18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

Jojo’s Monopol: Das erste Augustiner auf Neuseelands Boden

Unsere Zeit mit Jojo und Jenny neigt sich dem Ende zu und um den Abschluss noch einmal gebührend aufleben zu lassen, haben wir den Norden der Südinsel auserkoren. Genauer gesagt ist der Abel Tasman National Park Ziel unserer Begierde. Verschanzt sich jedoch hinter zahlreichen steigenden und fallen Serpentinen und fordert unsere Mägen bis aufs äußerste heraus. Nach gut einem Tag haben wir es dann endlich geschafft und sind unserem Ziel ganz nahe.

Zwischendrin schlage ich mir immer wieder die Nächte um die Ohren. Warum? – So halt. Hier ein kleiner Ausschnitt meines Nachtlebens.

Die, sich eng an die Straßen anschmiegenden Hänge, sind von dichtem Regenwald überwuchert. Palmen und Farngewächse in allerlei Ausführungen, Gesänge unzähliger Zikaden und schreckhaft wegflatternde blau schillernde Vögel mit roten Augen zeugen von der Einzigartigkeit dieses Areals. Unser Campingplatz liegt am Ende einer einsamen Straße, direkt an einer Meeresbucht. Kaum ausgestiegen kommt der orange glühende Sonnenball hinter den Wolken hervor und lässt die Vegetation in den schönsten Farben erstrahlen. Unsacht werden die Schuhe abgestreift und hastig das Auto verschlossen, schon rennen wir in Richtung Strand. Gestern noch in Winterjacke und Mütze dem Wind getrotzt, habe ich nun das Gefühl in der Karibik zu stehen. Ockerfarbener Strand und türkies lebendig leuchtendes Meer schillert uns entgegen. Vor dem grauen Kalkstein kommt das Grün des Regenwaldes erst richtig zur Geltung, pure Sättigung für die Augen. Bei genauerem Betrachten schimmern überall zwischen den Sandkörnern Goldpartikel und ich frage mich ob ich träume. Goldene Strände – es gibt sie tatsächlich. Wir lachen und staunen, laufen und springen durch das seichte Wasser, kaum verstehend dass es immer noch eine Steigerung des Gekanntem gibt.

Der Abel Tasman National Park ist nicht ein Park wie man ihn sich vorstellt. Weder kann man die Grenzen erahnen, noch würde man in ein paar Wochen wirklich alles gesehen haben. So kommt es also, dass wir uns mehrere Tage zwischen den am Meer liegenden Bergen aufhalten und immer neue Faszinationen entdecken. An einem herrlich warmen Nachmittag zum Beispiel, suchen wir eine heilige Stätte der Maori, der Ureinwohner Neuseelands, auf. Anders als bei uns westlichen Leuten ist es kein schnödes, altes Gemäuer, sondern ein überragender Ort mitten in der Natur, fernab von allem Trubel. Es ist eine Quelle, deren Ursprung über Jahrzehnte nicht geklärt werden konnte und der unter anderem heilsame Kräfte nach gesagt werden. Wie immer, habe ich mir die Vorfreude nicht durch Google Bilder verdorben und bin somit sehr gespannt was mich erwartet. Ein mit viel Mühe und Herzblut angelegter Pfad über sumpfiges Gebiet führt durch einen lichten Wald. Sonnenstrahlen fallen permanent durch die dünnen Baumwipfel, Grillen zirpen und der Geruch von Kiefernnadeln, den ich so liebe, schwängert die Luft. Dann biegen wir um eine Kurve und erblicken nicht nur eine Quelle, sondern gleich einen kleinen See von unwahrscheinlicher Klarheit.

Ein wahres Farbspektakel, dass zwischen tiefstem Blau und hellstem Grün alles beinhaltet. Auf einer Brücke stehend, können wir überall im See bis auf den Grund sehen und die dort wachsenden Pflanzen bestaunen. In der Mitte zeichnen sich deutlich Wirbel ab und bezeugen den unterirdischen Austritt frischen Wassers. Zu gern möchte ich meine Hand in dieses sagenumwobene Gewässer stecken, doch es ist strengstens verboten das Wasser der Quelle auch nur in irgendeiner Weise zu berühren. Aus Respekt vor der Kultur, halte ich mich an die Regel und bin gleichzeitig dankbar dafür. Denn ohne diese, würden sich mit Sicherheit unglaublich viele Touristen in dem kühlen Nass tummeln und die Klarheit und Sauberkeit des Biotops wäre dahin.

