18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Das Herzstück des hohen Nordens

Übersetzt bedeutet „Lofot“ – „Luchsfuß“. Und genauso selten wie dieses Tier in den nördlichen Gefilden zu beobachten ist, genauso selten ist auch die Schönheit des letzten Zipfels der Insel. Wir sind nun im Herzstück des Archipels angekommen, weit draußen auf den letzten Ausläufern der Felsgruppierungen. Viele kleine Brücken verbinden die einzelnen, aus dem Wasser ragenden Kuppen und alles rutscht noch ein wenig enger zusammen. Eine einzelne letzte Straße führt über die karge Landschaft. Vergeblich sucht man nach Bäumen, Wiesen oder gar Wäldern. Hier draußen herrscht der Ozean. An die von Gezeiten gezeichneten Felsen drängen sich, im Schatten der hoch aufragenden Gipfel, die letzten Hütten. Gerade mal fünf bis zehn Bauten, zählt die Größe eines Dorfes, und im Nu haben wir das letzte Örtchen mit dem kürzesten Namen der Welt erreicht: Å.

 

Einzelne leuchtend rote Feuerquallen ziehen ihre meterlangen Tentakeln sacht hinter sich her, bilden den perfekten Kontrast zum klaren, Azur blauen Wasser des Meeres. Stellenweise ist die See so klar, dass man meterweit auf den Grund blicken kann. Und auf einmal sieht Seegras gar nicht mehr so gruselig aus. Im Gegenteil – interessiert studieren wir die einzelnen Arten der Wasserpflanzen und staunen über ihre Festigkeit, ihre Schönheit und ihren Nutzen für die einzelnen Riffe.

Weißer Sand, welchen man sonst nur an Traumstränden in der Karibik findet, ziert die meisten Buchten und lädt verlockend zum Verweilen ein. Während wir wieder einmal, an einer dieser Schönheiten vorbeifahren, sage ich zu Dave, dass es eigentlich schon eine Geschichte wert wäre, erzählen zu können, so weit über dem Polarkreis in arktischen Gewässern baden gewesen zu sein. Er sieht mich kritisch an. „Stell dir nur die Gesichter deiner Enkel vor, wenn du ihnen von diesem Blau erzählst…“, versuche ich ihn zu überreden. „Und dem Mut den es dich gekostet hat der arktischen Kälte zu trotzen…!“

Ein Lächeln huscht über sein Gesicht und schon haben wir die Badesachen an und schlendern durch die Idylle zur rauschenden Gischt. Zaghaft fühlen wir, ganz der deutschen Manier, mit der Groß Zehe vor und zucken schmerzverzerrt zurück. ‚Kalt’ ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Nur mit viel Disziplin gelingt es uns einen Fuß vor den anderen zu setzen und alle beide saugen wir hörbar die Luft ein, als das Wasser am Bauchnabel angelangt ist. Während wir in eiserner Starre jeweils dem anderen den Vortritt lassen wollen, dümpelt auf einmal, keine zwei Meter entfernt, ein kleines Mädchen mit ihrer Taucherbrille umher. Gänzlich weißes Haar und stahlblaue Augen, sowie scheinbar völlige Kälteunempfindlichkeit zeugen davon, dass es eins der einheimischen Kinder sein muss, die den Sommer in vollen Zügen genießt. Betreten blicken wir uns an- was sind wir nur für Memmen. Nun gibt es keine Ausflüchte und kein Zögern mehr und kopfüber stürzen wir uns in die acht Grad kalten, eisigen Fluten.

Also wenn dieser Ausblick mal nicht zum Baden einlädt weiß ich aucht nicht.

Das sind zwar leider nicht wir, sieht aber trotzdem schön aus die zwei da auf dem Gletscherbonbonblauen Wasser.

Die letzten Tage bleiben wir lange auf, genießen die warmen Strahlen der Mitternachtssonne und erfreuen uns an dem Wunderwerk der Schöpfung. Nichts, aber auch gar nichts, hätte man besser gestalten oder schöner erschaffen können. Und nicht im mindestens hätte ein Mensch sich diese Schönheit erdenken können. Dann machen wir uns mit leichtem Herzen auf, gen Süden. Das ist fast das schönste an unseren Reisen, dass wir die biblische Weisheit „Alles hat seine Zeit“, schon länger tief in unserem Herzen verankert haben. Und so blicken wir nicht wehmütig zurück, als wir auf der Fähre noch einmal das ganze Bergpanorama betrachten dürfen, sondern lassen uns vollen Herzens vom Wind die Haare zerzausen, halten uns umarmt und spähen voller Aufregung hinaus auf’s offene Meer. Auf den stärksten Gezeitenstrudel der Weltmeere, auf das neue Stück Land das uns dahinter erwartet, die neue Straßen und auch ein bisschen auf das 6000 Kilometer entfernte Zuhause, dass uns irgendwann in ein paar Wochen erwarten wird.

Ja, die Drohne hat sich auf jeden Fall gelohnt, bietet sie doch ganz neue Perspektiven und ungeahnte Möglichkeiten tun sich auf.

 

Auch hier mit unserer neuen Drohne: eine Fischzucht von oben. Lekka Lakks.

 

Ohne Drohne: Nicht möglich.

 

Panorama Babe.

An diesen zwei Brücken sind wir ungelogen fünf Mal vorbei gefahren, bis ich mich dazu durchgerungen habe, doch einmal auszusteigen und den Copter fliegen zu lassen. Eine weise Entscheidung.

 

No comment.

 

So kann man doch auf jeden Fall die Mitternachtssonne genießen…

 

Und das waren die Lofoten…

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