18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Ein arktischer Sommernachtstraum

Wie die meisten treuen Leser inzwischen schon bemerkt haben, hängen wir mit den Einträgen etwas hinterher. Dazu haben verschiedene Faktoren beigetragen. Zum einen häufen sich hier auf engstem Raum die großartigsten Kulissen und wir drücken tausende male auf den Auslöser. Zum anderen hat nun auch für uns das Sommerwetter begonnen und da dieser Blog eigentlich nur eine Nebensache sein soll, nehmen wir uns die ein oder anderen freien Tage spontan heraus. Das bedeutet, dass ich wie auch Dave, oft gar keine Lust haben sich an den schönen Orten, bei bestem Wetter, in den Bus zu setzten, die Schotten dicht zu machen und viele Stunden auf einen Monitor zu starren. Doch es ist gibt kein Entrinnen, und so sitzen wir auch heute, bei sehr warmen Temperaturen in unserem Gefährt und versuchen uns zu beeilen, den angrenzenden Strand schon rufen hörend. Manchmal frage ich mich natürlich auch: Wozu die ganzen Mühen… den paar Hanseln könnte man auch einfach privat eine Dia-Show bieten und ein- zwei Geschichten dazu erzählen… Aber nun haben wir uns dazu entschieden, also ziehen wir es auch einfach durch. Immerhin haben wir später etwas zu lachen, und können auf die Abenteuer längst vergangener Tage zurück blicken, wenn unserer Gehirne schon von der Demenz ergriffen werden.

 

Nach ausgiebigen Regenfällen, eiskaltem Wind und vielen nasskalten Wolken, hat sich die Sonne entschieden auch den hohen Norden zu beglücken und strahlt nun mit voller Kraft. Natürlich trage ich noch immer Wollsocken und lange Hosen, sowie meine Wanderjacke, aber ich friere nicht mehr so und wir brauchen nachts auch keine Standheizung mehr. Die Lofoten, welche gerade mal 1227 Quadratkilometer groß sind, sind nur entlang der E10, sowie im Süden, bereits seit 6000 Jahren besiedelt und bieten damit spektakuläre Aussichten auf engstem Raum. Viele alte Fischerhäuser reihen sich, oft auf Stelzen gebaut, mit kleinen Häfen dicht an die schroff aufragenden Felsen.

Die rund 80 kleinen Inseln werden von massiven Felszacken beherrscht und natürlich stellt sich einem die Frage welche von ihnen man besteigen will. Eigentlich hatten wir ja genug vom Wandern, aber jetzt wo wir schon einmal da sind… Also dann ran an den Speck. Die wohl bekannteste und beliebteste Tour, mit dem atemberaubendsten Ausblick, ist die auf den Reinebringen. Mit Hilfe der wenigen Netzabdeckung die es hier gibt, versuchen wir uns bestmöglich vorzubereiten und brüten tagelang über der Entscheidung. Sollen wir dieses vier Stunden Tour in Angriff nehmen? Die Wandergeister der Internetwelt scheiden sich an diesem Punkt. Natürlich sei diese Tour obligatorisch für einen Besuch auf den Lofoten. Und auch die bereits geschossenen Bilder anderer Photographie Kollegen lassen unsere Füße zucken. Doch die breite Masse warnt vor dieser Tour. Der Aufstieg sei sehr anstrengend und zudem die komplette Route extrem gefährlich. Mit garantiert nassen Socken und auf Händen und Füßen, müsse man sich, anfangs durchs Moor, später durchs Geröllfeld, fortbewegen. Gerade die Alpenverwöhnten, bemängeln die fehlende Sicherheit. Der Steig gehöre längst überholt, viele hätten beim Abstieg aufgrund der steilen Verhältnisse, echte Panik durchstehen müssen. Dazu Massen an Touristen, und „Anstehen“ für’s Gipfelbild. Nach langem Hin und Her entscheiden wir uns dagegen, die Trolltunga Wanderung im Jahre 2016 noch mahnend im Hinterkopf. Außerdem: Sicherheit geht vor.

Stattdessen wählen wir den weniger bekannten, aber nicht weniger schönen Ryten. Zwar wird auch hier vor dem Aufstieg gewarnt, jedoch nicht ganz so dramatisch. Um zur besten Lichtqualität am Gipfel zu sein, starten wir abends um 20 Uhr. Dankbar für die nicht untergehende Sonne, die uns noch immer in ihre warmen Strahlen einhüllt. Wir beten für einen sicheren Aufstieg und eine anhaltende gute Wetterpartie.

Der Trampelpfad führt uns über Stege durch moorige Sumpfgebiete, an kleinen Schafherden vorbei und schließlich steil bergauf in felsige Ebenen. Trotz aller Unken, haben wir erstaunlich kurze zwei Stunden später, trockene Füße und ein Lächeln im Gesicht, als wir den Gipfel des Ryten erreichen. Golden wird die Bucht tief im Tal beleuchtet und saftig grüne Wiesen treffen an einem weißen Sandstrand auf die schäumende Gischt der stahlblauen See. Ein Ausblick, so wunderschön und herrlich gestaltet wie es sich nur Einer zu erdenken vermag.

Was soll ich sagen, irgendwie hatte sich das wieder einmal so schön angeboten. Tino, wie immer, tiefenentspannt und völlig unbeeindruckt.

 

Auch Clara wagt sich ganz an die Spitze, was durchaus einiges an Mut erfordert.

Nach einer ausgiebigen Pause und dem verschlingen einiger „Sjokoladenböller“ treten wir vergnügt und beschwingt den Rückweg an. Glücklich über eine so leichte und angenehme Wanderung. Lediglich für unser altes Hündchen war der Aufstieg sehr beschwerlich und so krabbelt er bei Aufbruchsstimmung wie selbstverständlich in den großen, roten Rucksack und ist durch das Geschaukel bald darauf eingenickt.

Wenn man ganz genau hinsieht, kann man Tino’s kleines Köpfchen erblicken, und erahnen, dass er es einfach nur genießt, nicht mehr laufen zu müssen.

 

Vor kurzem erst wurde diese Wanderung ein wenig überarbeitet und so können wir, Gott sei Dank, die nassen Moorfelder trockenen Fußes überqueren.

Im Tal angekommen schöpfen wir noch einmal aus dem Vollen, erneuter Tatendrang lässt uns bis drei Uhr morgens die Auslöser der Kameras betätigen und die nächtliche Sonne genießen. In einsamen Tälern kriecht stiller Nebel über weite Flächen und die See ist so ruhig wie seit Tagen nicht mehr. Kleine Hütten spiegeln sich in perfektem Licht und am Himmel zählen wir zart rosa Wölkchen. Wir befinden uns mitten in einem arktischen Sommernachtstraum. Doch, was erzähle ich hier lang und breit, die Aufnahmen können euch noch viel besser mit in diese ganz besonderen Stunden hinein nehmen…

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