18-300mm

For the two of us home isn't a place. It's a person. And we are finally home.

3 Wochen und mutmaßliche 33.465 km Luftlinie später

Es ist Sonntag und ich stehe mit gepackten Sachen in unserem Müffelraum. Endlich ziehen wir aus dieser Bude von dannen, kann es ehrlich gesagt kaum erwarten. Die kleinen gestreiften Fellbündel streifen um meine Beine und ich streiche ihnen gutmütig über die Köpfchen. Ich bin aufgeregt. Wir haben eine email von Norwegian Airline bekommen. Sie sagen sie hätten den Rucksack gestern Abend nach Colombo geschickt. Ich wage es noch nicht mich zu freuen, kann es erst glauben wenn ich das große blaue Ding mit meinen eigenen Augen sehe. Wir rufen am Flughafen an, fragen nach ob er angekommen ist. Sie wissen von nichts. Wir rufen später nochmal an, nein hier sei kein Rucksack. „Naja, das ist ja nichts neues“, gebe ich süffisant von mir. Natürlich können wir aufgrund des Zeitunterschiedes und des Tages in Norwegen keinen erreichen.

Unsere Geduld ist am Ende, wir beschließen auf eigene Faust zum Flughafen zu fahren, dort zu suchen, von Mann zu Mann irgendetwas zu bewegen. Im Gewimmel angekommen, beginnt für Dave dann der zwei Stunden Akt. Um überhaupt ins Flughafengebäude zu gelangen, braucht man ein Ticket. Bezahlt, drinnen angekommen wird man wieder rausgeschickt. Einen Tagespass bräuchte man auch noch. Wieder raus, Sicherheitskontrolle, vom einen Beamten zum nächsten. Scheinbar kann niemand entscheiden, scheinbar weiß niemand bescheid. Woher wir denn wüssten, dass im Flughafen ein Rucksack auf uns warte. Ob wir einen Beleg haben. Nein, haben wir nicht. Dann könne man uns auch nicht reinlassen. Wieder raus, mit Gepäckstelle telefonieren. Doch wieder rein. Diskussion. Unterschriften, Stempel. Nochmal nachfragen. Nein, es sei ganz ganz sicher kein Rucksack angekommen. Und irgendwann hat es Dave dann geschafft. Er steht im Innersten des Flughafens, beim Sammelgepäck. Und während ihm noch gesagt wird, dass hier kein Gepäckstück auf ihn warte, sieht er ihn. Ramponiert, etwas dreckig und einsam liegt er mit einigen Tags einfach da.

Als Dave mit dem 20 Kilo Paket aus dem Gebäude tritt, kann ich mein Glück kaum fassen. Wir haben ihn wieder. Den Rucksack, frische Kleidung, allerlei Toilettenartikel, Medikamente und unsers Stative. Ich umarme alle beide. Anhand der Tags können wir die Reise unseres Freundes zumindestens teilweise rekonstruieren. von Oslo nach Bangkok. Von Bangkok nach Copenhagen. Von Copenhagen nach keine Ahnung, angekommen vor einer Haustür in England. Und von dort wieder zurück über Kuala Lumpur bis nach Colombo. Eieiei. Der Inhalt durchwühlt aber vollständig, ich bin überglücklich.

Ausgehungert und halb am verdursten kommen wir nach sechs Stunden langsamer Taxifahrt endlich in unserer neuen Behausung an. Diesmal soll es sogar eine Waschmaschine geben und bitte bitte bitte funktionierendes Internet. Steif und verschwitzt steige ich aus dem Van. Was uns wohl diesmal erwarten wird? Gebangt blicke ich in Richtung Eingang- und da steht sie. Zwischen zwei großen Flügeltüren, erhellt von dem gemütlichen Schein der Innenbeleuchtung: Nilan. Mit einem Herz erwärmenden Lächeln und viel Mitgefühl empfängt sie uns. Wir bekommen kühle Getränke und bewundern das unglaublich große, weitläufige gebaute Haus. Es ist sauber und riecht gut. Ich bin erleichtert. Ob wir Hunger hätten, schüchtern nicke ich. Dave hingegen haut ein überzeugtes „We are staaaarving!“ heraus. Es gibt sogenannte ‚Hopper‘ (Reisfladen mit Ziegenmilch) und Coconutbread mit selbstgemachten Mangochutney. Zusammen mit Nilan und ihrem überaus amüsanten alten Herrn sitzen wir am Tisch und fühlen uns wie Mitglieder einer Familie. Es wird hauptsächlich gegessen und gelacht und ich weiß, ich hab mein Tief überstanden.

Müde falle ich nach einer ausgiebigen Dusche, mit allen Seifen die ich habe, unter das intakte rosa Mückennetz und danke Gott für die Wendung aller Geschehnisse…!

Er ist wieder da! Unser kleiner, wohlgeformter, hochgeschätzer, zutiefst verehrter und schmerzlich vermisster Kajka 95l in Marineblau.

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