Übrigens haben Wissenschaftler über Mehr als hundert Jahre versucht herauszufinden, woher und warum hier das Wasser überhaupt aus dem Boden sprudelt. Ich habe es zwar gelesen auf den Schildern, aber das war so kompliziert mit Ebbe und Flut und Regen, dass es mich gar nicht wundert, dass es so lange gedauert hat das herauszufinden.

Unseren letzten Tag im Abel Tasman, bestreiten wir wieder am Meer. Auch heute scheint die Sonne volle Lotte und gibt wirklich mehr als ich jemals erlebt hab. Schon wenige Minuten ohne Kopfbedeckung lösen Schwindel aus und teilweise habe ich das Gefühl meine Haut verbrennt, ohne dass ich wirklich schwitze. Vor der Küste liegen mehrere kleine Inseln und wir vier wechseln uns mit dem Kanufahren ab. Entdecken wunderschöne einsame Buchten und außergewöhnliche Gesteinsformationen wie den ‚Split Apple‘. Leider haben wir ein wenig Pech und haben zu wenig aufladbare Akkus mitgenommen, weshalb ihr hier genau nur ein einziges Bild seht, nämlich das Erste und gleichzeitig Letzte. Dave und ich an der Rückseite des gespaltenen Apfels.

 

 

Tadaaa!!!

Jenny und Jojo winken zur Begrüßung nach ihrem mehrstündigen Kayaktrip. Stellvertretend nehmen wir das Bild jetzt allerdings als ein Abschiedswinken. Schön, dass ihr da gewesen seid!

Zu guter Letzt steht Jojo’s Geburtstag an. Seit der Ankunft von ihm, haben Jenny, Dave und ich schon überlegt wie wir diesen Tag für ihn gestalten können. Gar nicht so leicht, wenn man weder ein Dach über dem Kopf hat noch die Möglichkeit eines Grillplatzes, ganz zu schweigen von der nötigen Flüssignahrung die ein gestandener Österreicher dazu so braucht. Was also tun? Vor allem wenn es regnet. Sich ins Auto zurück ziehen und ein Buch lesen, kommt wohl nicht in Frage. Schließlich hatte Jenny die zündende Idee: „Wie wäre es wenn wir irgendwie ein Augustiner Bier hierher bekommen?“, schmeißt sie in die Runde. Gute Idee, aber wie sollen wir das umsetzen? Folgend wird recherchiert und gegoogelt was das Zeug hält. Die Ergebnisse fallen jedoch dürr aus. Die  bayerische Brauerei liefert nur Europaweit und hier in Neuseeland hat wohl noch nie ein Einheimischer was von dem edlem Tropfen gehört. Auch Amazon, eBay und Co sind keine Hilfe. Es bleibt also nur die altmodische Variante. Ein Paket von der Mama muss über den Ozean geschickt werden. Gesagt, getan: schon wird Isa in das Geheimnis eingeweiht und um Hilfe gebeten. Natürlich lässt sie sich nicht zweimal bitten und gibt ihr bestes die braunen Flaschen vom Laden, gut eingepackt, über die Ozeane bis zu uns zu schicken. Als alles ausgemacht ist, bleibt nur noch zu warten und zu hoffen.

Zwar nicht unser letzter gemeinsamer Abend, aber trotzdem wie ein kleiner Abschied. Die letzten wird nämlich noch das Auto verkauft und die zwei schlafen im Hostel

Doch nach vier Wochen ist es vollbracht. Klammheimlich holen wir sie von der angegebenen Adresse ab, holen Eis und legen sie kalt. Nicht eine ist kaputt gegangen und als Jojo ganz zufällig sich am Abend aus der Getränkekiste einen neuen Cider holen will, hält er inne, bewegt sich nicht und bekommt dann ganz plötzlich riesengroße Augen. Er kann es kaum fassen und an seinem breiten Grinsen und dem Leuchten in seinen Augen wissen wir, dass das, das beste Geschenk ist was wir ihm machen konnten: Ein Augustiner Bier, im Sonnenuntergang über den Steilklippen an der Küste Neuseelands. Zusammen mit Freunden und einer laaangen Runde Watten unter einem unglaublichen Sternenhimmel.

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