18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Garten Eden

 

Heute ist etwas anders. Ich öffne meine verquollenen Augen und bemerke warmes Licht das durch die Zeltwand sickert. Ich hab zwar kalt, dafür aber sehr weich und lange geschlafen. 10 Uhr ist es schon. Als ich den Reißverschluss der Zeltwand hochziehe kommt mir strahlender Sonnenschein entgegen. Etwas entfernt hoppeln ein paar Lämmchen über die Wiese.

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Vorsichtig strecke ich den Kopf hera2016.06.03.114730-0077us und teste wie schnell ich meine Jacke anziehen muss. Das Ergebnis lässt mein Herz etwas höher hüpfen. Es ist so warm dass ich in meiner Fleecejacke und in den Wollsocken auf dem trockenen Moos stehen kann und mein Gesicht der Sonne entgegen recke. Hinter mir wurschelt sich ein verschlafener Dave aus seinem Schlafsack heraus.

Gott du bist so großartig, geht es mir durch den Kopf. Du schenkst uns ein trockenes Bett auf Moos, strahlende Sonne und Wärme. Gerade als ich an den immer noch bestehenden Dusch-Wunsch denke, ruft Dave er habe einen großen Bach gefunden. Ich bin begeistert. Es gibt keinen besseren Moment als diesen Morgen um sich endlich richtig frisch zu machen.
Zusammen laufen wir den Hügel hinab und tunken unsere Köpfe in eiskaltes Gletscherwasser. Herrlich wie Seife duften kann.

Wir starten HillsongUnited-Lieder, singend und grinsen bis über beide Ohren. Inzwischen ist keine Wolke mehr zu sehen. Die Landschaft wird wieder grüner und felsiger. Lange brüteten wir gestern noch über unserer Karte und philosphierten ob wir wirklich auf die zweite Halbinsel fahren sollten. Es ist ein langer Umweg, viele unbefestigte Straßen und „nur“ ein Wasserfall sowie ein „Birdcliff“ soll es dort geben. Doch wir wollen aus unseren gestrigen Fehlern lernen und es noch einmal versuchen.

Gerade fahren wir an Fjorden vorbei, halten an Wasserfällen an und begeben uns wieder auf Gletscherhöhe. Die Aussichten sind gigantisch, das Meer kommt in Sicht und glitzert still und blau. Eigentlich sollte ich diese Anblicke genießen. Eben noch so bester Laune und dankbar für den Tag, gebe ich jetzt aber lieber die beleidigte Leberwurst. Wegen Kleinigkeiten bin ich angenervt, mache Dave Vorwürfe und frage mich was schon wieder mit mir los ist. Es kommt eins zum anderen und wir streiten uns. Ein kurzes aber hartes Wortgefecht lässt mich mein eigentliches Problem erkennen. Während Dave alles managed und Photos schiesst, komme ich mir unnütz vor. Aus Liebe nimmt er mir vieles ab und bewirkt somit das Gegenteil. „Jetzt wo ich nicht mehr arbeite, werde ich nicht mehr gebraucht“, schimpfe ich. Und überhaupt macht es mich wütend, dass er inzwischen bessere Photos macht als ich. Während ich noch argumentiere verstehe ich, dass lediglich mein Stolz gekränkt ist und dass es manchmal gar nicht so einfach ist seinem Alltag zu entkommen. Dass ich wohl noch lernen muss diese Zeit wirklich zu genießen.

Wieder vereint fahren wir durch Gletscherfelder die Berge hinab und fragen uns ob es die Strecke wert ist.
Aus der Ferne dringt ein Dröhnen und Rauschen an unser Ohr. Unsere Straße windet sich durch immer grünere Hügel bergab bis wir ihn erblicken. Den Dynjandi. Weiße Wassermassen fallen eine Bergkette hinab. Noch eine Kurve und wir fahren auf das schönste Naturschauspiel zu dass ich je gesehen habe. Geschätzte 50 m breit stürzt bläuliches Gletscherwasser einen schwarzen Fels hinunter und gliedert sich in kleinere, jedoch tosende Wasserfälle. Kalter Sprühnebel schlägt einem entgegen.
Zur anderen Seite liegt uns das Meer, mündend in einer Bucht, zu Füßen. Die Sonne steht schon etwas tiefer am Himmel und taucht die grünen Wiesen in goldenes Licht. Gelbe Blumen säumen einen Bachlauf der ins Meer mündet. Wir laufen zum Strand an dem weiße Schwalben segeln.

Unser Zelt steht heute wieder auf einem Moos- und Gras bewachsenen Hügel, weich gebetet direkt am Meer. Ich fühle mich als hätte ich den Garten Eden gefunden.

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