18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Der Mensch- die Wurzel allen Übels

 

Wieder mal ein eher philosophisch angehauchter Text, als ein Reisebericht. Zunächst, wie komme ich auf diese Parole. Eigentlich hat alles ganz harmlos angefangen. Ein gewöhnlicher Dienstag Morgen, Sonnenschein, Wärme, Vogelgezwitscher. Eine gut durchgeschlafene Nacht und ein leckeres Frühstück. Gespräche über aktuelle Ereignisse und Geschehnisse. Und da nahm es seinen Lauf. Wir kamen auf das Thema schlechte Nachrichten und wie man mit diesen Themen umgeht. Ob man sich jede Meldung zu Herzen nimmt, die Hetze gegen bestimmte Gruppen teilt oder ob man seine Augen verschließt, es gar nicht so genau wissen will. Früher, so erklärte ich Dave, habe ich meine Augen auch ganz fest verschlossen, wollte nur in meiner eigenen kleinen Blase leben. Das Leben um mich herum genießen und nichts von dem Schmerz der Welt wissen. Das geht auch solange gut, bis etwas schreckliches in nächster Nähe passiert und du gezwungen bist dich damit auseinander zu setzen. In meinem Fall das Leid und die Geschichten der psychisch kranken Menschen in meiner Arbeit. Später die Armut in anderen Ländern. Ich beschloss für mich ganz persönlich, dass ich nicht weiter wegschauen kann. Dass ich dieses Ausblenden nicht mehr hinnehmen kann. Über diesen Punkt also, kamen wir zum Thema Familie und was die Aufgaben einer Familie sind. Während Dave es wertschätzt was eine Mutter für ihre Kinder tut, wie sie ihre Zeit hineinsteckt und versucht sie nach besten Wissen und Gewissen auszubilden, so betrachte ich das Thema weitaus nüchterner. Für mich sollte jeder, besteht die Familie aus zwei Personen oder aus zehn, über die Grenze seines Kreises hinaus sehen. Etwas Gutes für andere tun, und sei es noch so klein. Für Dave ist jedoch die Werte Vermittlung an die Heranwachsenden und der Zusammenhalt in der Familie zunächst das wichtigste. Womit wir direkt beim nächsten Punkt angelangt sind: den Sinn und Zweck eines neuen Menschen Lebens. Sehr zum Schrecken von Dave, wie auch wahrscheinlich zu eurem, betrachte ich das Thema Kinder bekommen mehr als eine Art egoistische Sache, als als einen Dienst an die Menschheit. Wenn ich mich entscheide ein Kind zu bekommen, dann ist es meist der Wunsch nach etwas eigenem. Meine Gene weiterzugeben, meine Familie zu vergrößern. In schlechten Fällen auch der Versuch eine Ehe zu retten oder etwas zu erstellen was einen braucht und im besten Falle Liebe zurückgibt. Dave ist der Überzeugung, wie viel mehr eine Mutter gutes tut, wenn sie beispielsweise drei Menschen heranzieht, mit guten Werten und Gewissen, als wenn sie nur selbst arbeiten geht. Und schon geraten wir aneinander und nähern uns dem Kern des Problems. Während Dave die Menschheit als etwas Neutrales bis positives sieht, so sehe ich sie als völlig überflüssig an, womit für mich jedes neue Menschenleben nur dem eigenen Zweck dient und somit nicht notwendig ist. Während wir diskutieren, bricht wie schon so oft, das altbekannte Gefühl der Sinnlosigkeit allen Seins über mich hinein. Für mich ist es völlig klar, dass die Erde ohne Menschen ein so viel schönerer und besserer Ort wäre und wenn ich die Möglichkeit hätte alle Menschen, eingeschlossen mich, mit einem mal verschwinden zu lassen, ich diese sofort ergreifen würde. Dave ist nun fassungslos und ich am tiefsten Punkt meiner Gefühle angekommen. Wie schon so oft stelle ich mir die Frage: Warum hat Gott den Mensch überhaupt erschaffen? Wozu? Damit er Menschen hat, die sich aus freiem Herzen entscheiden ihn zu lieben? Ist das ganze ein Projekt, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt, aber nett und unterhaltsam anzusehen ist? Dave fragt mich warum ich überhaupt an Gott glaube, wenn ich der Meinung bin dass die gesamte Menschheit sinnlos ist und ich mir wünsche dass alle sterben. „Weil der Glaube an einen größeren Plan, der einzige Halm ist, der mich vor dem Ertrinken in all dem Schmerz bewahrt.