18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Onkel Don’s Hütte

Tief in der Nacht brechen wir in Bangkok unsere Zelte ab und machen uns auf den Weg in Richtung Indien. Obwohl die  zwei aufeinanderfolgenden Flüge diesmal sehr viel kürzer ausfallen, werden wir mit allem umsorgt. Kopfkissen, Decken, leckerer Reis mit Hühnchen und sogar geröstete Erdnüsse sind mit von der Partie. Während ich genüsslich das dargebotene Essen verschlinge klammern meine Gedanken sich stumm an den Verbleib unseres Rucksacks. Und auch ob unser zweiter Rucksack das flotte Umsteigen meistert. Aber diesmal scheint alles zu klappen. Als wir aus dem Flughafengebäude Colombo  Sri Lanka betreten, fällt uns ein dass wir in all der Hektik völlig übersehen haben unseren Weg zu unserer ersten Unterkunft zu planen. Säuerlich stelle ich fest, dass diese nämlich fünf bis sechs Fahrstunden entfernt liegt. Also gut, erstmal raus hier. Auch hier hätten wir vorher lieber nachdenken sollen. Der Anblick des blauen Himmels mit dem strahlendem Sonnenschein und den sich biegenden grünen Palmen ist eher ein Trugbild des Comforts. Zum Einen ist es unerträglich heiß, zum anderen haben wir vergessen das unsere Hautfarbe weiß ist. Zig Taxi und Tuk Tuk Fahrer nehmen Kurs auf uns. Anscheinend sind wir eine Attraktion und die letzten Europäer eine Weile her. Jeder will der erste sein und sein Angebot ist selbstverständlich das beste. Denn da unsere Hautfarbe weiß ist müssen wir millionenschwer sein, und dazu im Stande sein, horrende Preise zu zahlen. Wie von Paparazzi gejagt versuchen wir freundlich lächelnd und dankend ablehnend das Weite zu suchen. Nach nicht mal 200 Metern geben wir auf. Diese übereifrigen Einheimischen lassen sich kaum wie Fliegen abschütteln. Müde und breitgeschlagen akzeptieren wir schließlich und fahren bis zur nächsten Bushaltestelle im klimatisierten Taxi. Unaufhörlich plappert der dunkelhäutige Mann er wolle bloß freundlich sein, er helfe uns, er habe viele Freunde in München und nur er wisse den besten Weg.

Stunden später und sehr viel Geld weniger finden wir uns vor Don’s Haus wieder. Gut gelaunt und lächelnd heißt ein schwarzhaariger, indisch aussehender und Muskelbepackter Mann uns willkommen. Hier werden wir also die nächsten zwei Wochen leben, schon wieder inmitten einer einheimischen Familie. Allerdings für zehn Euro die Nacht. Also keine Arbeit in Sicht. Das erste mal entspanne ich mich wieder ein wenig. Unser Zimmer ist spartanisch und ohne jeden Comfort, dafür aber sauber und liebevoll eingerichtet. Bekochen dürfen wir uns in der niedrig gehaltenen, ärmlichen Küche selbst. Die uralten Küchengeräte und das vor Dreck stehende Handtuch sind nichts, was ich nicht schon mal gesehen oder benutzt hätte, aber trotzdem gewöhnungsbedürftig. Hier zu wohnen gibt einem nicht dieses erhabene Urlaubsgefühl, dieses völlige umsorgt sein, das abschütteln aller Sorgen und gleichzeitig oft ausnutzen der einheimischen Bevölkerung. Dafür ist es ehrlich. Ehrlich und bodenständig und genau das richtige für mich. Klar macht  man einige Abstriche, dafür wird man von Herzen aufgenommen und umsorgt. Mit jeder liebevollen Hilfe bedacht, als einer von ihnen angesehen.

Das schon leicht marodierte Haus, das eher einer modernen Hütte gleicht liegt zwischen Palmen und Nachbarhäuser gebettet an einem Hügel. Während oben die Privatzimmer der vierköpfigen Familie liegen, wurden im Erdgeschoss einige Gästezimmer angelegt. Alle Türen und Fenster sind bei Tag und bei Nacht geöffnet und lassen den angenehm warmen Wind durch die Zimmer. Aus der Hintertür tretend erblicke ich den absteigenden, sandigen Hang der mir durch gigantische Kokospalmen den Ausblick nimmt. Dürre kleine Kätzchen streichen um meine Beine, in den vertrockneten Palmblättern raschelt ein gigantischer Leguan. An kleinem Getier darf man sich hier nicht stören. Rote Ameisen, kleine Fliegen und Myriaden von Mücken teilen sich dieses Stück Paradies mit uns. Ein verwitterter alter Tisch lädt zum kreativen Arbeiten ein, die buddhistischen Gesänge des Dorfes geben mir das Gefühl ganz weit weg zu sein.

 

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