18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Geschenke

Großraum Dunedin, inzwischen haben wir uns an den Wind und den Regen gewöhnt und sind für die stillen, warmen Momente umso mehr dankbar. Gerade fahren wir auf einen Campingplatz direkt am Meer, parken und sind begeistert über richtige Toiletten, als uns ein verfrorener, kleiner Franzose entgegenkommt. Wir sind noch nicht mal ausgestiegen als er uns in akzentlastigem Englisch fragt ob wir ihm beim Fremdstarten seines Autos behilflich sein könnten, natürlich nur wenn wir auch ein Dieselfahrzeug hätten. Belustigt fragt Dave wer ihm das erzählt hätte, steigt aus und wir stellen uns vor. Kommen ins Gespräch und helfen dem verzweifeltem Julien. Wo wir gerade herkommen würden und wohin unsre Route ginge, fragt er uns und lächelt liebenswürdig. Wir erzählen von unsrem letzten Stopp, den Moriaki Boulders am Meer und meine Gedanken wandern zurück zu dem dort besuchten schönen Souveniershop mit den unglaublich teuren Preisen. Warme Decken aus Merinowolle, Jadeschmuck und die nur in Neuseeland vorkommenden großen blauen Pauer Muscheln, waren der dortige Hauptbestand. Lange haben Dave und ich überlegt ob wir uns die ein oder andere Schönheit kaufen sollen und es dann bei einem Preis von 20$ das Stück gelassen.

Die Männer sind also voll beschäftigt und ich fühle mich etwas unnütz und starre deswegen auf den vollgesogenen Grasboden. Da liegt doch etwas blau schillerndes zwischen den Halmen, oder nicht?! Ich bücke mich und halte wunderschöne Muschelsplitter in der Hand. Dieselben übrigens, die es im Shop für 10$ Das Päckchen gab. Ich staune nicht schlecht, mache Jenny darauf aufmerksam und gemeinsam sammeln wir an die zwanzig Stück ein. Fragen sehen wir uns an, wie die wohl hierher kommen? Diese Muscheln gibt es nur an ganz bestimmten Stellen, und der Strand an dem wir campen ist definitiv keiner davon. Dann drehe ich mich um und traue meinen Augen kaum. Direkt vor unserem geparkten Auto liegt eine völlig intakte, handtellergroße wunderschöne Muschel. Ich hebe sie auf und kann es gar nicht fassen. Gestern noch wollte ich mir eine kaufen und konnte mir sie eigentlich nicht leisten. Und heute bekomme ich einfach eine geschenkt. Juliens Auto brummt inzwischen von alleine und er scheint uns beobachtet zu haben, denn eine kurze Bewegung später bückt er sich und holt aus seinem Auto eine weitere Handtellergroße Muschel und hält uns das Geschenk hin. Großäugig und lächelnd nehmen wir sie an. Jetzt haben wir beide eine Muschel und ganz viele Splitter, einfach so. Wir suchen uns einen relativ windgeschützten Platz und spannen zwischen unseren Autos die blaue Plane. Es wird ein Bier geöffnet und wir entscheiden uns die Sonnenstrahlen für einen Strandspaziergang zu nutzen. Fröhlich plappernd laufen wir durch den angrenzenden Kiefern Hein und bleiben abrupt stehen. „Guckt mal!“, flüstert Dave und zeigt mit der Hand auf einen braunen Fleck zwischen hohem Gras. Ich blicke genauer hin und strahle dann über das ganze Gesicht. Unter einer kleinen Kiefer liegt eine Robbenmama mit ihrem Baby und säugt es. Ganz trocken und flauschig glänzt das braune Fell. Es ist Joy mit ihrem dritten Nachwuchs, wie wir später erfahren. Eine einzelne Seehunddame die seit Jahren ganz allein an diesen Strand kommt um ihre Jungen aufzuziehen. Eine Weile beobachten wir die zwei und haben aus nur zwei Metern Entfernung einen sagenhaften Blick. Dann lassen wir die kleine Familie wieder in Ruhe und unterhalten uns aufgeregt über das eben gesehene. Wie schön Tiere in ihrer absolut freien Wildbahn beobachten zu können, ganz ohne Zäune und Touristenansammlungen. Auf unserem Rückweg zum Auto sind die zwei bereits verschwunden und Dankbarkeit über diese einmalige Gelegenheit macht sich unter uns breit.

 

Am nächsten Tag strahlt uns die Sonne entgegen und der Wind hat sich gelegt. Heute heißt unser Ziel: Otago-Halbinsel. Der erste Stopp ist eine auf einem Hügel gelegene Albertross Kolonie. Wir schlucken als wir den Eintrittspreis von 50$ sehen. Ganz schön bitter, also begnügen wir uns mit umherfliegenden Möwen und einem Blick über das Meer. Aber Gott wäre ja nicht Gott, wenn er auch hier nicht an uns denken würde. Als einsame Touristen stehen wir auf einem kleinen Vorsprung, während sich alle anderen hinter die Absperrung begeben und werden plötzlich von zwei segelnden Albertrossen besucht. Majestätisch kreisen sie über uns und es bedarf nicht eines einzigen Flügelschlags bis sie wieder verschwinden. Als unser doch noch geglückter Besuch endet und wir bereits wieder im Auto sitzen, zieht starker Westwind gepaart mit vielen Regentropfen auf. Grinsend machen wir uns von dannen. Wie immer: Perfektes Timing.

Der östlichste Zipfel der Halbinsel ‚Otago‘.

Einige Kilometer weiter biegen wir von der asphaltierten Hauptstraße auf eine mit Schlaglöchern versehene Schotterstraße ab. Nach und nach wird der Untergrund sandiger und bald parken wir vor großen weißen Dünen. Ein Surfer im schwarzen Neopren Anzug läuft grüßend an uns vorbei und verschwindet in Richtung Meer. Erneut bricht auch die Wolkendecke auf und Sonnenstrahlen wärmen uns einmal mehr. Müslirigel mampfend eilen wir trabend der weißen Ebene entgegen und staunen. Vor uns liegt ein riesiger Strand, weiß, einsam und ganz sauber mit blauen, donnernd brechenden Wellen. Ich komme mir vor wie ein Eroberer der einen neuen Küstenabschnitt gefunden hat und presche in roher Freude nach vorne. Auch die anderen haben ein Funkeln in den Augen und eine herrliche Albernheit ergreift sie. Neckend jagen wir uns über die Weite und das ein oder andere Kreischen ist zu vernehmen. Inzwischen ist es so warm und windstill, dass wir unsere Jacken auf einem Felsen zurück lassen und unsere Entdeckungstour lediglich mit Sonnenbrillen fortsetzen. Links von uns, am Fuße des grün bewachsenen Felsmassivs, finden wir eine kleine Höhle und nehmen sogleich die paar eingetreten Stufen hinauf. Geschichten webend blicken wir in das flache Innere und entdecken im schummrigen Licht sogar eine Holzkiste. Rechts und links gehen weitere Gänge ab und einige nicht definierbare Spuren führen ins Innere. Keiner von uns ist mutig genug und so inspizieren wir lieber die kleineren Kisten vor dem Höhleneingang. Jenny ist es schließlich die in einem einen kleinen Blauen Pinguin mit seinem Küken findet. Schon wieder ein seltenes Tier, in seiner freien Wildbahn und sogar mit einem unsagbar fluffig aussehenden Nachwuchs dabei. Gebannt erlauben wir uns ein paar Sekunden und lassen den kleinen Wicht wieder in Ruhe. Aus diesem Grund gibt es auch kein Foto, da ein Blitzlicht die beiden nur noch mehr erschreckt hätte.

Ein herrlich weißer Strand, ganz für und allein. Durch dieses Bild wird einmal mehr deutlich, wie zwiegespalten das Wetter in Neuseeland meistens ist.

Gen Nachmittag hat sich der Wind komplett gelegt. Wir finden einen Campingplatz direkt an der Rennbahn mit ganz großen Waschräumen und sauberen Toiletten. Es gibt sogar modrig schmeckendes Trinkwasser und alle sind hell begeistert. Es wird aufgekocht, die Plauze der Sonne entgegengereckt, die Füße gewaschen und die Würfel geworfen. Kurz bevor uns allen die Augen zufallen und langsam Dämmerung aufzieht entwickelt sich auf Daves Gesicht plötzlich ein ungeahntes Leuchten. Er hätte da noch was vorbereitet, es sei schließlich ganz in der Nähe und würde nicht mal etwas kosten. Aufgeregt springt er von seinem Campingstuhl, wirft ihn dabei fast um und fängt wild das Gestikulieren an. Mit großen Augen erzählt er uns von einer Grotte mitten im Wald, von blau leuchtenden Würmern die zwischen Farnen hängen und einer einmaligen Gelegenheit. Längst ist klar, dass wir uns nun alle zusammen auf die Socken machen, obwohl wir restlichen Drei noch gar kein Einverständnis gegeben haben. Mit einem Kompromiss bestehend aus Wärmflaschen für die Mädchen und ausgestattet mit sämtlichen Kamera Equipment fahren wir durch dunkle und steile Straßen bis wir schließlich vor einem Bach am Waldrand stehen bleiben. Der Aufstieg ist kurz und die Spannung steigt. Dann gibt Dave uns ein Zeichen die Lichter zu löschen und die letzten zehn Meter im Dunkeln vorwärts zu gehen. Wir hören das Rauschen des Baches und greifen Halt suchend an ein Metall Geländer. Zwischen Felswand und Bachbett bleiben wir schließlich stehen und warten. Schon nach ein paar Sekunden haben unsere Augen sich vollständig an die Dunkelheit gewöhnt. Und dann sehen wir sie, tausende kleine blaue Lichter. Überall sind sie, gehen mal an und dann wieder aus, erstrecken sich drei Meter die Wand hoch und machen uns sprachlos. Ein wenig fühlen wir uns wie in der Filmkulisse zum Fantasy Streifen ‚Avatar’. Sehr lange stehen wir dort und genießen nur dieses einfache und doch unglaubliche Naturspektakel. Irgendwann treten wir den Rückweg an, nur Dave bleibt noch und experimentiert ziemlich lange, damit auch ihr einen Eindruck von der Schönheit der Glowworms erhalten könnt.

Lange hat es gedauert, dieses Bild aufzunehmen und später die wichtigsten Elemente herauszuarbeiten. Ob es sich gelohnt hat, dass müsst ihr selbst beurteilen.

 

 

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