. Sie bietet uns in allem ihre Hilfe an und rauscht schließlich mit ihrem lilanen Putzköfferchen durch die Tür zurück ins Treppenhaus.

 

Ein Blick auf das extrem gemütlich aussehende Bett reicht. Schon sind wir dankbar eingenickt.

 

Deutlich erholter wachen wir Stunden später wieder auf. Es ist bereits dunkel, vor unserem Fenster hat sich ein Meer aus Lichtern ausgebreitet. Große Reklametafeln werfen grelles Licht, Autos fahren hupend vorbei. Dave und ich stehen auf unsrem klitzekleinen Balkon und lassen die Szene auf uns wirken. Die fremdartigen Geräusche, die stickige und heiße Luft macht mich irgendwie glücklich. Ich bin soweit weg, und doch steht mein zu Hause direkt neben mir. Es riecht nach Abenteuer, neuen Geschehnissen und auch schwierigen Herausforderungen. Verschmitzt lächelnd, machen wir uns auf den Weg in das nächtliche Bangkok.

 

Wie sich später zeigte, wird uns Tapanuth, unser Vermieter, die ganze Nacht und den darauffolgenden Tag tatkräftig zur Seite stehen. Für uns ruft er unerbittlich am Flughafen an, forscht nach unserem Gepäck, zeigt Verständnis und kooperiert im Minutentakt. Auf alle Fragen gibt er nach bestem Wissen Antwort und bietet fortlaufend seine Hilfe an, übersetzt bei allen wichtigen Kontakten. Diesmal schenkt Gott uns eine helfende Hand, in Form eines thailändischen, zwanzig Jahre alten Studenten, der alles für unser Gepäck gibt. Ich sollte aufhören, ständig an ihm zu zweifeln und meine Sorgen ganz auf ihn werfen. Gott wird immer da sein, egal wie klein oder groß meine Probleme sind. Ich muss eigentlich nur meine Augen aufmachen und es erkennen.

PS: Die Stärke des Wifi´s ist so grausam niedrig, dass ein upload der Bilder nach einem zweistündigen Versuch schlussendlich aufgegeben wurde. Wir bitten um Verständnis.

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