18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Feuer und Eis

Es ist 4:00 Uhr morgens und wir fahren ganz allein auf einer abschüssigen Straße zwischen sandigen Gebirgen. Immer noch liegt Schwefelgeruch in der Luft und dringt bis ins Auto. Inzwischen ist es taghell, der Himmel jedoch bewölkt. Wir sind dabei das Myvatn Gebiet zu verlassen und halten eigentlich Ausschau nach einem, nicht ganz so steinigen, Platz an dem wir schlafen können. Die Nacht war doch recht anstrengend und nach dem Bad in der tiefen, heißen Quelle möchte ich mich nur noch hinlegen. Doch weit und breit nur Steine und Schwefel, und – weißer Dampf. Plötzlich sehen wir vor uns, wonach wir eigentlich die ganze Nacht gesucht hatten.

Brodelnde Schlammlöcher, sprühende Schwefelquellen und eine dünne Erdoberfläche, bei der man das Gefühl hat man läuft direkt über dem Erdkern. Der Schwefelgestank ist wirklich kaum auszuhalten. Doch noch mehr außer Atem bringt mich das Farbspiel dass ich um die Erdlöcher entdecken kann. Getupftes Orange, gepaart mit Schlieren von hellem Grün, auf einer golden wirkenden Sandfläche. Es brodelt und kocht. Man könnte meinen der Boden explodiert gleich. Wir dürfen durch die Ebene hindurch laufen. Dave rennt wie ein kleiner begeisterter Junge von einem Schlammloch zum nächsten. Er ist ganz aufgeregt und bekommt sich gar nicht mehr ein. Gefühlte 400 Bilder macht er von dem hochspritzenden Schlamm und möchte sie am liebsten gleich mit der ganzen Facebookgemeinde teilen. Es ist herrlich ihn so aufgeregt und glücklich zu sehen, nur wegen etwas Schlamm, der stinkend nach oben spritzt.

Irgendwann hat er dann doch genug und kommt zu mir ins warme Auto. Eine halbe Stunde später machen wir Rast direkt neben der Straße und bauen schließlich unser Zelt auf. Endlich hinlegen und endlich kein Schwefelgeruch mehr.

 

 

 

 

Die folgenden Tage fahren wir einige Zeit an der Küste entlang. Zwischendurch machen wir halt an den Hintertüren von Supermärkten. Grandiose Ausbeute. Schokoglasierte Mandeln aus Canada, getrocknete Kirschen aus den USA, Belgische Pralinen, Apfelsaft, Bio- Kesselchips, Bio-Müsliriegel, Tütensuppen und und und. Wir lieben Dumpster Diving. Bei 80 % ist übrigens nicht das Haltbarkeitsdatum abgelaufen, und alle Produkte schmecken super.

Am 10 Juni kommen wir endlich im blauen Eis an. Wir fahren direkt am rauen Meer entlang und sehen bereits die ersten Eisbrocken treiben. Ich bin gespannt. Endlich etwas, was ich noch nie in meinem ganzen Leben vorher live gesehen habe. Helles blaues Licht strahlt uns entgegen. Eiswind zerrt an unseren Jacken. Wie gebannt stehe ich da und kann meinen Blick nicht von dieser Schönheit abwenden. Gewaltige Eisberge treiben machtvoll in der Gletscherlagune. Vereinzelt fliegen weiße Schwalben und Möwen hindurch. Und sogar eine Robbe taucht kurz aus den Tiefen auf. Nie habe ich ein intensiveres und gleichzeitig so natürliches Blau gesehen. Teilweise drehen sich die Eisberge um, begleitet von einem dunklen Grollen und Rauschen.

2016.06.10.201830-0025

An so einem bekannten Ort sind wir natürlich nicht alleine, überall wimmelt es von Touristen. Die meisten stammend aus Japan oder Amerika. Neben den Japanern, dessen Kameras so schwer sind, dass sie einen eigenen Tragegriff haben und dessen Objektive so lang sind wie man ganzer Oberschenkel, komme ich mir etwas minderbemittelt vor. Doch nach längerem Beobachten triumphiere ich. Gerade sehe ich zwei ältere japanische Männer, jeder von ihnen besitzt zwei! Kameras des eben beschriebenen Ausmaßes, welche sie sich lässig über die Schulter gehängt haben. Nun zückt der eine sein Handy und photographiert den anderen wie er so tut als würde er gerade Bilder knipsen. Ich muss schmunzeln. Kommt wohl doch nicht immer auf die Größe der Kamera an.

 

 

 

« »

© 2019 18-300mm. Theme von Anders Norén.

%d Bloggern gefällt das: