18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Hoch im Norden

16.Juni 20:20 Uhr, Oslo

Die letzte Nacht haben wir, darauf hoffend dass uns niemand entdeckt, im Zelt auf dem Flughafengelände verbracht. 12 Stunden Wartezeit waren dann doch zu lange um auf Metallbänken zu sitzen. Gut gelaunt, aufgeregt und schwer beladen verlassen wir Island. Unsere Rucksäcke haben wir scheinbar besser gepackt oder einige Gegenstände unterwegs verloren? Norwegian Airline startet mit 45 min Verspätung, sie hätten Probleme mit ihrem Bordcomputer gehabt. Dave und ich bangen um unseren Anschlusszug. Gemeinsam beten wir, dass Gott uns sicher wieder aufs Festland bringen möge und sich dort um alles weitere kümmert. Wir haben keine Ahnung ob unser Zugticket auch für den nächsten Zug gilt und ob überhaupt noch einer fährt.

Sicher gelandet, dafür Schweißnass gebadet warten wir auf unsere Rucksäcke. Doch es gibt kein Entrinnen, der Zug fährt ohne uns ab, die Rucksäcke lassen auf sich warten. Wir bleiben ruhig und streiten nicht mal, obwohl wir seit zehn Stunden nichts gegessen oder getrunken haben. Norwegian Airline bietet zwar free Wifi an, dafür aber kein Essen und Trinken. Selbst eine Flasche Wasser muss man teuer bezahlen. Endlich tauchen unsere großen grünen Säcke auf. Die Dame am Schalter empfängt uns sehr freundlich und schreibt unsere Zugtickets auf den Nachtzug um. Statt um 17:45 Uhr zu fahren, können wir erst um 22:25 Uhr weiterreisen. Unser Hungergefühl ist zu riesig um uns darüber zu ärgern. Norwegian Airline scheint mir übrigens keinen großen Wert auf Sicherheit zu legen. Nicht ein einziges Mal mussten wir unsere Pässe vorzeigen oder uns anderweitig identifizieren. Die Flüssigseife im Handgepäck entdeckten sie auch nicht.

Angekommen an einem Baguettestand werden meine Augen groß. Herrlich der Duft von frischem Gemüse und gebratenem Fleisch. Alle Klarheit verlässt mich und ich bestelle ein riesiges Clubsandwich mit Hühnchenfleisch und Bacon. Das Wasser läuft mir im Mund zusammen. Die blonde Verkäuferin nimmt sich viel Zeit und lässt mich alle Zutaten einzeln aussuchen. Zum Schluss gibt sie mir die ganzen 6 Streifen Bacon aus ihrer Schale und schenkt uns zwei leckere Teilchen. Ich bin im absoluten Himmel. Im Hintergrund spielt ein schwarzbärtiger Mann an einem großen schwarzen Flügel Jazz-Musik . Durch die große Glaswand dringen warme Sonnenstrahlen und geben den Blick auf das grüne Oslo frei. Die Stadt ist durchzogen von dichten dunkelgrünen Bäumen. Alles wirkt sauber und freundlich. Fast nur Blondschöpfe in sommerlicher Kleidung  tingeln durch die Straßen.

Die restliche Wartezeit verbringen wir bei Burgking. Nun ist Dave im Himmel. Pommes mampfend und Burger verschlingend. Ihm steht schon der Schweiß auf der Stirn, aber die Zufrieden steht im ins Gesicht geschrieben. Wieder haben wir lieber nicht auf den Preis gesehen. Die nächsten drei Wochen werden wir wahrscheinlich fast keine Krone ausgeben, also geht das schon klar, rede ich mir ein.

Zu guter Letzt hat Gott wieder einmal für alles gesorgt. Obwohl wir erst um ca 2 Uhr nachts bei unseren Gastgebern ankommen werden, holen sie uns trotzdem vom Bahnhof ab. Ich bin gesättigt und glücklich, es ist warm und alles hat funktioniert. Gespannt blicke ich also auf die nächsten drei Wochen. Arbeiten gegen Kost und Logis. Hoffentlich gibts dort Internet. Und eine Dusche. Meine Güte wie sehr wünsche ich mir eine Dusche.

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