18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Ein Bergdorf namens Ella

Ich sitze auf unserer kleinen Terrasse, auf einem recht bequemen Holzstuhl und lasse meinen Blick durch die aufkommende Dämmerung schweifen. Die Luft ist wunderbar kühl und sauber, Gebetsgesänge muslimischer Moscheen  schallen seit geraumer Zeit durch die grünen Teeplantagen und ich komme zur Ruhe. Richtig glücklich bin ich und genieße den Augenblick. Ich vermisse zwar unsere Freunde und das zu Hause in den Alpen, aber ich scheine endlich im ‚jetzt‘ angekommen zu sein und nicht länger zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her zu pendeln. Wir sind in Ella, einem kleinen Bergdorf im Hochland Sri Lankas. Unsere Hütte ist zwar etwas muffig, dafür bekommen wir von den Kindern unseres Gastgebers ständig Tee mit Keksen und Bananen serviert. Eilig laufen sie mit dem Tablett zu unserem Häuschen herüber, klopfen schüchtern und nicken und lächeln dann nur. Das Tablett wird überreicht und es wird zügig weg gerannt. So eine Verständigung mit Händen und Füßen ist manchmal doch recht lustig.

Gerade kommt Dave zur Tür heraus und teilt mir mit, dass sich Flo und Kim aus der Schweiz gemeldet hätten: „Den Zug haben sie überlebt und hängen auch in dem Bergdorf!“. „Lass mal zusammen was machen!“, schlage ich vor. Gesagt, getan. Dank neuester Kommunikationstechnik haben wir uns für den nächsten Tag verabredet, blicken gespannt einer Bergtour bei knappen 30 Grad entgegen. Nur ungern überlasse ich meinen Platz auf der Terrasse den Scharen von Mücken und verziehe mich ins Innere. Ich schlüpfe unter die ungewohnt wärmende Decke und bin dankbar über die nächtlichen, kalten Temperaturen die mich gut schlafen lassen werden.

Erholt, frisch und munter und zu Großem bereit stehen wir früh morgens am ausgemachten Treffpunkt und warten auf unsere neu gewonnen Freunde. Niemand weiß genau wo es lang geht, die Internet Beschreibung fällt etwas mau aus. „Also erst mal müssen wir auf den Schienen entlang laufen“, beginnt Flo die Planung. „Dann kommt eine Brücke, kurz danach geht es nach links… ich hab hier so eine selbstgezeichnete Karte!“ Wir blicken auf den Screenshot und begeben uns in Richtung Bahnhof.  Der Weg über die Gleise, welche den Gras bewachsenen Hang entlangführen, wird von den meisten Einheimischen und auch allen Schulkindern als Hauptweg genutzt. Nach lebenslangem Eintrichtern aller Erziehungsberechtigten nicht auch nur einen Fuß auf Gleise zu setzen, komm ich mir jetzt noch rebellischer vor als sonst. Ok, ab und zu blicke ich mich etwas panisch um, und spitze meine Ohren ob nicht vielleicht doch gleich ein Zug kommt. Durch die ansteigende Hitze wandern wir durch grünes und gelbes Gras, so hoch, dass ich mir ganz klein vorkomme. Obwohl erst eine Stunde vergangen ist, bricht mir schon wieder der Schweiß aus. Kleine Echsen sitzen auf Holzstücken und nehmen Sonnenbäder. Streifenhörnchen spielen fangen im Baum. Clara fragt sich warum sie schon wieder einer Bergtour zugestimmt hat.

Auf der ersten Kuppe angekommen wandelt sich das Bild der immergrünen Landschaft. Unser Weg führt durch schwarz verbrannte Baumstämme, welkende gelbe Blätter und raschelndes Laub. Ob ein Waldbrand hier gewütet hat? Aber warum sind nur die Stämme schwarz und nicht die Blätter?  Oder ist es eins der von Einheimischen angelegten Feuer, das außer Kontrolle geraten ist? Wäre die Hitze nicht so präsent, würde es fast ein wenig herbstlich aussehen. Goldene Blätterdächer durch das die Sonnenstrahlen dringen. Trotz der Verwüstung ein schöner Anblick. Unser Weg führt den steilen Hang weiter nach oben und endet auf einer buckligen Felszunge. Ein atemberaubender Ausblick über die grünen Hügel des Hochlands und die angrenzenden tiefen Täler bereitet sich vor unseren hochroten Köpfen aus. Schweigend und etwas erschöpft sitzen wir auf den Steinen und lassen das Freiheitsgefühl auf uns wirken.

„Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht“ (Gal 5,1)

 

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