18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Die letzte Lady

Zurück in Kuala Lumpur, mal wieder. Als wir aus dem Flughafengebäude treten, ist es fast wie heimkommen. Wir kennen uns aus, wissen wie hier was läuft und marschieren einfach los. Eine Woche bleiben wir einem Hostel, arbeiten Beiträge und Fotos nach und recherchieren für den nächsten Monat. Immer wieder Dengue Fieber ‚Nach-Attacken‘, doch es wird schwächer. Schließlich ist alles abgearbeitet und wir stehen mit unseren Rucksäcken wieder auf der Straße. Bereit für neue Abenteuer, mit mehr Dankbarkeit im Herzen und mehr Bewusstsein für die Schönheit um uns herum.

Mit dem Bus fahren wir diesmal ins Landesinnere- und reisen komfortabler als im Flugzeug. Chips in der einen und Kekse in der anderen Hand, lehnen wir uns in den breiten Sesseln zurück und blicken entspannt aus dem Fenster. Nach und nach verändert sich Umgebung. Die Großstadtkulisse weicht Palmenplantagen und kleineren Dörfern. Wir fahren stetig bergan, dichter Wald verdrängt die Population. Es wird merklich kühler und nach vier Stunden sind wir im Hochland Malaysias angekommen. Nur 18 °C hat es hier, der Himmel ist wolkenverhangen. Wir steigen aus und sind super glücklich mal nicht schwitzen zu müssen. Ich hole meine Fleece Jacke, die ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr anhatte, heraus und ziehe den Reißverschluss bis ganz oben zu. Frischer Wind zupft an unserer Kleidung und wir laufen durch das kleine Dörfchen Tanah Rata. Überwiegend Kiefern und andere Nadelbäume säumen die Häuserreihen, lassen uns tief einatmen. In einem kleinen Café trinken wir Erdbeerlassi und schmieden begeistert Pläne für die nächsten drei Tage.

Um acht Uhr morgens, des nächsten Tages, schälen wir uns aus den herrlich warmen Decken unseres Bettes und packen Camera, Stativ und ein Wasser ein. 45 Minuten später kurvt ein weißer, etwas verrosteter Landrover Defender um die Ecke und kommt mit quietschenden Reifen zum Stillstand. Ein dunkelhäutiger Mann mit milchigen, auseinander blickenden Augen, gekleidet in typisch beige Ranger Kleidung, steigt aus dem Wagen. Er lächelt uns an und stellt sich vor. Er sei heute unser Tourguide und wir sollen doch jetzt in seinen Defender einsteigen. Rajid ist von Eco Tours, einer Organisation des kleinen Dorfes, welche Touren durch die Highlands anbietet. Mit besonderem Merkmal auf Naturschutz und bewusstem Umgang mit der Umwelt. Ich bin Feuer und Flamme, denn direkt vor mir steht eines meiner absoluten Lieblingsautos und ich darf endlich mal mitfahren. Rumpelnd und unter wunderbarem Sound des V8 beginnt unser Abenteuer. Ein weiteres, holländisches Pärchen gesellt sich zu unserer kleinen Gruppe. Gemeinsam lauschen wir den Informationen unseres Guides und freuen uns auf den Anblick der sich uns gleich bieten wird.

Wir sind in den Cameron Highlands, einem Gebiet dass 1885 von einem britischen Landvermesser entdeckt und zum Anbau von, wie sollte es anders sein, Tee auserkoren wurde. Sein Name war William Cameron und die Teebüsche die einer seiner Nachfolger damals pflanzen lies, stehen noch heute an Ort und Stelle. Wir fahren um eine Kurve und ganze 800 Hektar saftigstes Grün breiten sich vor uns aus. Wir wandern durch die Teebüsche, machen Fotos und hören Rajid über die Pflege und die Gewinnung der Teeblätter zu. Überall erheben sich sanfte Hügel die in den schönsten Farben leuchten. Ein paar hundert Meter entfernt, sehen wir einige Menschen zwischen den Büschen hin und herlaufen- die Teepflücker. Wir werden aufgeklärt, dass heutzutage niemand mehr die Teeblätter per Hand pflückt. Ich atme erleichtert aus, verstumme jedoch sofort wieder, als Rajid erklärt sie würden mit einer Art Schere abgeschnitten werden. „Mhmm“, denke ich mir, und blicke auf die nicht enden wollenden Teebüsche: „Ist immer noch unglaublich, extrem viel Arbeit!“. Ab und an, wenn die Büsche zu breit werden würden, hätte man inzwischen eine Maschine, die jedoch von zwei Menschen getragen werden müsste.

Sieht zwar aus wie grüner Tee, ist allerdings scharzer Tee.

Sieht zwar aus wie grüner Tee, ist allerdings scharzer Tee.

Nach ein paar Minuten sind wir direkt vor Ort und sehen den Arbeitern aus nächster Nähe zu. Das klappende Geräusch der Plastikscheren ist allgegenwärtig und überall fliegen hellgrüne Blätter durch die Gegend. Wie früher, haben die Arbeiter große Bastkörbe auf dem Rücken und blicken ziemlich ernst drein. Unser Guide erzählt uns ein weiters interessantes Detail. Auf der ganzen Plantage würden, bis auf eine Ausnahme, nur noch männliche Teepflücker arbeiten, hauptsächlich aus Nepal und Myanmar stammend. Es gäbe jedoch eine letzte Lady, die sich immer noch zwischen den grünen Büschen behauptet. Er zeigt mit dem ausgestrecktem Arm auf eine Stelle und sagt: „Ihr habt Glück, hier seht ihr das seltene Exemplar“. Ich komme mir komisch vor, ein Foto von der Dame zu machen. Rajid bemerkt unser Zögern und ermutigt uns. Es würde ihr nichts ausmachen und sie sei es gewöhnt eine kleine Berühmtheit zu sein. Tatsächlich interessiert es sie nicht die Bohne als das Klicken unserer Camera ertönt.

Mit den Worten 'Ihr habt wirklich Glück heute' und 'schnell, bevor sie wieder weg ist' scheucht uns Rajid aus dem Rover und nötigt uns fast dazu ein Bild von der Frau zu schießen. Da ich also keine andere Wahl habe, mache ich das beste daraus.

Mit den Worten ‚Ihr habt wirklich Glück heute‘ und ’schnell, bevor sie wieder weg ist‘ scheucht uns Rajid aus dem Rover und nötigt uns fast dazu ein Bild von der Frau zu schießen. Da ich also keine andere Wahl habe, mache ich das beste daraus.

Wenig später und ein paar interessante Details weiter, schlendern wir durch die Teemanufaktur und finden uns auf einer Terrasse hoch über den Plantagen wieder. Gemeinsam kosten wir den hier angebauten Schwarztee und genießen den Blick über die Felder. Ruhe strahlen sie aus, eine verborgene Schönheit und ein anziehendes Gefühl für lange Zeit in ihnen zu verweilen. Schwarze Regenwolken lassen die Hügel und Täler fast mysthisch aussehen und wir sind gespannt wohin uns Rajid heute noch führt, denn diese Berge haben noch einiges mehr zu bieten…

Zum Abschluss setzt uns unser Scout vor einem Teehaus ab. Und wer könnte, bei diesem Atemberaubenden Anblick und umringt von grünen Teebüschen, 'nein' sagen zu einem Tässchen Tee?

Zum Abschluss setzt uns unser Scout vor einem Teehaus ab. Und wer könnte, bei diesem Atemberaubenden Anblick und umringt von grünen Teebüschen, ’nein‘ sagen zu einem Tässchen Tee?

 

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