18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Bis ans andere Ende der Welt

Mit einigen Mühen und Anstrengungen haben wir schließlich doch noch den richtigen Bus erwischt. Ja, hätte man sich vorher bloß mal überdurchschnittlich über Air New Zealand erkundigt. Dann hätte man gewusst, dass sie ihre Counter und Gepäckannahmen weit im Voraus gegenüber der Konkurrenz schließen und man damit noch viel über pünktlicher am Flughafen sein muss als sonst. Also neuen Bus gebucht, doppelt bezahlt aber schließlich heil durch alle Absperrungen gekommen und endlich im Flieger gesessen. Ansonsten muss ich sagen, ist Air New Zealand wirklich komfortabel. Es gibt Filme und Getränke umsonst und die Flugbegleiter haben viel Geduld und Güte. Alles verläuft problemlos und ich komme zur Ruhe. Realisiere was gerade passiert. Und kann es dennoch nicht fassen. Seit meiner Kindheit habe ich davon geträumt dieses Land zu besuchen. Es zu erkunden und irgendwann einmal einfach bis ans andere Ende der Welt zu gelangen. Noch vor zwei Jahren hätte ich es nicht im Ansatz in Betracht gezogen, dass dieses Abenteuer nun so schnell passiert. Ich gucke aus dem kleinen doppelschichtigem Oval hinaus in die Freiheit. Weit über dem Meer befinden wir uns und schweben über dicke, bauschige, weiße Wolken. Die Luft scheint noch klarer und sauberer als sonst zu sein und das blau der Atmosphäre leuchtet intensiv. Mit der einkehrenden Dämmerung landen wir auf der Südinsel Neu Seelands in der gar nicht so großen Stadt Christchurch.

Diesmal weise voraus geplant haben wir keinen Stress einen Bus zu erwischen, ganz davon abgesehen dass nach 22 Uhr sowiso kein Bus mehr fährt. Alles ist hier doch etwas ländlicher, dafür mit Herz. Der Flughafen erinnert mich mit seinen ökonomischen Parolen und kostenlosen Karten ein wenig an den Isländischen. Viel Holz und der Einfluss der Natur ist gekonnt umgesetzt. Ich fühle mich auf anhieb  wohl. Gemütlich und glücklich schlendern wir mit unseren zwei Rucksäcken durch die leeren Hallen, raus in ein Taxi und fahren, begleitet von klassischer Musik, durch die schwarzen Straßen der Stadt. Alles ist ruhig, niemand zu sehen und wir erreichen problemlos unsere Unterkunft. Fallen in seidige Kissen und Laken und schließen müde unsere Augen.

Erst am nächsten Morgen setzt dieses „Ich bin tatsächlich hier“- Gefühl richtig ein. Strahlend wirft die Sonne ihr Licht durch die große Terrassentür und weckt uns liebevoll. Der alte Holzboden knarzt und ächzt als ich ins angrenzende lichtdurchflutete Wohnzimmer tapse. Direkt am Fenster steht ein frisch gedeckter Frühstückstisch und wartet auf unsere Ankunft. Vollkornbrot, Honig, Äpfel und Kiwis, Marmelade und Butter liegen ansehnlich verteilt auf kleinen Tontellern. Ich gieße mir einen Rababertee auf und lasse mich auf dem sonnigen Platz nieder. Dankbarkeit erfüllt mein Herz und ich lächele still vor mich hin. Ich bin wirklich, wirklich hier. So weit weg.

Unsere liebe, aber etwas verplante Gastgeberin fährt uns netterweise ein Stückchen in die Stadt und setzt uns ab. Während wir noch herauskristallisieren wie wir nun ohne neuseeländische Handynummer und Internet unsren nächsten Gastgeber kontaktieren, hält plötzlich ein roter Geländewagen neben uns. „Your names?“, kommt es aus dem herabgelassenen Beifahrerfenster. Wir nennen etwas verwundert unsere Namen und realisieren dass Vidih uns gerade per Zufall auf der zwei Meilen langen Hauptstraße gefunden hat. Erfreut über die erneute Führung und das perfekte Kümmern von Gott steigen wir in ihren Wagen und fahren unsere ersten Kilometer bei Tage. Stahlblauer Himmel, leuchtend grüne Bäume und weit auseinander liegende Farmen rauschen an uns vorbei. Kleine Schäfchen grasen gemütlich auf den wogenden Feldern und hier und da laufen Pferde über ihre Koppeln. Es ist warm, die Luft ist frisch und ich strahle. Vidih biegt in eine lange Einfahrt zwischen Feldern ab und bleibt schließlich vor ihrer Farm stehen. Wir steigen aus dem Ford Explorer und sind sprachlos. Mitten im Grün, zwischen riesengroßen Bäumen, grünen Feldern und alten Weidezäunen steht ein dunkles Holzhaus. Unzählige Blumenstöcke umgeben das ebenerdige Gebäude. Ein kleines Stallgebäude und Wiesen mit Haflingern runden das nicht einsehbare Grundstück ab. Direkt werden wir von zwei quick lebendigen, lieben Hofhunden begrüßt und unter dem Pfefferminz Busch guckt ein kleines Huhn hervor. Wir bringen unsere Rucksäcke in unser neues Zimmer und kommen aus dem Lächeln nicht mehr heraus. Knarzend heißt uns auch dieses Haus willkommen. Große Fensterfronten und Wände komplett aus Holzbalken machen diesen Ort zu etwas ganz besonderem. Barfuß laufen wir über die Wiesen und starten unsere erste Erkundungstour. Das ist nun also unser neues Zuhause für den gesamten nächsten Monat. Unsere erste eigene kleine Farm – am anderen Ende der Welt.

 

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