18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Kandy Crush

Zwischen Meterhohem Bambus zur linken und ihrem Haus zur Rechten, stehen bereits Champika und ihr erfreulicherweise Deutsch sprechender Mann. Lächelnd heißen sie uns Willkommen. Ein zuckriger, kühler Tee wird gereicht und wir betreten unser eigenes kleines Haus. Es ist ein EinRaum Haus, ganz in Grün, mit Terrasse und Leiter zum Bett. Ich fühle mich sofort wohl. Eine intensives Workout vor dem auf Hochtouren laufendem Ventilator und eine kühle Dusche später sitzen wir gemeinsam auf unserer Terrasse und lesen. Unser Gastgeber kommt herüber und erzählt ein wenig von sich uns seiner Familie. Wo er Deutsch gelernt habe, was er arbeite und auch dass heute Abend ein ‚Kokurs‘ stattfinden würde. Ob wir dabei sein wollten, es koste auch nur 400 Rupien. Uns ist nicht ganz klar um was es sich handelt, haben jedoch verstanden dass es mit Essen zu tun hat. Es würde auch ein Schweizer Pärchen kommen. Wir können dem lächelnden, uns derart zu überzeugen versuchendem Mann das Angebot kaum abschlagen und sagen zu. Er freut sich wie ein Honigkuchenpferd und scheint sofort mit irgendwelchen Vorbereitungen zu beginnen.

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Als die Dämmerung hereinbricht klopft es an unserer Tür und unser lächelnder Freund mit den erwartungsvollen Augen blickt mich an. Das Schweizer Pärchen sei jetzt da, und die würden ja auch Deutsch sprechen, ob wir nicht Hallo sagen wollten. Über seine Schulter hinweg sehe ich Flo und Kim die verhalten lächeln und winken. Eifrig führt er mich zu ihnen. Mit herrlichem Schweizer Akzent erzählen sie über ihre Begegnung mit Champikas Mann am Bahnhof und dass er sie zu einem Kochkurs eingeladen hätte. Jetzt ist mir auch klar von was der gute Mann den ganzen Nachmittag gefaselt hat: „Kokurs, sehr lecker. Ganz traditionell!“ Und ich dachte er redet von Kokos. Während unsere Gastgeber nach und nach Töpfe, Tabletts und Schalen mit Gemüse zu unserer Outdoorküche bringen, lernen wir das sportliche, circa gleich alte Paar aus der Schweiz kennen, tauschen uns aus und finden heraus, dass wir die gleichen Ausflugsziele für die nächsten Tage haben.

Dann bittet uns Champikas Mann um Aufmerksamkeit und beginnt uns in die Tiefen der Sri Lankischen Kochkunst zu führen. Über jede Zutat erzählt er uns wissenswertes, gibt Tipps und Tricks zum besten und ist völlig in seinem Element. ‚Zusammen‘ kochen wir ein traditionelles Fleischgericht, frittierte Auberginen als Beilage, Bohnen in Curry, eine Yoghurtsoße und das typische ‚Thuna Devil‘, das im ganzen Land bekannt ist. Trotz Unmengen an Chili und Pfeffer ist das Endergebnis äußerst lecker!
Nach ein paar Dosen Bier, dem Wissen über den Zugfahrplan und dem Austauschen der Handynummern verabschieden sich Kim und Flo und wir kriechen müde in unser Hochbett. Dankbar und zufrieden fallen wir in einen tiefen Schlaf.

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Früh morgens, nach einem nahrhaften Frühstück und einer herzlichen Verabschiedung unserer Gastgeber, befinden wir uns bereits wieder auf der Weiterreise. Diesmal allerdings unter hoffentlich besserern Bedingungen. Mit einem alten Zug geht es ins Hochland, genauer gesagt in ein Bergdorf namens Ella. Trötend fahren die blauen Wagons in den Bahnhof ein. Ähnlichkeiten zum Bus sind auch hier zu finden, stelle ich fest. Alle Fenster sind offen, es gibt keine Türen und wieder einmal ist alles gerammelt voll. „Wohl an“. Zügig klettern wir ins innere und verstauen unsere Beutel. Natürlich sind alle Plätze längst belegt und so harren wir die ersten Stunden im Stehen aus. Doch an den geöffneten Türen zu stehen, gewagt seinen Kopf in den Fahrtwind zu halten und die Umgebung aus nächster Nähe zu sehen, bringt ein Gefühl der Freiheit. Inzwischen hat es aus den dichten Wolken zu regnen begonnen und die Temperatur sinkt merklich ab. Stundenlang fahren wir durch nicht mehr enden wollenden Teeplantagen, durch grünen Urwald, Nebelfetzen. Die Landschaft verändert sich, die Luft wird reiner, die Passagiere stiller. Irgendwann krabbele ich in ein Gepäckfach, ziehe die Beine an den Bauch und nicke ein.

Tapfer ist sie, meine Clara!

Der typische Singsang der Marktschreier reißt mich einzige Zeit später aus meinem Dämmerzustand. Inzwischen sind wir im Hochland angekommen, die Sonne scheint und wir fahren durch mächtige grüne Hügel und tiefe Täler. Eine wunderschöne Landschaft breitet sich aus, Einheimische stehen am Rand der Gleise und winken. Ich gespannt auf die nächsten Tage. Auf herrliche Aussichten, frische Luft und angenehm kühles Klima. Ich lasse meinen Blick durchs Zugabteil schweifen. So ziemlich alle hier sitzen mit Daunenjacken, Mützen und Schals bekleidet, mampfen Popcorn oder frittierte Zwiebelringe, während ich in Hochsommer Kleidung ein Buch auf meinen ebook Reader lese. Ich schmunzele in mich hinein, es ist so schön viele neue Dinge zu sehen und weit weit weg zu sein.

Nach der mehrstündigen Zugfahrt, begleitet von ununterbrochenem Regen, reißt der Himmel eine halbe Stunde bevor wir unser Ziel erreichen auf, und die Sonne scheint. Gott ist gut!

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