18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Dumpster Diving

00:00 Uhr, Akureyri

Es ist also soweit. Unsere erste Mission startet. Gespannt fahren wir in die zweitgrößte Stadt Islands, mit den Herzampeln, auf der Suche nach etwas Essbarem. Akureyri ist in ein goldenes Licht getaucht. Die Sonne ist gerade untergegangen und wird in der nächsten halben Stunde schon wieder „aufgehen“. Es ist immer noch hell, doch die Vegetation und das Meer strahlt in besonderen Farben.  Ich komme mir vor wie ein Kleinkrimineller. Wird man uns erwischen? Sind dort Kameras? Gibt es Ärger? Ich beruhige mich selbst, indem ich  mich immer wieder daran erinnere, dass es in Island nicht illegal ist, den Abfall der Supermärkte zu stehlen. Ich bin ganz aufgekratzt, halte überall Ausschau nach Geschäften. Und da ist auch schon das erste. Ein Bónus. Inzwischen hat der Großmarkt geschlossen und wir fahren auf den Menschenleeren Parkplatz. Ich erblicke einen riesigen Container – der leider hinter Gittern steht. „Klettern wir drüber?“, fragt Dave. Ich überlege kurz und sage: „Nein, wir wollen es am Anfang nicht direkt übertreiben“. Lust hätte ich ja schon, doch ich rufe mir die Vernunft ins Gedächtnis. Wir reisen noch weiter und dies ist nicht nur ein zwei Wochen Urlaub. Mit der Polizei hier hab ich mich ja schon einmal angelegt- das genügt.

Wir fahren weiter, entdecken einen „isländischen Edeka“. Grüne Mülltonnen stehen an der Seite. Das Manko- er hat noch geöffnet. Wir wagen es trotzdem. In der ersten Tonne liegt Obst und Gemüse, welches allerdings wirklich schon weich und stinkig ist. Gut dass ich absolut kein Gemüse und Obst- Mensch bin. In der nächsten Berge von Brot und Backwaren. Alle noch eingeschweißt. Wir fischen Toastbrot und Kuchen, sowie Pizzabrötchen heraus. Sieht eigentlich noch ganz gut aus. Eine große Ausbeute war das jedoch noch nicht.

Und los geht’s

Als wir einen Blick auf einen Netto erhaschen, ist die Freude groß. Ein riesiger Container steht direkt hinter dem Markt, und niemand ist weit und breit zu sehen. Inzwischen bin ich schon richtig in „Dumpster-Laune“. Klappe auf, und: „Aaaahhh“ !! Massen von Essen liegen ausgebreitet vor uns. Alles noch eingepackt. Klar, die Fertigfischgerichte müffeln schon etwas extrem, aber der Rest sieht eigentlich richtig gut aus. Ich geh aufs Ganze und steige zu der Luke hinein. Begeisterung spiegelt sich auf unseren Gesichtern. Cola und Fanta, Chips und Schokolade, Fertignudelsuppen, Paprika, Pfirsiche, eine Mango, Karotten und eine Dr. Oetker Pudding Mischung nennen wir nun unser Eigen. Was für eine Wonne- endlich Süßigkeiten und Leckereien in Hülle und Fülle. Ganz ohne unser Budget zu belasten.

Auch wenn es nicht so aussieht, auch ich habe nicht nur fotografiert ;)

Auch wenn es nicht so aussieht, auch ich habe nicht nur fotografiert 😉

Niemals hätte ich gedacht, dass gleich unser erster Versuch so dermaßen glückt. Mit einer vollen Kiste Essen fahren wir aus der Stadt raus und machen uns wieder einmal auf die Suche nach einem Schlafplatz.

Ich bin mir sicher. Das mache ich ab jetzt öfters. Überhaupt steigt Empörung in mir auf. Wieso wird so gutes Essen weggeworfen? Tonnen von Essen – und dass nur in 2 Supermärkten in dieser kleinen Stadt. Teilweise ist nicht mal das Haltbarkeitsdatum abgelaufen- und trotzdem liegen sie im Müll. Die Cola-Dose zum Beispiel. Nur weil der Boden etwas zerdellt und ausgebeult ist? Soweit sind wir Menschen also schon? Wieder einmal schäme ich mich für meine eigene Rasse. Gerade kommt mir in den Sinn wie oft ich schon Erdbeeren oder Karotten weggeworfen habe, nur weil sie nicht mehr dem Aussehen eines Werbeplakates entsprachen. Jetzt schäme ich mich noch mehr.

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