18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Ein Drahtseilakt

Dave ist aschfahl im Gesicht. Er zittert am ganzen Körper und glüht gleichzeitig. Wir befinden uns im Landeanflug auf die Philippinen. Trotz Medikamenten scheint sein Gesundheitszustand nicht besser zu werden. Ich bete. Versuche mir keine weiteren Sorgen zu machen und alles an Gott abzugeben. Dann setzen wir auf dem Boden auf. Ich wecke Dave, befreie ihn aus sämtlichen Kleidungstücken, die ich um ihn gewickelt habe. Er rafft sich auf und wir laufen auf den Check in zu. Gelbe Zettel werden uns zum Ausfüllen in die Hände gedrückt. Ob wir gesund seien und in welchen Ländern wir uns aufgehalten hätten. Wir wagen es und kreuzen ’nein‘ an. Was wir nicht wissen, ist dass uns längst Beamte der Quarantäne Abteilung auf ihrer Wärmekamera entdeckt haben und uns soeben rausfischen. Dave hat über 39 Grad Celsius. Es findet eine Befragung statt. Ich lese auf der Rückseite des gelben Zettels, das hohe Strafen für kranke Einreisende verteilt werden. Auch Dave hat dies soeben besagt bekommen und ihm bricht buchstäblich der Schweiß aus. Es verstreichen qualvolle Minuten in denen sich der Beamte zu entscheiden versucht. Schließlich lächelt er uns an, gibt uns eine Nummer der Seuchenzentrale mit und lässt uns mit dem Ratschlag: „You should visit a doctor!“ ziehen.

Wir haben es geschafft. Mit viel Verspätung und am Ende unserer Kräfte laufen wir direkt in Mientje’s Arme, meine langjährige ostfriesische Freundin. Wir umarmen uns herzlich und ich bin super dankbar dass alle Menschen und jedes Gepäckstück nun in diesem Airport gelandet ist. Die Taxifahrt ist eine weitere Tortur, aber irgendwann stehen wir in unserem klimatisierten Zimmer und fallen in die weichen Betten. Dave schläft sofort wieder ein. Mientje und ich haben uns viel zu erzählen, schwelgen in alten Zeiten und stellen fest dass sich absolut nichts zwischen uns verändert hat. Ein herrliches Gefühl.

Noch am Nachmittag schlafen wir alle ein und erwachen erst spät abends. Fieberhaft überlege ich, ob ich Dave in ein Krankenhaus bringen soll. Jedes mal lehnt er den Vorschlag ab, aber in seinem Krankheitszustand ist er auch nicht mehr ganz zurechnungsfähig. Er scheint alle Anzeichen für Dengue Fieber zu haben. Fieberschübe, Glieder- Augen- und Rückenschmerzen. Ich frage unseren Gastgeber wie weit der nächste Arzt entfernt ist. Teile ihm meinen Verdacht mit. Sofort ist er bereit uns mit seinem eigenen Auto zu fahren.

Das Krankenhaus ist erstaunlich flott in der Anmeldung, adäquat im Patientenumgang und sehr sauber. Inzwischen hat Dave’s Fieber aufgehört, doch die freundliche Ärztin zählt das eher als Indiz für eine Tropenkrankheit. Ernüchternd teilt sie uns mit, dass Dave für eine ‚offizielle Gesundheitsbestätigung‘ 24h im Krankenhaus bleiben müsse. 24 h ohne Fieber, ohne Auffälligkeiten im Blut und im Urin. „Dann verpassen wir unseren Weiterflug“, stellen wir fest. Wir beratschlagen uns, wissen dass es eine gefährliche Situation ist. Vor allem wenn die Beamten am Flughafen uns zum zweiten mal rausfischen, erwarten uns hohe Strafen. Wenn nicht sogar der Wegschluss von Dave. Wir beschließen, die Nacht abzuwarten. Ich werde Dave alle vier Stunden wecken und ihm seine Medikamente geben, ihn hydrieren und sein Fieber messen. Gesagt getan.

Und nun sitzen wir hier, in der Abflughalle. Wir haben es geschafft. Dave ist seit dem Arztbesuch fieberfrei und fühlt sich wesentlich besser. Mit ausreichender Vormedizierung haben wir uns durch die Wärmekameras manövriert und sind nicht aufgeflogen. Gott ist mit uns und lässt uns nicht hängen.

Das nächste Problem steht aber bereits bevor. Sämtliche Flüge bis auf unseren werden gecancelt und verschoben…

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