18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Germany ft. Canada

Den ersten Tag in unserem neuen Heim verschlafen wir. Wie schon so oft. Die Lichtdichten Vorhänge und der Ventilator machen die Raumtemperatur erträglich. Die Erschöpfung der letzten Tage tun ihr Übriges. Mein erster Gedanke gilt wie in den letzten Tage auch, dem verschollenen Rucksack. Trotz Email an sämtlich passierte Flughäfen, Gespräche mit Airlines, kein Lebenszeichen. Niemand fühlt sich zuständig, niemand macht sich einen Kopf. Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich unser Eigentum je wieder sehen werde. Noch weniger weiß ich, wie wir ohne die Utensilien auskommen sollen.

Der Hunger vertreibt die störenden Gedanken. Sandalen und frisches Shirt an, schon geht’s raus in die tropische Mittagshitze. Ins nahegelegene Welligama nehmen wir diesmal den extrem günstigen, aber lebensgefährlichen Bus. Gerade mal neun Rupien kostet uns das Unterfangen. Während wir noch einsteigen wollen, rollt der alte Bus schon wieder. Genau genommen, ist er nie wirklich stehen geblieben. Aufspringen und gut festhalten lautet hier die Devise. Habe gehört dass Sri Lanka touristisch eher überlaufen sein soll, bis jetzt scheinen wir allerdings die einzigen Milchgesichter hier zu sein. Verstohlene Blicke von den anderen Bänken. Ich wüsste zu gern was die Bevölkerung von uns hält. „Hier müssen wir raus“, Dave gibt mir einen leichten Stoß von der Seite. Kurz bricht leichte Panik aus, das Einsteig Ritual scheint sich hier beim Aussteigen zu wiederholen. So schnell bin ich noch von keinem Fahrzeug abgesprungen. Gut gelandet laufen wir zwischen Obstständen hindurch als mein Blick auf ein Tuk Tuk fällt. Beim zweiten hinsehen fällt mir auf, dass es ein weißer Typ mit mächtig langen Dreads das Gefährt lenkt. Sofort hat er meine volle Aufmerksamkeit. Dave handelt gerade über Karotten und Tomaten, da kann ich mich kurz ungesehen davon schleichen. Lehne mich möglichst lässig an seinen Wagen und frage ganz beiläufig wie es dazu kommt, dass er selbst im Besitz von dem motorisierten Dreirad ist. Wäre ja zu cool wenn wir auch so eins haben könnten. Breit grinsend erzählt er mir, er habe es selbst gemietet und fahre schon seit drei Monaten damit durchs Land. Rufe gleich Dave herüber und erzähle ihm die grandiosen Neuigkeiten. Zu Steve gehört noch Jess, beide stammen aus Canada und leben einen ähnlichen Lifestyle wie wir. Sympathie macht sich breit  und Steve fragt: „Guys, can I give you a ride?“. Super dankbar, den Bus nicht benutzten zu müssen, steigen wir direkt ein. „Where is your room?“, blickt Jess uns fragend an. „Aahm, the road ahead, 10 minutes from here… „. „Oh nice, our’s too!“. Zehn Minuten später haben wir rausgefunden, dass wir nicht nur in der gleichen Straße wohnen, sondern sogar noch im gleichen Haus. Zusammen kochen wir Pasta mit allem möglichen Gemüse, lassen uns von den Mücken zerstechen und schwelgen in Roadtrip Abenteuern diverser Länder. Karten werden ausgetauscht, spezielle Orte fokussiert. Dave labt sich an Zigaretten und Bier. „Ist ja fast wie zu Hause!“, schmunzele ich.

Steve und Jess. Supperleit!

Steve und Jess. Supperleit!

Nicht weit entfernt von unserem Domizil liegt bereits das Meer. Don erklärt uns, dass es ein Privatstrand ist und er nicht weiter als fünf Gehminuten entfernt sei. Gespannt greifen wir uns den Turnbeutel und marschieren los. Die Nachbarschaft ist ausgesprochen freundlich, alle winken und einige fassen wie selbstverständlich meine Haare an. Dann legen sie einen undefinierbaren Ausdruck auf ihr Gesicht oder zeigen Begeisterung. Wir passieren hohe Mauern, hinter denen bewachsene Ruinen still stehen. Tropische Geräusche, hier und da ein Brunnen. Das Donnern der Wellen dringt an unsere Ohren. Salzige Luft kitzelt in meiner Nase. Das letzte Stück des sandigen Weges führt durch ein paar Palmen und gibt dann Blick auf einen makellosen Sandstrand und grünliche Wellen frei. Mein Herz hüpft höher. Gewaltige Steinformationen schirmen das kleine Paradies ab. Eine verlassene Strandhütte steht in den Fels gebaut einsam da, wacht über die tosende Gischt. Völlig außer mir reiße ich mir die Klamotten vom Leib und laufe in die Fluten. Kühle, grüne Wellen schließen mich in ihre Arme.

« »

© 2019 18-300mm. Theme von Anders Norén.

%d Bloggern gefällt das: