18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Ein Mann und sein Fisch

 

An allen erdenklichen Stopps und Schlafplätzen, Flüssen und Fjorden hat Dave bereits versucht einen Fisch zu angeln. Jedes mal geht er mit einem enthusiastischen Grinsen, der Angelrute in der rechten und dem Leatherman in der Linken auf das ausgesuchte Gewässer zu. „Diesmal fange ich einen!“, verabschiedet er sich und gibt mir einen Kuss. Und dann, nach zwei bis drei Stunden kommt er zurück. Langsamer Gang, hängende Schultern, die Rute hängt traurig in der Hand. Verzweifelt legt er den Kopf auf meine Schulter und lehnt sich gegen mich. Es ist ein Trauerspiel diese Tortur jedes mal mit ansehen zu müssen. Natürlich muntere ich ihn auf, aber mehr als die flachen Worte: „Bei nächsten mal klappt’s bestimmt!“, fallen mir auch nicht ein.
Was soll ich auch groß sagen, vom Angelerdasein hab ich einfach keine Ahnung.

Nach tagelanger Norwegenreise, endlich da. Die Atlantikstraße!

Nach tagelanger Norwegenreise, endlich da. Die Atlantikstraße!

Heute jedenfalls, ist es wieder einmal so weit. Mein Geliebter ist ausgezogen, seine Männlichkeit zu beweisen, seiner Clara einen Fisch zu fangen. Stolzen Schrittes und frohen Mutes schreitet er von dannen. Ich bleibe gemütlich im Bus hocken und verfasse den nächsten Blog Eintrag. Petri Heil.
Zeile um Zeile entsteht, ich nasche ein paar Nüsse, trinke einen Schluck Wasser. Gucke hinaus aufs Meer. Während mein Getipsel sich langsam dem Ende neigt, erreicht die Erinnerung an Dave wieder volle Aufmerksamkeit. Verwundert blicke ich auf die Uhr. Schon wieder zwei ganze Stunden vergangen und er ist noch nicht zurück. Sorgenfalten bilden sich auf meiner Stirn. Schon wieder keinen Erfolg? Ich beschließe ihn aufzusuchen, ihm wenigstens in der Niederlage beizustehen. Unter erheblichen Rückenschmerzen und fast aufrechten Ganges nehme ich Kurs auf die felsige Küste. Das blonde Haar und den grauen Pulli erkenne ich schon von weitem. Dave bückt sich gerade über etwas, kleine Fetzen fliegen von ihm weg. Er dreht sich um und ein strahlendes Gesicht blickt mir entgegen. In der linken hält er eine prächtige Makrele. Der Kopf bereits abgetrennt. Blut und Eingeweide hängen an seinen Fingern, Haarsträhnen wehen in sein Gesicht. Ausgelassen beginnen seine Erlebnisse aus ihm herauszusprudeln. Wie er es immer und immer wieder versucht hätte, Schwärme von Fischen seien dort gewesen, und er habe sich gedacht, jetzt müsse es einfach klappen. Ich falle ihm begeistert und beglückwünschend um den Hals. Er führt einen kleinen Freudentanz auf, der auch die nächsten 15 min nicht abebbt. Immer und immer wieder erzählt er mir den Ablauf bis ins Detail und ich höre überglücklich zu.

Wenn der 'Zoatla' erst einmal etwas gefangen hat, sollte man besser Abstand halten, und sich keinesfalls zwischen Jäger und Beute stellen.

Wenn der ‚Zoatla‘ erst einmal etwas gefangen hat, sollte man besser Abstand halten, und sich keinesfalls zwischen Jäger und Beute stellen.

Zurück am Bus angelangt, stellt sich dann die Frage wie man einen Fisch ohne alles eigentlich zubereitet. Mit stolzgeschwellter Brust hole ich mein kleines Survivalbuch, endlich kommt es zum Einsatz. Sogleich brät die bläulich schimmernde Makrele in Knoblauch und Öl. Dazu köcheln Kartoffeln und ein knackiger Salat steht bereit. In den lang andauernden Strahlen der Abendsonne sitzen wir auf unseren blau-weiß gestreiften Campingstühlen und genießen unser Leben in vollen Zügen.

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