Bangkok, 10:00 Uhr
Entsetzlich müde versuche ich meine Augenlieder zu heben und Herr meiner Sinne zu werden. Mehr als gedacht zwingt mich der Jetlag in die Knie. Trotzdem, heute ist unser letzter Tag. Und den will ich nutzen, da wir bereits gestern bis 15 Uhr geschlafen haben. Ein Blick aus dem Fenster beschert mir das rege Treiben Bangkoks. Rasende Taxis, wässernde Thais, dampfende Straßenverkaufsstände. Ich tapse ins Bad und schlüpfe unter die kalte Dusche. Wo wohl unser Rucksack ist? Von Tapanuth gibt es zwar Neuigkeiten, aber leider keine guten. Klar, das allerteuerste wie Kamera und Laptop haben wir wohl vorausgeplant ins Handgepäck gepackt. Aber Zubehör wie Stativ, unser Medikamentenvorrat, all unsere Kleidung… der Waschbeutel bleibt uns bis dato verwehrt. Und überhaupt der Rucksack an sich, ist wirklich viel wert. Ich schicke Stoßgebete zum Himmel. Beschließe dann mir diesen Tag nicht von Sorgen kaputt machen zu lassen. Heute dringen wir bis ins innerste von Bangkok, gewillt jedes Abenteuer zu erleben.
Bewaffnet mit Wasser und Geldbeutel treten wir vor das klimatisierte Anwesen. Sengende Hitze lässt die eh schon miefige, seit drei Tagen getragene Kleidung, vollständig an uns kleben. An der Hauptstraße angekommen scheint es schwieriger als gedacht auch nur nach dem Weg zu fragen. Dass hier niemand Englisch spricht, ist uns schon am Flughafen aufgefallen. Der Milchäugige Taxifahrer war also ein Paradebeispiel. Irgendwann haben wir es dann doch geschafft. Bleibt zu hoffen ob wir je wieder in unser Apartment zurückfinden. Schiebe den Gedanken schnell bei Seite. Kahle Hochhäuser und ärmliche Barracken rauschen am Fenster vorbei. Überall riesige Werbetafeln, aber keine Werbung. Mehrere Mautstellen passierend, sind wir dann in der berüchtigten Khao San Road angelangt. Wenn ich die Stadt vorher schon als hektisch empfand, so weiß ich nun, dass wir wohl in dem ruhigsten Bezirk Bangkoks wohnen müssen. Mopedroller, Tuk Tuk Fahrer, Taxis, Massen an Menschen schieben sich durch enge Gassen. Durch das ganze Stimmengewirr dringen immer wieder die lauten Rufe der ‚Marktschreier‘, die ihrer Ware Aufmerksamkeit erheischen. Der Geruch von schwarzer Kloake mischt mit dem Dampf von gebratenen Hühnchen, gekochten Nudeln, brutzelnden Teigfladen. Ich sehe eine Ratte am Rinnstein entlang laufen. Herrenlose Hunde liegen verteilt in den wenigen schattigen Plätzen. Die Szene fasziniert mich. Aufgeregt stürzen wir uns ins Getümmel.
In dem Netz von immer enger werdenden Gassen, habe ich dann schließlich eine Thailänderin gefunden die mir einen Jahrelangen Traum erfüllt. Wohl überlegt, ewig recherchiert, immer wieder zurückgeschreckt, habe ich nun endlich all meinen Mut zusammen gefasst meine Haare einer endgültigen Situation auszusetzen. Ich werde ein Dreadhead. Jetzt gibt es kein Zurück mehr! Gesagt, getan, schon wird mein Haar in viele Strähnen aufgeteilt und mit der Häkelnadel bearbeitet. Nach drei Stunden ist es vollbracht, und ich überglücklich. Klar ist es gewöhnungsbedürftig, aber wenn nicht jetzt ‚leben‘, wann dann? Einfach mal machen. Getreu nach dem Motto:
„5 by 5 rule: If it´s gonna not matter in 5 years, don’t spend more than 5 minutes by upset it!“
Keine zehn Minuten später, kommt dann auch Dave auf seine Kosten. Tür auf, Piercing in die Nase, Tür zu. Muss ja zugeben, dass ich von einem Nasenpiercing bei Männern alles andere als angetan bin. Doch vielleicht liegt es daran das ich Dave so dermaßen gut finde, dass meine Skepsis bei seinem Anblick gleich verschwindet. Ja doch, ich muss gestehen, ich finde er sieht richtig gut aus. Was soll ich tun, ich bin halt furchtbar verliebt.
Das Fehlen unserer Kleidung hat auch einen Vorteil, nämlich: es ist erlaubt sich neue zu kaufen. Hunderte von Ständen bieten alles zwischen Batik und Plagiat an. Shirts und kurze Hosen in allen erdenklichen Mustern erobern unsere Herzen und finden den Weg in den Turnbeutel. Während der Tag immer weiter voranschreitet, es langsam dämmert, hüllt Bangkok sich in einen neuen Glanz. Lampion und Lichterketten die zwischen den kleinen Gassen gespannt sind, tauchen das Gewühl in eine doch recht gemütliche Atmosphäre und lassen den Unrat im Dunkel verschwinden. Hand in Hand schlendern wir durch das Getümmel, bis wir vor einem Straßenwagen mit zwei jungen Thais Halt machen. Allerlei Köstlichkeiten, die sich auf den zweiten Blick jedoch als Getier hervortun, liegen dort aufgetürmt.
Dave ist Feuer und Flamme. Auf sowas hat er schon die ganze Zeit gespechtelt. Da ich bereits in meinem letzten Indonesien Aufenthalt eine Heuschrecke vertilgt habe, bleibe ich diesmal – Gott sei Dank- von Dave’s Überredungskünsten verschont. Er hingegen kann sich an den Skorpionen, Taranteln, Maden, Fröschen und Schaben gar nicht sattsehen. Begonnen wir mit einer Daumen dicken, gelblichen, wirklich großen Made. Etwas Sojasoße und ein paar Krumen Pfeffer und fertig ist der Gaumenschmaus. Das Knacken das ertönt, als Dave auf den Kopf des Insekts beißt, ist eine bleibende Erinnerung. Zu meinem Erstauen hat der Herr noch nicht genug und greift entschlossen zur zweiten Madensorte. Ein schwarzer Skorpion rundet das Ganze geschmacklich ab.

Dieser dicke Brummer war geschmacklich durchaus okay, das Gefühl und das Geräusch beim Zermahlen des Kopfes des Insekts allerdings weniger ansprechend.
Berauscht und angereichert der ganzen Eindrücke kommen wir schließlich spätabends in unserem kühlen Apartment an. Ein Blick auf das Emailpostfach dämpft die Stimmung. Immer noch weiß niemand wo unser Rucksack steckt. Das verschlechtert unsere Chancen, da wir bereits diese Nacht um 1 Uhr aufbrechen um in das nächste Land zu reisen. Ob uns unser Rucksack irgendwie folgen kann? Von Norwegen bis nach Indien ist es nunmal wirklich weit…
Marita Lindner
16. August 2016 — 22:49
Hallo ,Thai-Zwerge!
David, bitte iss sowas nie wieder und Clara, bitte sowas nie wieder fotografieren. Ich bin die Erste, der das nicht gefällt.
Ich gehe jetzt hungrig zu Bett, weil es mir den Magen zugeschnürt hat. Wenn ich heute ein Kilo abnehme, seid Ihr dran schuld (:-)
LG von Omi.
Carla
17. August 2016 — 7:31
Da muss ich jetzt auch nicht zu lange hinschauen….
Sind sicher sehr eiweißreich….
Hoffe ihr bekommt auch richtig leckere Sachen, denn es würde mich interessieren, wieviel das mit unseren Indischen und Thailändischen Kochkünsten hier zu tun hat.
Würde gerne euch gerne um den Versand von schönen Gewürzen ersuchen, aber das wird wohl zu schwierig!?!?
Last bitte nicht zu lange mit Bildern vom Strand auf euch warten!
Dafür seid ihr doch dort!
Ich bin schon so neugierig!
Ist es wirklich so farbenfroh und überwältigend…?
Fühlt euch, wie immer von Herzen umarmt! 💖
Heinz und Nele
17. August 2016 — 9:44
Also, Ihr Lieben,
das ist wirklich sehr lieb und rücksichtsvoll von Euch. Ihr schreibt tolle Berichte und schickte bis zu diesem Bericht auch nur schöne Fotos. Das ist das total Liebe an Euch. Rücksichtsvoll finde ich Euere Ehrlichkeit. Während ihr Euch auf dem höchsten Leser-Interesse-Level bewegt, führen Euere schonungslosen Berichte dieser „Traumreise“ dazu, dass das Neidlevel sich beinahe konstant auf Gefrierschrank Niveau einpendelt. Das ist auch lieb von Euch.
Da wir ja (kaum zu glauben) auch mal jung waren, können wir natürlich nachvollziehen, dass das alles toll für Euch ist und wunderbarst und gerade wegen der schwierigen Phasen u n v e r g e s s l i c h für Euch – und (das gelingt nicht vielen Berichten) auch für uns Leser ist!
Also: Weiter so. Und nicht nachlassen. Gott behüt Euch!
Oma Berlin
17. August 2016 — 12:54
Ihr Lieben im Bangkok-Feever! Super-Bericht…. nun war es soweit: Zwei junge europäische Touristen tauchen ein in die asiatische Esskultur auf öffentlichen Plätzen. Ihre Sinne werden extrem angeregt. Ihre körpereigene Filter- bzw. Abwehrreaktion sortiert sofort in einem breiten Spektrum von angenehm bis widerlich. Das ist nach meiner Ansicht – je nach Sensibilität – keine in der eigenen kontinentalen Landeskultur erworbene „Zickigkeit“ (nach dem Muster: Nun stell‘ dich nicht so an und probiere doch mal) sondern eine berechtigte Vorsichtssperre begleitet von der Angst, ob man das Angebotene überhaupt essen und verdauen könnte, ohne sich hinterher elend zu fühlen. Ich glaube, sobald Menschen auf einem Kontinent länger leben, werden sie die fremdartigen Speisen allmählich annehmen und schätzen lernen. Ist im Übrigen auch eine Sache der jeweiligen Ernährungswissenschaft und Philosophie! Abschließend noch eine provokante Frage: Was ist eigentlich widerlicher: Ein Krabbeltier aus dem Meer oder eine Berliner Currywurst? Hier werden jährl. etwa 5 Millionen Stück auf öffentlichen Plätzen verzehrt – auch von vielen asiatischen Touristen…. bleibt offen für das jeweilige Gastland und seid herzlich gegrüßt von Oma Berlin
Nicola
17. August 2016 — 17:29
Ich melde Dave für die nächste Staffel im Dschungelcamp an.