18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

In progress

00:57 Uhr

Sitze wieder einmal auf der Couch. Heute wärmt mich leider weder ein Schaffell noch Sonnenstrahlen. Es ist bereits ziemlich spät und ich bin aufgewühlt. So sehr, dass ich es in Worte fassen muss um zu begreifen was vor sich geht. Turid und Ole sind heute zu ihrem Trip in die Niederlande mit ihrem Bus abgereist, und wir hüten noch einige Tage das Haus. Mit Elan erfreuen wir uns an der frisch gewonnen Freiheit und genießen Youtube Videos und Popcorn. Alle Arbeiten sind erledigt und sogar das Workout ist vollbracht. Während Dave gerade eine Ladung Popcorn fertig macht und den Zucker in Karamell umwandelt kommen wir auf das Thema Bienen zu sprechen. Er erklärt mir dass Imker den Bienen Zucker als Ersatz für ihren Honig geben. Das Thema Bienen weitet sich aus und wir kommen auf die Varoa-Milbe zu sprechen, die ganze Bienenvölker hinwegrafft. Eine eifrige Diskussion entsteht und der Satz: „Die Biene kann ohne den Mensch nicht überleben“ von Dave’s Seite fällt. Muss ihn sofort darauf hinweisen, dass der Mensch ganz allein daran schuld ist, dass die Varoa-Milbe sich so ausweiten konnte und die Biene dadurch überhaupt erst weltweit in diese Bedrängnis geraten ist. Das wiederum kann Dave nicht auf sich sitzen lassen. Versuche mich mit ihm auf einen Kompromiss zu einigen, der da heißt: „Die Biene kann im Moment nicht mehr ohne den Mensch überleben“. Dave beharrt das die Wortwahl an der Tatsache nichts ändert, und deswegen auch nichts zur Sache tut.

So geht es immer weiter bis wir beim Themengebiet „Mensch“ angelangt sind. Damit sind wir an einem Punkt, an dem ich eine sehr gefestigte Meinung habe. Alles in mir sträubt sich wenn ich auch nur den Satz höre, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist. Die Krone der Schöpfung? Ich bin der festen Überzeugung dass einige Lebewesen auf unserer Erde sehr viel intelligenter sind als der Mensch, jedoch auf Grund ihres Körpers nicht in der Lage sind sich so weit zu entwickeln wie unsere Rasse. Und überhaupt ist der Mensch an sich für mich völlig unnütz. Er hat der Erde nichts als Leid gebracht. Zerstörung und Raub. Und das Gute was der Mensch tut, ist nur ein Versuch dass wieder herzustellen oder zu reparieren was er zuvor kaputt gemacht hat. Für mich wäre die Vorstellung am schönsten, der Mensch hätte und würde nie existieren. Was gäbe es besseres für unseren Planeten als wenn der Mensch endlich von ihm getilgt wäre? Es liegt also nahe das meine Meinung von der Rasse „Mensch“ äußerst schlecht ist. Auf gut Deutsch gesagt ist der Mensch an sich für mich „scheisse“.

Die Diskussion ist nun vollends entfacht. Dave ist entsetzt dass ich von der Menschheit diese Meinung habe. Wir gehen immer weiter ins Detail. Ich sage, dass ich die Menschheit als ganzes sähe. Er bricht es auf den Einzeln herunter. Fragt mich ob ich ihn schlecht fände. Ich sage, er sei genauso schlecht wie ich. Natürlich kommt nun die Sache mit Gott ins Spiel. Wieso hat er uns erschaffen, fragt er mich. Ich sage ihm dass dies der allergrößte Punkt sei, den ich überhaupt nicht verstehe. Wozu etwas so unnützes wie den Menschen erschaffen? Wozu, wenn man doch tausende Engel hat. Damit sich ein Geschöpf freiwillig für Gott entscheidet, und so wahre Liebe entstehen kann? Engel haben auch ihren freien Willen, laut Dave. Warum also wurden alle Kreaturen und Pflanzen der Erde mit der Anwesenheit des Menschen bestraft? Und wie kann sich der Mensch auch noch als so toll empfinden dass er seinen Platz an der Spitze als rechtmäßig empfindet?

Während ich Dave versuche klar zu machen, dass ich die Menschheit als ein ganzes sehe, weist er nur immer mehr auf all die Menschen hin, die gutes tun. Und dass nicht alle Menschen schlecht seien. Für mich jedoch, hat jeder Mensch etwas schlechtes an und in sich, mich nicht ausgenommen. Wir kommen auf keinen gemeinsamen Nenner und der Dialog beginnt zu stagnieren. Wir drehen uns im Kreis. Mehr als eine Stunde schon philosophieren wir angestrengt über Gut und Böse. Ich werde immer wütender. Immer wieder sagt mir Dave dass meine Meinung falsch ist. Komplett falsch. Es ist ein Dilemma. Für mich ist es ok, wenn jemand anderes eine Meinung hat die in meinen Augen falsch ist. Es ist immer noch seine Meinung. Und ich kann daran nichts ändern. Auch wenn sie für mich nicht richtig ist. Doch Dave kann meine Meinung von der Menschheit nicht akzeptieren. Er sagt er wolle mich nicht umstimmen, aber trotzdem läge ich falsch. Immer wieder bitte ich ihn dass wir es einfach gut sein lassen. Jedoch ohne Erfolg.

Das ganze endet in einem sehr harten Wortgefecht und getrennten Schlafplätzen. Ich frage mich wie und ob ich mit so etwas umgehen kann und will. Ja, vielleicht habe ich eine falsche Meinung von der Menschheit, und doch ist es meine Meinung. Niemand hat darüber zu urteilen ob sie falsch ist oder nicht. Oder liege ich sogar mit dieser Ansicht falsch? Darf jemand über mein Gedankengut urteilen und es für falsch bewerten?

Plötzlich stelle ich alles in Frage und finde mich diese Zeilen schreibend wieder. An Schlaf ist nicht zu denken.

 

2:24 Uhr

Gerade durch Instagram geseppt und Bilder von glücklichen Pärchen gesehen. Will auch zu diesen immer währenden glücklichen Pärchen gehören. Und wenn ich mal wieder ehrlich zu mir bin, steht dem absolut nichts im Wege als ich selbst. Ich will recht behalten, und darauf pochen. Will das Dave zu mir kommt und sich entschuldigt. Und was passiert wenn ich meinem Stolz Einhalt gebiete? Ich nehme der ganzen Situation den Wind aus den Segeln. Wer welche Meinung hat ist doch eigentlich gar nicht so wichtig. Ich liebe Dave. Alles andere zählt nicht. Also gehe ich jetzt raus, durch den dichten Nebel zu unserem Hüttchen, und werde zu ihm unter die Decke kriechen.

clara und dave

 

Nachtrag: Dave und ich haben uns dann doch noch so ziemlich geeinigt. Habe eingestanden dass man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren kann. Und Dave hat mir mit einigen Satzumbauten auch meine Meinung gelassen. Fürs erste ist das Thema als geschlichtet und beendet.

 

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