18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Lake Tekapo

Mit unserem sehr gebraucht aussehenden Toyota Estima und einem Kanu auf dem Dach starten wir über einsame Straßen in die Wildnis. Die Stadt endlich verlassend landen wir dank unserer Offline Karte auf einem einsam gelegenen Stück Land am Rande der Küste. Ein Geheimtipp von unserem alten Nachbarn. Eine ganz wunderschöne, einsame Halbinsel sei es und ein entlegenes Fleckchen Erde mit langer Geschichte. Dass lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und machen uns auf den Weg. Schon während wir die Serpentinen durch die goldbewachsenen Hügel nehmen, staunen wir nicht schlecht. Der Blick auf die Steilküsten und das tosende Meer, gepaart mit zwischen den Gräsern blökenden Schafen, ist wunderschön. Als die Straße in einen Schotterweg mündet und wir schließlich vor einem verschlossenem Gatter stehen, sind wir wirklich mal wieder im Nirgendwo angekommen. „Und jetzt?“, frage ich fast schon ungeduldig. „Sollte hier nicht ein Campingplatz sein?“. Die können den doch nicht einfach zu machen. Zumal das sogenannte Freedom Camping in Neuseeland strengstens verboten ist und man hohe Strafen zu zahlen hat. Eine Simkarte für Daves Handy haben wir uns geleistet und so kann er unsere allseits bekannte Freundin Google fragen. „Aha“, tönt es sogleich von ihm. „Wir müssen uns online eintragen und bezahlen und bekommen dann den Code für das Zahlenschloss per mail zugesandt.“

An den Klippen auf dem Dach eines Militärbunkers.

„Mmmh“, mache ich nur. Mir taugt das ja gar nicht, dass heutzutage so vieles nur noch mit einem Internetzugang möglich ist. Nun denn, dann nutzen wir die verbleibende Zeit eben für einen Spaziergang über die Cliffs und etwas Sport auf der Gymnastikmatte. Gespannt laufen wir durch das hüfthohe, gold-organge Gras auf den Steilhang zu. Die letzte Kuppe nehmend bleiben wir mit offenen Mündern und klopfenden Herzen stehen. Vor uns breitet sich eine atemberaubende Weite aus. Eine völlig rohe, unberührte Fjordlandschaft, mit kargen, in der Abendsonne gold schimmernden Hügeln und einem Meereswasser das türkieser nicht sein könnte. Kräftiger Wind zerzaust uns die Haare und zerrt an unserer Kleidung. Überwältigt von der sich uns zeigenden Schönheit laufen wir um unsere Steilküste herum und erforschen nebst dem schönen Ausblick die alten Bunkeranlagen aus dem zweiten Weltkrieg. Wir erfahren dass der gesamte Hügel untertunnelt ist und sich zu Kriegszeiten bis zu 500 Wehrmänner und Frauen aufgehalten haben. Die gesamte Anlage ist beschildert und für Besucher frei zugänglich. Mal wieder sind wir die einzigen an einer von uns gewählten Sehenswürdigkeit und genießen die Abendstunden in vollen Zügen. Den Code schon erhalten suchen wir uns anschließend einen unter knorrigen Bäumen, herrlichen Platz und kochen uns ein Abendessen. Als es dunkel wird, liegen wir bereits unter unseren warmen Decke und blicken aus dem Autofenster. Das Sternenfirmament ist das letzte was wir sehen, bevor wir unsere Augen schließen.

Wie im Himmel- zumindestens stelle ich ihn mir so vor.

 

Zwei Tage, einige viele Kilometer, Serpentinen und einen Autounfall später stehen wir wieder am Flughafen und holen Jenny und Jojo ab. (Für alle besorgten: wir parkten auf einem Parkplatz und jemand fuhr in unser Auto. Eine Entschädigung haben wir nicht bekommen und die Polizei interessiert sich auch nicht. Allerdings ist das eine andere Geschichte.) Als die beiden also in die Abholzone kommen gibt es ein großes Hallo und ganz viele Umarmungen. Dave und ich freuen uns von Herzen und können die nächsten sechs Wochen kaum erwarten.

 

Nach erneutem Einkaufen und Vorbereiten für die Zeit auf der Straße starten wir zu unserem ersten Ziel. Einer der schönsten Seen Neuseeelands. Groß soll er sein, sehr blau und einfach wunderschön. Da Dave die Ziele herausgesucht hat und ich diesmal keinen Blick ins world wide web geworfen habe, weiß ich nicht was mich erwartet und bin deswegen noch viel mehr gespannt. In unserem kleinen Konvoi verlassen wir Christchurch und begeben uns auf die langen Landstraßen ins Landesinnere. Die Vegetation verändert sich von Grün zu Braun-Gold und Bäume werden rar. Die Sonne scheint mit voller Kraft und lässt die Ebenen die wir durchqueren wie die Prärie aus alten Western Filmen wirken. Erste Berggipfel erscheinen am Horizont und Greifvögel gleiten durch den stahlblauen Himmel. „In ein paar Minuten müssten wir da sein!“, holt Dave mich aus meinen Gedanken zurück und deutet durch die Windschutzscheibe nach vorne. Wir fahren durch eine dichte Ansammlung von dunkelgrünen Nadelbäumen, biegen um eine Kurve und dann liegt er vor uns. Lake Tekapo und seine unglaubliche Schönheit. Wie Spatzen sperren wir die Münder auf und bekommen doch nur einen Laut des Staunens heraus. Die Farbe dieses Wassers übertrifft alles was wir beide je zuvor gesehen haben. Nicht mal die Philippinen mit ihrem übernatürlich blauen Meereswasser kommen gegen diese Farbe an. „Das wird uns nie einer glauben! Die werden denken wir haben das so bearbeitet!“, geht es uns beiden durch den Kopf. Wir machen Halt, steigen aus und rennen ans Ufer. „Ich fasse es nicht. Es ist so so so schön!!“, möchte ich heraus schreien und hüpfe durch die Gegend. Auch hier herrscht trotz des Sonnenscheins ein eisiger Wind und lässt uns die Rauheit dieser Natur spüren. Ganz tief in meinem Herzen habe ich es doch immer gewusst- Neu Seeland- es ist einfach das Land der Superlative. Das schönste was ich bisher gesehen habe und für mich persönlich vielleicht auch das schönste was ich je sehen werde. Die Vereinigung von rauer und gleichzeitig schönster Natur, in den prächtigsten Farben, völlig ohne Zivilisation. Und so liegt, ganz im Gegensatz zu anderen Ländern, auch dieser See für sich allein. Es gibt keine Uferpromenade, denn es gibt nicht mal wirklich Straßen um diesen See. Vereinzelt ein paar Häuser, doch keine Hotels oder andere Gewerbe. Es ist unberührt, ganz ohne Menschenhand, einfach perfekt.

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