18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Die letzte Route

Ich stehe in der Küche und brauche gerade mehr als zwei Hände. Im Ofen liegen Süßkartoffelchips, Nektarinenmuffins warten auf ihre Fahrt in die heiße Röhre und vor mir sieht mich ein klebriger Brotteig anklagend an. Schon früh bin ich heute aufgestanden um für morgen alles vorzubereiten. Wir planen nämlich einen Roadtrip und Essen ist teuer. Also backe und mache haltbar was möglich ist um uns unterwegs zu versorgen. Apropos Versorgen. Das hat Gott auch diesmal wieder herrlich gut eingefädelt. Supermarktpreise, bei denen vor allem ich anfange zu weinen. Er hat gleich eingegriffen und uns überrascht. Zu Beginn unserer Ankunft nahm uns Sue in ein gewisses ‚Comunitycenter‘ mit. Ein Raum im dortigen Gebäude war mit nicht verkauften Lebensmitteln der umliegenden Supermärkte für etwas ärmere Leute ausgestattet. Bezahlt wurde um ein vielfaches weniger und gerechnet mit einem Punktesystem. So ist ein Kübel frisches Gemüse ‚kostenlos‘, Fertigprodukte haben verschieden farbige Punkte aufklebend. Ein schwarzer Punkt kostet mehr als ein grüner. Im Endeffekt haben wir zwei große Einkaufstüten für gerade mal $10 bekommen. Ein Vergleichseinkauf beim dort günstigsten Anbieter  mit selbigen Produkten kostete $90. Ihr könnt euch unserer strahlenden Gesichter vorstellen. Unglaublich wie wir immer wieder versorgt werden- und gerade in den Punkten, die beispielsweise mir ganz besonders schwer fallen. Nämlich viel Geld für Essen auszugeben.

Und so bin ich also ganz entspannt zum Inneren der Küche gelangt und habe angefangen dort zu erkunden, auszuprobieren und Neues zu erstellen. Mit genügend Produkten zu Verwertung. Und heute backe ich also mein erstes eigenes Brot. Natürlich ganz mittelalterlich, ohne Brotbackmaschine und aus kaum mehr als Mehl, Wasser, Öl und Salz. Während Dave auf seinem Lieblingsplatz vor dem Laptop hängt und Routen heraussucht, Merl mich von seinem Kissen aus skeptisch betrachtet, kämpfe ich mit dem Teig. Und lächele.

Einige Stunden später ist dann endlich alles fertig vorbereitet und wir fallen müde ins Bett. Berge aus Essen stehen bereit, die Tiere werden von einer lieben Oma versorgt und auch das Auto ist mit Schlafsäcken, Isomatten und Technik-Ausrüstung bereit. Endlich geht es wieder los. Auf die Straße, ins Abenteuer, zu neuen Horizonten. Wir lassen unser kleines, grünes Häusschen in Canberra hinter uns und starten auf den Highway. Auch heute scheint die Sonne golden, wärmt und lässt alles strahlen. Hohes Gras biegt sich im Wind und Papageien, sowie Kakadus fliegen kreischend durch die Luft. Es ist einfachen Traum. Wir halten an verschiedensten Punkten. Laufen durch einen Nationalpark, bestaunen seltene Vögel und Pflanzen. Betrachten riesige Termitenhügel und lassen uns den Atem von Ausblicken über tiefe Täler rauben. Oft sind war ganz allein und treffen keine andere Menschenseele an, hören nur die Geräusche des Waldes und fühlen uns ganz und gar zu Hause in dieser Natur abseits des Menschlichen Wesens. Wir fahren auf langen Panoramastraßen und Brücken bis ans Meer, klettern über brüchige Felsen und lauschen dem Tosen der Wellen. Donnernd krachen sie gegen Gesteinsmassiv, spülen kleinste Muscheln und Fische an und saugen sie im selben Moment wieder zurück ins dunkle Blaue. Einige mutige Fischer haben sich bis ganz vorne aufs Plateau gewagt und werfen stetig ihre Angeln aus. Es riecht nach Fisch und Salz und Wind pfeift mir um die Ohren. Weiter an der Küste entlang machen wir Rast an Stränden, sehen Surfer die riesigen Wellen reiten und stecken unsere nackten Füße in warmen Sand. Das Meer ist kalt und rau und sieht viel gefährlicher aus als bisher gekannt. Und doch nimmt es uns gefangen und lässt uns nur schwer wieder los.

Als sich die Sonne gen Horizont neigt, machen wir uns in Richtung Kangaroo Valley auf. Über lange einsame Straßen entfernen wir uns Stück für Stück von der Zivilisation und werden noch ruhiger. Genießen jede Meile und können nicht fassen wie schön Landschaft sein kann. Schließlich haben wir die letzten Serpentinen erreicht. Mächtige Eukalyptus Bäume, gepaart mit vielen Grün schimmernden Laubbäumen heißen uns willkommen. Ein kleiner Flusslauf zieht sich durch das Tal und wir überqueren eine kleine Brücke. Und dann sehen wir ihn. Unseren ersten Wombat. Ganz allein wegen ihm sind wir den weiten Weg bis hier her gefahren. Um diese außergewöhnlichen, total knuffigen Riesenhamster zu sehen. Wir halten direkt auf der Straße an und starren wie gebannt auf das überdimensionale Fellknäul. Ganz gemütlich sitzt er im Gras und knabbert an einem Halm. Genießt die letzten Stunden der Abendsonne und lässt es sich gut gehen.

Mit seinen winzig kleinen Augen hat er uns auch nicht direkt in seiner Nähe bemerkt und sieht uns nun, wo wir vor ihm stehen, etwas verdutzt an. Er scheint gar keine große Angst zu haben und lässt sich wohlwollend fotografieren. Wir beschließen das Auto zu parken und noch weiter durchs Unterholz zu streifen. Hand in Hand laufen wir möglichst leise und mit gezückter Camera durch den Australischen Busch. Ein Wallaby hüpft springend davon und auf einmal sind wir von ganz vielen Wombats umgeben. „Ich hab dir doch gesagt wir sind heute bei Familie Wombat zum Essen eingeladen!“, lächele ich Dave triumphierend an, denn wir hatten eigentlich nicht daran geglaubt diese Tiere wirklich zu sehen. Genüsslich mampfend stolpern sie durch die grüne Sumpflandschaft und verschwinden ab und an in ihren unterirdischen Höhlen. Mit den letzten Strahlen der Sonne sind wir wieder zurück bei unserem Auto und genießen unser Abendessen. Und mit der hereinbrechenden Nacht kommen noch mehr Wombats. Ganz mutig laufen sie zwischen den Autos umher, schnuppern hier und da und sind dann plötzlich wieder verschwunden. Überglücklich über all den Segen den wir erleben dürfen fallen wir auf unsere Isomatten und wickeln uns in die Schlafsäcke. Kalt ist es plötzlich geworden und insgeheim freue ich mich doch wieder auf mein richtiges Bett in Canberra.

Und weil ihr dieses Mal so lange warten musstet, gibt’s jetzt auch noch was zum Anschauen. Mein erstes Timelapse-Video. Über 900 einzeln geschossene Bilder. Bei Nacht und Nebel mehrere Stunden draußen unterwegs. Die Bilder äußerst aufwendig bearbeitet und zusammengefügt. Aber seht selbst.

Und noch ein kleines ‚Auf wiedersehen‘ – Filmchen für Australien.

« »

© 2019 18-300mm. Theme von Anders Norén.

%d Bloggern gefällt das: