18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Malaysian trouble

3:30 Uhr

Ich schrecke hoch. Zum ungefähr zehnten Mal diese Nacht. Neben mir windet sich Dave in seinen Fieberträumen. Seit gestern geht es ihm ernstzunehmend schlecht, Fieber, Kopf und Gliederschmerzen. Er ist schwach und schläft fast rund um die Uhr. Mit viel Bemühen bekomme ich Wasser und Tabletten in ihn rein, die Nahrungsaufnahme hingegen ist vorerst gestrichen. In wenigen Stunden geht unser Flieger auf die Philippinen. Während ich im Bett sitze, gehe ich alles noch einmal durch. Habe ich auch richtig separiert, das Falsche weggelassen, die Medikamente draußen, genügend Wasser für Dave. Wann kommt das Taxi? In weiser Voraussicht gehen Dave und ich das Risiko ein und lassen seinen Rucksack in Malaysia zurück. Gefüllt mit dicken Schlafsäcken und Winterjacken die wir auf den 7000 Inseln nicht gebrauchen können. Nun ja, es ist wahrscheinlicher ihn auf einem der vielen Flüge zu verlieren als in einem Hostel.

Ich krabbele aus dem Bett, wecke Dave und helfe ihm beim Anziehen. Seine Haut glüht, seine Augen etwas eingetrübt. Inzwischen ist es vier Uhr morgens und das vom Host gerufene Taxi steht bereit. Der saftige Preis von 140 Ringgit ist bereits an den Host gezahlt. Als ich den jungen Mann mit dem roten Auto sehe, tippe ich auf Vetternwirtschaft.

Unser Fahrer scheint einen Bleifuß zu haben und rast unter dem gelblichen Schein der Laternen in das Dunkel der Nacht. Mir ist etwas unwohl, ich sage aber nichts. Hinter einer Kurve taucht plötzlich eine Polizeikontrolle auf. „Oh nein, bitte zieht uns nicht raus!“, rast es in meinem Kopf. Und dann passiert alles ganz schnell. Der Polizist mit der gelben Warnweste und dem Gewehr im Anschlag deutet unserem Fahrer herauszufahren, doch der denkt gar nicht daran. Es scheint mir als wolle er noch Gas geben. Mit Wutentbrannter Fratze springt der Polizist gerade noch ein Stück zurück um nicht von dem Auto erwischt zu werden und deutet nun mit dem Gewehr auf uns. Unser Fahrer stoppt abrupt. Ich stütze den Kopf in die Hände und bin mir unserer Misere schlagartig bewusst.

Der Fahrer wird aus dem Auto geholt und mit einer Handschelle am Arm zum Polizeiwagen geführt. Wütende Wortfetzen dringen bis ins Auto. Und dann sind wir dran. Raus aus dem Auto, wer wir seien. Warum wir sowas machen würden. Was wir uns dabei gedacht hätten. Ich versuche dem wütenden Uniformierten zu verdeutlichen dass wir keines Falls Freunde des Fahrers sind. Weder seinen Namen wissen und doch eigentlich nur zum Airport wollen. Und sicherlich nichts mit dem gerade passierten Vorfall zu tun hätten. Pässe raus, erneute Fragerunde. Nach einer Weile scheint er uns zu glauben. Von unserem Fahrer noch keine Spur. Dies sei kein Taxi, herrscht er uns an. Ob wir Freunde wären. „Nein und nochmals nein!“, gebe gespielt ruhig zurück. Er wolle unseren Mann mit aufs Revier nehmen… und wir müssen mit. Panik macht sich in mir breit. Wieder versuche ich ihm den Ernst der Lage begreiflich zu machen, doch es scheint kein Entrinnen zu geben. Wir wären in seinem Auto mitgefahren, also würden wir zu der Tat dazugehören. Dave steht eingenickt neben mir.

‚Betet ohne Unterlass‘ – denke ich plötzlich. Ich nehme Dave’s Hand und bete leise in Sprachen. Immer und immer wieder wiederhole ich die Worte und Silben. Gebe die Situation an Gott ab, er hat einen Plan. Er soll das machen. Ich blicke Dave an und werde dann ganz ruhig. In diesem Moment kommt der Polizist zurück und gibt großzügig vor er werde uns alle weiterfahren lassen. Für 1000 Ringgit. Dreckig lächelnd fordert er unseren inzwischen stark verunsicherten und ängstlichen Fahrer heraus. Natürlich hat dieser keine 1000 Ringgit. Niemand hier hat 1000 Ringgit. Er lässt das ganze Auto nach Geld durchsuchen und droht jedes Mal mit einer Haftstrafe und anderen Konsequenzen. Nach einer gefühlten Ewigkeit nimmt er unserem Fahrer alles bis auf den letzten Heller ab und lässt uns dann großspurig weiterfahren. Ich bin zu tiefst dankbar und überglücklich. Wenn ab jetzt alles klappt, dann schaffen wir unseren Flug wie geplant.

Ziemlich wütend und wüst schimpfend fährt unser Fahrer in ordentlichem Tempo weiter. Er erklärt uns, dass die Polizisten das jede Nacht machen würden. Immer und immer wieder würden die Leute die aus Syrien, dem Irak oder Ägypten stammen angehalten und mächtig abgezockt. Es spiele keine Rolle was man gemacht hätte, die Polizisten würden einfach jeden mit Migrationshintergrund ausnehmen.

Nach dem Passieren einer Schranke mit der von uns ausgelösten Alarmanlage, dem falschen Flughafengebäude, einer Zugfahrt und ewigen Laufens haben wir es dann geschafft und sitzen zum Abflug bereit. Wir beten zusammen für Dave’s Gesundheit, für unseren Rucksack, für die Sicherheit des Fliegers.

Unser nächstes Ziel bereitet mir Muffensausen… wer wissen möchte warum oder wer auch auf dem neusten Stand bleiben will, der darf gerne unter dieser Website: philippinen-nachrichten.info die neusten Philippinschen Infos nachlesen. Aber gleichzeitig freue ich mich extrem jemand ganz ganz ganz besonderen in sieben Stunden in die Arme schließen zu dürfen. Ein Wiedersehen, nach sechs langen Jahren! Die nächsten drei Wochen werden sonnig, salzig, abenteuerlich, ein wenig gefährlich und hoffentlich ein unvergessliches, jedoch schönes Erlebnis unter Freunden.

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