18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Meile um Meile

 

Möwengekreische. Salzig schmeckende Windböen und unendlich weites Blau. Wir sind am Meer angelangt. Als wir endlich die letzten Meter deutschen Bodens hinter uns lassen, stiehlt sich ein breites Grinsen auf mein Gesicht und das große Freiheitsgefühl, dass ich so sehr liebe, lässt mein Herz explodieren. Es ist dieses erhabene, einmalige, viel zu seltene Glücksgefühl, welches uneingeschränkt nach meinem Herz greift und mir wieder einmal beweist wie unglaublich schön das Leben sein kann. Es ist das Abenteuer, das dich aus der Ferne ruft und die Gewissheit, dass alles möglich ist. Die weit offene Straße, die vor dir liegt und auf der du noch nie gefahren bist. Mit glänzenden Augen sitze ich hinter dem riesigen Lenkrad, steuere geradewegs ins Ungewisse und kann mir nichts, aber auch gar nichts Schöneres vorstellen.

 

Mit einer Tagesbilanz von ca. 500 km fliegen wir geradeso durch Dänemark. Lassen die großen kilometerlangen Brücken hinter uns und dringen noch am selben Tag in die tiefen Wälder Schwedens ein. Mit jeder addierten Meile wird mein Blick wacher, mein Herz leichter und die Freude größer. Zurück bleiben alle Regeln, alle Erwartungen des Umfelds und die Schwere des typisch deutschen Alltags. Zurück bleiben aber auch Wlan-Hotspots und die Streckenabdeckung eines gut funktionierenden Netzes. Selbst Dave’s GPS Signal kann sich nicht mehr loten und Google schlägt uns Routen von unserem derzeitigen Standort, dem Chiemsee in Oberbayern, vor. Während die ersten rotgetünchten Häuschen und dunklen Seen an uns vorbeirauschen, zeigen unsere Navigationssystheme nur noch „kein Netz“ an und zwingen uns damit sanft die altertümliche Art und Weise des Reisens zu nutzen- das Schilder und Papierkarten Lesen. Das Grün um uns herum verdichtet sich, wird dunkler und einnehmender, säumt die immer leerer werdenden schwarz geteerten Straßen und entführt uns in einen Großteils unberührten Flecken der Natur. Mächtige Kiefern, Fichten und Tannen betten die still da liegenden Seen ein, die Sonne steht tief und scheint warm. Erste Elchschilder stellen sicher, dass wir nicht träumen.

Zwischenstopp: Frühstück.

Längst haben wir die Autobahn verlassen und befahren die noch um 23 Uhr abends taghellen Landstraßen Südschwedens. Unser erster Schlafplatz ist ein Fleckchen mitten im Wald, perfekt für uns vorbereitet, mit Tischchen und Bänken, einer Feuerstelle und gefühlten 100 Mücken. Es gibt Waldpilzsuppe und Brot und wir genießen es einen so hellen Bus zu besitzen, mit dem man sogar ‚drinnen’ draußen im Wald sitzen kann.

 

Und auch unser nächster Schlafplatz könnte nicht schöner gestaltet sein. An einem der großen Seen, geschützt unter rauschenden Birken, auf sandigem Boden, abseits der Straße. Wie es das Gesetz: „Die Welt ist so klein“ will, treffen wir an eben diesem stillen Örtchen zwei junge Lehrer aus Traunstein. Auch sie sind mit einem älteren Bully Model unterwegs Richtung Norwegen, die Schweden Route nehmend, um sich wenigstens auf einer Hälfte die zahlreichen Ausbuchtungen der Fjorde zu sparen.

Dave probt seinen ersten Drohnenflug und hat instant zwei neue Fans. Was natürlich auch an der Demonstration der VR-Brille liegt, welche einem quasi die uneingeschränkte Vogelperspektive schenkt.

Inzwischen liegen schon weit über tausend Kilometer hinter uns und gleichzeitig haben wir nicht mal annähernd die Hälfte des Weges geschafft. Es ist tatsächlich ein Roadtrip der Extraklasse und wie lange Schweden tatsächlich ist, sollen wir erst noch in den nächsten Tagen begreifen.

Herrliches Grün eröffnet sich uns, nur ein paar Meter hinter unserem ersten Schlafplatz

 

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