“, weine ich ihn klagend an. Und obwohl ich auf der einen Seite ganz normal bin, mich über Geschenke, die Schönheit der Natur und die Möglichkeiten eines Lebens freue, so will ich mich auf der anderen Seite an nichts beteiligen. Schäme mich geradezu der Rasse ‚Mensch’ anzugehören und empfinde alles, als Gesamtes betrachtet, zutiefst sinnlos. Ich bin am Boden angelangt, wütend über die Begrenzung meines kleinen Verstandes, die Blindheit der Menschen, die Habgier und den Konsum nach nichtigen Sachen, das Ausnutzen der gesamten restlichen Kreaturen unseres Planeten und den Stolz sich als die Krone der Schöpfung zu betrachten. Dave gibt sein bestes mir mit logischen Argumenten zu helfen, versucht auf seine liebevolle Art mir zu helfen und doch dringt kaum etwas durch meinen Gedankenwust hindurch. Ich renne raus, setze mich ins Gras, weine hemmungslos und blicke in die treuen Augen unserer zwei Hunde. Sie sitzen einfach nur da, stupsen mich an und lecken mir übers Gesicht. Auf ihre ganz eigene, reine Art und Weise trösten sie mich ohne nur ein einziges Wort zu sagen. Wieder einmal bin ich also an dem Punkt angelangt, an dem ich am liebsten aus dem Leben scheiden möchte und keinen einzigen Hoffnungsschimmer mehr sehe. Eingeklemmt, sitzend zwischen Polly und Scooby beruhige ich mich langsam und beginne wieder nachzudenken. Habe ich nicht heute morgen noch Gott um mehr Möglichkeiten gebeten mein Herz in Demut und Sanftmut üben zu lassen? Und ist es nicht der Anfang allem, sich in Demut vor Gott selbst zu üben? Wie klein ist mein Verstand? Kann ich es mir anmaßen über Gott zu richten und ihn zu verurteilen, er habe etwas völlig Sinnloses erschaffen? Weiß ich denn in meinen kurzen, vorausichtlich 80 Jahren Lebensspanne mehr über Anfang und Ende der Zeit als der Schöpfer selbst? Bin ich nicht eher wie ein drei jähriges Kind, dass nicht versteht warum der Herd heiß ist, und dass es sogar Sinn macht, weil man somit auf ihm kochen kann, wie Dave es ausdrückte? Und weiter noch, ist wirklich der Mensch die Wurzel allen Übels? Oder ist es das Böse, dass nur die intelligenteste Spezies auf dem Planeten nutzt um alles zu zerstören? Habe ich in diesem Moment vielleicht das erste mal den Sinn unseres Glaubens erfasst? Nämlich, dass es nicht ein Kampf gegen die Menschen ist, die übles tun, sondern ein Kampf gegen das Böse, dass uns alle Tag für Tag verleiten will? Und so hat es mein Verstand begriffen, doch ist es noch ein langer Weg bis diese Wahrheit auch in mein Herz einzieht und ich wirklich begreife das einzig und allein, das Böse, die Wurzel allen Übels ist. Und dass es an uns ist, Menschen die so verzweifelt und wütend sind wie ich, die Wahrheit zu erzählen, ihnen zu zeigen, dass nicht sie selbst der Grund sind, sondern ein Werkzeug, dass Gutes oder Schlechtes bewirkt, und das Teil eines riesigen Baukastens ist, mit dem Ziel einen ewigen, gerechten Bauplan zu verwirklichen, den wir jetzt, mit unserem kleinen, begrenzten Verstand, noch nicht verstehen können.

 

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