18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Neslandsvattn daily

7:00 Uhr

Ich wache auf. Leiser Regen klopft an das kleine Fenster in unserer Holzhütte. Dave liegt neben mir in den zerwühlten Kissen. Vor lauter Bart und Haaren kann ich sein Gesicht gar nicht erkennen. Schlaftrunken murmelt er irgendetwas unverständliches. Zu der Geräuschskulisse der Hühner mischt sich ein tiefes Summen. Das sind die Hummeln die sich unter dem Dach unserer Hütte ein Nest bauen. Irgendwie mag ich diese flauschigen kleinen Brummer und so stört es mich nicht, wenn sich täglich ein paar von ihnen in unsere Hütte verirren. Dave schimpft ein wenig über sie, aber töten kann er dann doch keine.

Durch den Nieselregen stapfe ich rüber in die große Küche. Wir durften heute ausschlafen und somit muss ich mir mein Frühstück selbst machen. Gesang und Instrumentenlaute dringen durch den Flur. Turid und Ole proben mit ihrer kleinen Band für den Auftritt heute Abend. Es wird Cello, Akordion, Gitarre und Ukulele gespielt. Dazu singt Turid. Ich mahle Getreidekörner in der kleinen Mühle die am Tresen angebracht ist und erhitze Milch. Endlich läuft meine Ernährung mal so wie sie sollte. In einer altertümlichen Blechkanne mache ich Wasser für den Tee heiß. Mikrowelle und Fertigprodukte gibt es in diesem Haushalt nicht. Meine inzwischen gemahlenen Haferflocken werden mit Akazienhonig, Rohrzucker, Himbeermarmelade und Zimt verfeinert. Mhmhmmm lecker.

Daves erster Gang nach dem Aufstehen ist mittlerweile der Weg zum Klavierstuhl. Dort sitzt er dann und spielt ganz vertieft melancholische Melodien. Vor jedem Essen muss er kurz die Tasten drücken, als ob ihn das Klavier magisch anziehen würde. Mit einem schelmischen Grinsen kommt er dann immer als Letzter zu Tisch.

Es tut gut, wieder ein bisschen Klavier zu spielen...

Es tut gut, wieder ein bisschen Klavier zu spielen…

Nach dem Essen ist es unsere tägliche Aufgabe die Hühnchen zu versorgen. Meine Macht über sie weitet sich aus, und sie folgen mir auf Kommando. Ich wollte schon immer mal Hühnchenanführerin sein. 🙂

Clara: Die Hühnchenfängerin von Neslandsvatn.

Clara: Die Hühnchenfängerin von Neslandsvatn.

Überhaupt hab ich inzwischen schon einiges gelernt. Zusammen mit Dave hab ich die große Bühne fertig gebaut. Schwere vier Meter lange Holzplanken getragen und angenagelt. Ich kann die Kettensäge schleifen und mit ihr sägen und weiß wie ein Brecheisen zu benutzen ist. Ein bisschen stolz bin ich ja schon auf mich. Gebräunte, mit Farbspritzern bedeckte Haut und Blasen an den Händen sind dafür der Tribut. Ich glaube ich zahle ihn gern.

Clara wird noch zum richtigen Heimwerker =D

Clara wird noch zum richtigen Heimwerker =D

Gestern veranstalteten Turid,Ole und Gordon einen Kinder Akrobatik Kurs. Gordon ist ein Nachbar. Um die 50 Jahre alt und ein echter Hippie. Er kommt eigentlich aus England, ist Streetperformer und hat mit seinem Bus über 16 Jahren die Welt bereist. Jetzt lebt er mit seiner Frau und seinen Kindern auf einer Farm in Norwegen und spuckt noch immer Feuer. Zusammen mit den ganzen kleinen Blondschöpfen turnten wir herum, jonglierten und balanciertem auf einem Seil.

Tadaaaa

Tadaaaa

Wir kamen ins Gespräch und so erfuhren Gordon und seine Frau, dass wir nach dem Aufenthalt bei Turid und Ole noch nichts vorhaben. Dass wir eigentlich Norwegen erkunden wollen, aber uns einen Mietwagen nicht wirklich leisten können. Dass wir der Farm wo wir eigentlich noch hinwollten abgesagt haben und jetzt ein wenig dumm aus der Wäsche gucken.

Ganz allgemein wissen Dave und ich nicht wie es weitergehen soll. Hier können wir nicht bleiben, da Turid und Ole selbst wegfahren. Nach einem Gespräch mit ihnen erfahren wir, dass viele Farmen die Wwoofer ausnutzen und sie viel zu hart arbeiten lassen. Nachdem wir eine Seitenlange email mit den „Regeln“ der anderen Farm erhalten haben, bei denen man beispielsweise während man arbeitet nicht reden soll etc. pp, haben wir uns entschieden diesen abzusagen. Jetzt stehen wir da, mit 4 Wochen freier Zeit in einem sehr teuren und großen Land.

Sorgen machen wir uns allerdings nicht. Gott wird irgendetwas für uns bereit halten. Da bin ich mir ganz sicher.

 

Der Hauseigene See. Ein Traum!

Der Hauseigene See. Ein Traum!

 

 

 

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